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Der Wiener Peter Rosei nutzt in seinem Roman das Mittel der Satire, um Typen und Mechanismen kenntlich zu machen. Foto: t&w
Der Wiener Peter Rosei nutzt in seinem Roman das Mittel der Satire, um Typen und Mechanismen kenntlich zu machen. Foto: t&w

LiteraTour Nord: Peter Rosei liest im Heine-Haus

oc Lüneburg. Es ist möglich, 40 Jahre im Literaturgeschäft zu sein, Romane, Lyrik, Essays und vieles mehr veröffentlicht zu haben und trotzdem so etwas wie ein Newcomer zu sein. So scheint es im Norden dem Wiener Peter Rosei zu ergehen, der jetzt Kandidat für den Preis der LiteraTour Nord ist und sich im Lüneburger Heinrich-Heine-Haus auf die alten Griechen beruft: „Fürchtet die Alten! Sie wollen keine Karriere mehr machen. Sie sagen, was sie denken.“ Rosei, 68 Jahre und Träger des Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst sowie des Kafka-Preises, hat eine alpenländische Autorenkarriere gemacht.

Abgelehnt hat er zuvor eine Laufbahn als promovierter Jurist. Das war damals in den 68er-Jahren. Rosei ertrug die „halbfaschistoiden Strukturen“ der Branche nicht in einem Land, das, wie er sagt, seine Vergangenheit nicht aufarbeiten wollte, sondern sich auf seine Opferrolle konzentrierte. Rosei wurde also Schriftsteller und spiegelt in seinem Werk die österreichische Gesellschaft. Heute, vieldekoriert und an Universitäten gefragt, betrachtet Rosei vieles mit der Gelassenheit des Alternden, der sich dennoch den scharfen Blick bewahrt hat.

Roseis Roman „Die Globalisten“ ist als Satire auf die Gier nach Geld geschrieben und zielt auf den Kulturbetrieb. Das Ökonomische habe ihn immer interessiert, sagt Rosei im Gespräch mit Moderator Prof. Dr. Sven Kramer. Die Ökonomie wirke heute stärker auf den Menschen ein als die Politik. „Die Globalisten“ ist nach „Geld“ (2011) und „Madame Stern“ der dritte Teil einer Auseinandersetzung zum Thema.

Rosei führt in den „Globalisten“ drei Menschen, drei Milieus zusammen: einen windigen Geschäftsmann, einen TV-Produzenten und einen Autor, der in einer österreichischen Besprechung als „abgesandelt“ bezeichnet wird, ein schönes Wort, man könnte wohl auch abgenudelt, abgehalftert oder Ähnliches sagen. Auf das Essenzielle konzentriert und dialogstark treibt Rosei seinen Roman voran. Die Warte des Autors ähnelt der eines Reiseführers, der zu Typen und Milieus führt, auch mal kommentiert oder vorausschaut, was kommt.

Als „Befreiungsschlag für mich selbst, indem ich mich über die Gaunerhaftigkeit lustig mache“, wertet Rosei sein Werk. Vielleicht ist das Lachen und Verlachen die Position, die einem noch bleibt angesichts eigener Ohnmacht gegenüber globalen wie lokalen Macht- und Gierspielen. Rosei verschärft diese Haltung, wenn er auf Realsatire verweist, die zum Beispiel darin liege, dass Manager Aufführungen von Opern des kommunistischen Komponisten Luigi Nono sponsern. Das System frisst seine widerspenstigen Kinder. „Ich moralisiere nicht, ich teile keine Noten aus. Ich versuche, die Wahrheit der Figuren nachzuerzählen“, sagt Rosei. Der Blick des Satirikers ist allerdings schon von der Form her der eines Moralisten.

Dass er selbst Teil der alles durchdringenden Ökonomie ist, nimmt Rosei hin. Wie sollte es anders sein. „Ich habe aber den Luxus, meine Projekte so machen zu können, wie ich es will“, sagt er als Etablierter in der Branche mit Blick auf junge Autoren, die schnell Opfer eines wuchernden Effizienzdenkens in den Verlagen werden. Zumindest im deutschen Norden aber zählt Rosei noch nicht zu den Etablierten.

2 Ein weiterer Wiener setzt am Mittwoch, 14. Januar, die LiteraTour Nord im Lüneburger Heine-Haus fort: Robert Seethaler liest aus „Ein ganzes Leben“. Veranstalter sind das Literaturbüro, die Literarische Gesellschaft und die Leuphana Universität.