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Das Akkordeon-Orchester Lüneburg unter der Leitung von Michael Reinhardt (2. von links) will sich nach dem Tod von Peter Wallisch neu aufstellen. Foto: nh
Das Akkordeon-Orchester Lüneburg unter der Leitung von Michael Reinhardt (2. von links) will sich nach dem Tod von Peter Wallisch neu aufstellen. Foto: nh

Feuerreiter und Gondolieri

ff Lüneburg. Als Peter Wallisch im Juni dieses Jahres starb, schien damit auch die Zeit eines der ältesten Lüneburger Musikensembles vorbei zu sein: 1950 wurde das Akkordeon-Orchester Lüneburg gegründet, Peter Wallisch leitete es vier Jahrzehnte lang. Mit seinem Tod schien nun alles in Frage gestellt. „Wir waren verwaist und merkten schnell: Ohne musikalischen support geht es nicht“, sagt Thomas Weberschock, der auch schon seit Jahrzehnten dabei ist. Mittlerweile hat Michael Reinhardt die Leitung übernommen. Jetzt soll das Akkordeon-Orchester auch wieder zur alten Mannschaftsstärke zurückfinden.

Michael Reinhardt, ehemals Dozent an der Musikhochschule Nowosibirsk, galt als einer der besten Bajan-Virtuosen der UdSSR, heute arbeitet er unter anderem als Akkordeonlehrer an der Lüneburger Musikschule. „Er hat uns da abgeholt, wo wir standen“, sagt Thomas Weberschock. Das Akkordeon-Orchester besteht aus ambitionierten Amateuren. Wer mitmachen möchte, sollte also schon etwas Erfahrung mit dem Instrument haben. Auch ein Schlagzeuger wäre willkommen.

Peter Wallisch, 1945 in Lüneburg geboren, war staatlich geprüfter Volksmusiklehrer für Akkordeon. Seinem Orchester hinterließ er einen Schatz: rund 800 selbst geschriebene Arrangements Klassik, Schlager, Oper, Operette, Musical. Das Orchester besteht aus bis zu fünf (Melodie-, Harmonie- und Bass-)Stimmen, der Tonumfang entspricht dem eines Sinfonieorchesters, von der Piccoloflöte bis zum Kontrabass.

Das Akkordeon ist als Solo-Instrument in der Klassik wie in der Rock- und Popmusik wieder recht populär. Reine Akkordeon-Orchester dagegen gibt es kaum noch, ihre Blütezeit hatten die Ensembles in den Siebziger-Jahren. Zum Mittelpunkt wurde Trossingen, der Sitz der Instrumentenbau-Firma Hohner. Das Lüneburger Orchester hatte bis zu 40 Mitglieder, die auch in verschiedenen Kammerbesetzungen auftraten. Heute gibt es noch ein rundes Dutzend, doppelt so viele dürfen es gern werden. Wer Interesse hat, meldet sich bei Thomas Weberschock, % 04178-1315, oder unter thomasweberschock@carnehl-gmbh.de. Geprobt wird jeweils mittwochs um 20 Uhr, ein neuer Probenraum ist in Sicht.

Wer das Akkordeon-Orchester live erleben möchte: Am Sonntag, 7. Dezember, 15.30 Uhr, spielt das Ensemble im neuen Johanneum. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Arthur Sullivan (Ouvertüre „The Gondoliers“), Curt Herold („Feuerreiter-Marsch“) und natürlich vom Walzerkönig Johann Strauß („Künstlerleben-Walzer“).