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Ben Turner beim Hautnah-Konzert im Chandlers.
Ben Turner beim Hautnah-Konzert im Chandlers.

Man achte auf diesen Mann

oc Lüneburg. Er kommt aus Wexford in Irland, ist gerade mal 22 Jahre jung und so eine Art Teilzeit-Lüneburger. Noch spielt Ben Turner auf den Straßen der Republik und in den kleinen Clubs. Wie jetzt. Das Lüneburger Chandlers ist leergeräumt, aber eine Box muss auf einen Beck`s-Kasten, sonst bekommen Turner und seine Lüneburger Mitstreiter Benjamin Albrecht (Keyboard, Akordeon), Lars Plogschties (Schlagzeug) und Sebastian Brand (Bass) keinen Platz. Die drei Turner-Begleiter bringen viel Erfahrung im Umgang mit Musikern zwischen Ezio und Santiano ein, sie können spontan reagieren und haben nun mit Ben Turner ein Sechs-Stücke-Album („Only Young“) eingespielt. Das stellen sie im kuschelengen Chandlers vor.

Ben Turner ist der Mann, auf den man achten sollte. Er bringt jede Menge Potenzial mit und transportiert diese unbedingte Leidenschaft, die es braucht, um sich im Haifischbecken Musik vielleicht auf Dauer behaupten zu können. Turner erbaut seine Lieder auf alten Fundamenten, er zählt die Beatles und den unvergessenen, vor 40 Jahren gestorbenen Nick Drake zu seinen Wurzeln, natürlich auch jüngere Musiker. Vieles, was Ben Turner singt und spielt, lässt sich als zeitlose Musik greifen. Einzuordnen ist er dennoch schwer. Will man ihn als Singer/Songwriter verbuchen, wechelt er plötzlich zu Soul, und kaum hat er sich mit einem Folksong als Ire geoutet, verschiebt er den Sound in Richtung Elektronika und Psychodelic.

Er ist ein guter Gitarrist, vor allem aber ein in der Höhe wie in der Tiefe, im weichen Balladenklang wie im rockig Rauen ausgezeichneter Sänger. Turner hat Charisma und verliert seinen Charme auch bei widrigen Bedingungen nicht. Mal reißt eine Saite, zum Glück ist eine zweite Gitarre da. Dann hält der Gitarrengurt nicht, also hockt er sich auf einen Hocker, legt die Gitarre übers Knie. Was nervte an diesem Abend, das waren Konzertbesucher, die Eintritt zahlten und dann das Konzert lautstark zersabbelten. Ganz schafften sie es nicht, die Musik war stärker.

Neben den eigenen Stücken singt Turner Songs von den Foo Fighters, „Joleen“ von Dolly Parton, und er baut in Simon & Garfunkels „Bridge Over Troubled Water“ noch Sinead O Connors „Nothing Compares To U“ ein. Macht Spaß, hat Format und Zukunft. Achtet auf Ben Turner, wohin auch immer er sich entwickelt!

Für Sven Dobosi vom Chandlers war es eine Pilotveranstaltung. Er will öfter Singer/Songwriter präsentieren. Privater sind Musiker nicht zu erleben. Vielleicht sollte nur ein Schild an Tür oder Tresen: Quatschen (während des Konzerts) draußen! Klingt moralisch, hat aber mit Respekt zu tun.