Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Glänzend läuft zurzeit der Theaterbesuch in Lüneburg. Für Verdis Oper Rigoletto am Freitag, 5. Dezember, gibt es aber noch Karten. Foto: theater/wege
Glänzend läuft zurzeit der Theaterbesuch in Lüneburg. Für Verdis Oper Rigoletto am Freitag, 5. Dezember, gibt es aber noch Karten. Foto: theater/wege

Neuer Theatervertrag: Zustimmung mit Zähneknirschen

oc Lüneburg. Unterschrieben ist nichts. Aber der vom Land Niedersachsen diktierte Vertrag, der die Lüneburger Theaterfinanzen für die kommenden vier und nicht wie ursprünglich geplant drei Jahre regelt, geht jetzt auf den Weg durch die Gremien. Zufrieden sind Theater sowie Stadt und Kreis als kommunale Träger mit dem Vertrag nicht. Dennoch wird der heute unter Leitung von Renate Rudolph (CDU) tagende Aufsichtsrat der Theater GmbH voraussichtlich zähneknirschend empfehlen, dem Regelwerk zuzustimmen.

Das Land Niedersachsen legt für die Jahre 2015 bis 2018 jeweils 3,138 Millionen Euro auf den Tisch. Darin enthalten sind Summen aus sogenannten Anreizprogrammen, etwa für die Kinder- und Jugendarbeit, die bisher gesondert beantragt werden mussten. Das sorgt für weniger Bürokratie. Nicht erfüllt aber haben sich die Hoffnungen des Theaters auf eine spürbare Erhöhung des Sockelbeitrages, im Idealfall um 400000 Euro. Wie berichtet, droht dem Theater-Etat mittelfristig ein bedrohliches Minus.

Aus einem als einmalig bezeichneten Sonderbetrag der SPD/Grüne-Regierungsfraktionen des Landes, der den kommunalen Theatern zugutekommen soll, soll das Theater 43000 Euro erhalten. Es gehe in dieser Sache jetzt zeitnah darum, den Betrag für die kommenden Jahre möglichst „zu verstetigen“, meint Oberbürgermeister Ulrich Mädge und nach Möglichkeit aufzustocken. Gefordert ist aber auch die Theaterleitung mit Intendant Hajo Fouquet und Geschaftsführer Volker Degen-Feldmann, Konzepte für einen weiterhin finanzierbaren Spielbetrieb zu entwickeln. Der neue Vertrag fordert zum Beispiel, eine Erhöhung der Eigeneinnahmen anzustreben. Dazu gehören gegebenenfalls höhere Eintrittspreise.

Das Minus im Etat resultiert, wie berichtet, auf einem Einfrieren der Fördersumme in den 90er-Jahren. Tarifsteigerungen ließen den zur Verfügung stehenden Etat schrumpfen und schädigen die Bilanz nachhaltig. Deswegen hatten die kommunalen Bühnen auf eine höhere Basisfinanzierung gehofft. Fouquet beklagt zugleich, dass sich die Schere zwischen den kommunalen und den drei Staatstheatern Niedersachsens immer weiter öffnet, bei den Staatstheatern war der Etat nicht zeitweise eingefroren.

Verbunden mit der Förderung des Landes für die kommenden vier Jahre sind kulturpolitische Forderungen: Das Theater soll neue Publikumsschichten gewinnen. Genannt sind der Bereich des Kinder- und Jugendtheaters, der in Lüneburg bereits 25 Prozent der Besucher ausmacht, ein verstärktes Einbeziehen von Älteren und die Integration von Mitbürgern anderer kultureller Herkunft. Ebenfalls genannt wird der Bereich Kooperation bzw. Vernetzung mit anderen Kulturakteuren und -einrichtungen, ob es nun freie Theater sind, Hochschulen, Musikschulen, Volkshochschulen, Kirchen oder soziokulturelle Einrichtungen.

Zehn Prozent der künstlerischen Aktivitäten sollen auf diese kultur- bzw. sozialpolitischen Verpflichtungen entfallen. Dazu erwartet das Land Konzepte und Tätigkeitsberichte, was wiederum ein Plus an Bürokratie bedeutet. Bei Nichterfüllen der Forderungen behält sich das Land eine Zuschusskürzung um maximal zehn Prozent vor.

Neu ist schließlich, dass ab 1. Juli 2015 im Aufsichtsrat ein Sitz für einen Vertreter des Landes freigehalten werden muss. Mädge begrüßt das, auch Fouquet: „Wir haben das immer angeboten.“

Zum vorläufigen Abschluss kommen die aktuellen energetischen Sanierungsmaßnahmen, für die neben Mitteln aus der EU Stadt und Kreis anteilig jeweils 155000 Euro beitragen. Es gebe zwar zeitlich eine „sanfte Verzögerung“, sagt Intendant Fouquet, alles liege aber noch im Plan. Die Maßnahmen sollen in diesem Jahr abgeschlossen sein, bei den Kosten liege man „mehr als gut“. Genaueres könne erst nach Abschluss gesagt werden. Im kommenden Jahr soll es, wenn EU-Mittel erneut fließen, in der Spielzeitpause weitergehen mit einer effizienten Haustechnik, dem Zuschauerraum (inklusive neuer Sessel) und dem Foyer.