Donnerstag , 29. September 2016
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Volksnahen Charakter hatte die Musik, die in Handorf das Weihnachtsfest illustrierte. Foto: t&w
Volksnahen Charakter hatte die Musik, die in Handorf das Weihnachtsfest illustrierte. Foto: t&w

Lebende musikalische Bilder

aat Handorf. Eigentlich ist das Weihnachtsoratorium von Heinrich Fidelis Müller eine Schauspielmusik. Für die Passionsspiele in Oberammergau 1879 schrieb der aus Fulda stammende Priester und Komponist sein Opus nach Bibelworten um das Weihnachtsgeschehen. Bis heute wird dieses Werk für Chor, Soli und Orchester oder Klavier vor allem im katholischen Süddeutschland aufgeführt. Bernhard Maack, Kantor an der evangelischen Handorfer St.-Marien-Kirche, brachte sie zum 1. Advent nach Norddeutschland und dirigierte eine Aufführung, für die alle Beteiligten Enthusiasmus und starkes Engagement mitbrachten. Umrahmt wurde das Oratorium von Orgelmusik, Gemeindechorälen und zwei Solo-Arien aus Bachs Weihnachtsoratorium.

Selten gespielte Musik zu finden und mit seinem Chor einzustudieren gehört zu den Leidenschaften Bernhard Maacks. Müllers sechs „lebende musikalische Bilder“ um Christi Geburt passen in sein Konzept, anspruchsvolle Musik auch mit Laienensembles aufführen zu lassen. Weihnachtslieder und Lobeshymnen des Chores, romantische Hirtenmusik, Arien und gesungene Worte eines Erzählers verbinden die Szenerien „Sehnsucht nach dem Erlöser“, „Ave Maria“, „Die Geburt“, „Die Hirten auf dem Felde“, „Die Heiligen drei Könige“ und „Weihnachtsjubel“.

Weihnachtliche Gemeindelieder, wie die gefühlvollen Chorsätze wunderbar schlicht gesungen vom Kirchenchor Handorf, geben dem kleinen Weihnachtsspiel jenen volksnahen Charakter, der typisch ist für Fidelis Müllers illus­trative Musik. Der Chor, der auch das Volk in der Weihnachtsgeschichte repräsentiert, wurde von einem konzen­triert musizierenden Ensemble unterstützt, dem vorwiegend nichtprofessionellen Orchester Nordheide (Einstudierung: Claudia Zühlsdorf).

Kantor Bernhard Maack, der das Konzert mit Edward Elgars spätromantischen Orgelstücken „The Dream of Gerontius“ und „The Angels Farewell“, einleitete, überließ Mitgliedern seiner musikalischen Familie Soloaufgaben: Isabell Maack übernahm mit tragender Stimme die Sopran-Parien in Fidelis Müllers Weihnachtsspiel und in Johann Sebastian Bachs Soloarien „Bereite Dich Zion“ sowie in der „Echoarie“, in letzterer gestützt durch Luisa Maack als Echo-Double. An­dreas Maack setzte das enorme Volumen seiner Bassstimme für die Worte des Herodes ein. Professionell begleiteten der Oboist Tim Geissler und seine Frau Anette (Querflöte) die Bach-Arien. Erzähler-Rezitative und Tenor-Arien vermittelte Tenor Björn Griesheimer, deutlich artikulierend, sicher begleitet am Klavier von Sandra Packeiser.

Die in Elgars Orgelstücken versteckte Melodie des Weihnachtsliedes „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ sollte das Publikum erraten, dann durfte es das Lied und andere mitsingen. Es gab in der voll besetzten Kirche begeisterten Beifall.