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Carl Peter von Mansbergs Entwürfe prägen das Lüneburger Bauen der vergangenen Jahrzehnte. Foto: t&w
Carl Peter von Mansbergs Entwürfe prägen das Lüneburger Bauen der vergangenen Jahrzehnte. Foto: t&w

Chaos gibt es genug

oc Lüneburg. Es dauert in der Regel nicht lange, bis bei einem Gespräch mit Carl Peter von Mansberg der Name Mies fällt. Der große Architekt der Moderne und Bauhausmeister Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) muss für den jungen Architekten von Mansberg eine Art Leitbild gewesen sein, und das, was an Logik und Klarheit des Bauens mit dem Namen „Mies“ verbunden ist, das beschäftigt auch den heute 79-jährigen Lüneburger. Dabei hat von Mansberg seine eigenen Zeichen in der Architektur gesetzt und das nirgendwo so nachdrücklich wie in Lüneburg. Mansberg-Entwürfe prägen das Bauen in Lüneburg seit Jahrzehnten. Für seine Verdienste erhält Carl Peter von Mansberg am Donnerstag, 11. Dezember, den Dr.-Hedwig-Meyn-Preis der Stadt Lüneburg.

Der Krieg hatte die Mansberg-Familie 1943 aus Hamburg vertrieben. Mit knapper Not sei man mit dem Leben davongekommen, erinnert sich von Mansberg. Die Familie fand nach einigen Wirren in Lüneburg eine Heimstatt. Das Haus aber bekam am 7. April 1945 einen Volltreffer, „wir wurden ausgebuddelt“ traumatische Erlebnisse für den Jungen, die lebenslang nachwirken. Sie hielten von Mansberg letztlich ab, eine Soldatenkarriere anzutreten, das wäre in seiner Familie sonst durchaus üblich gewesen. Also kam es anders. Auf das Abitur am Johanneum folgte eine Maurerlehre auf der Veddel, ein Architekturstudium in Hannover und in München, wo er bei einem Schüler von Mies van der Rohe lernte, „das machte Eindruck auf mich“.

Zurück im Norden „nie wieder nach Lüneburg“ hatte er sich geschworen arbeitete der junge Architekt zunächst in Hamburg. Prägend wurde das Büro von Bernhard Hermkes (1903-1995), der für Bauten wie die Grindel-Hochhäuser stand. „Von meinem ersten Gehalt kaufte ich mir einen Mantel bei Ladage & Oelke für 400 Mark, mein Gehalt betrug 750 Mark brutto.“ Das war dann so eine Art Wirtschaftswundermantel, es ging ja aufwärts in den späten 50ern. Als „erste Mit-Baustelle“ bezeichnet von Mansberg die Großmarkthalle, die zwischen 1958 bis 1962 entstand.

Die Verbindung mit Lüneburg aber wurde enger, 1962 heiratete er eine Lüneburgerin, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Und 1966 machte sich von Mansberg selbstständig in Lüneburg. „Da saß ich wieder, wo ich nie hinwollte“, sagt er und schmunzelt. Viel verdankt er in den frühen Jahren der Familie Bockelmann in Barendorf, sie unterstützte ihn, denn: „Es hat sich mühsam in Lüneburg in Bewegung gesetzt. Ich baute sogar Putenställe, ich war verheiratet, ich musste Geld verdienen.“

Es ging bergauf, oft in Partnerschaft mit Kollegen. Mansberg bekam Kontakt zu den Behörden, zur Verwaltung im Rathaus und sollte in den kommenden Jahrzehnten das Bild der Stadt prägen. Als Durchbruch bezeichnet er den Bau der Handelslehranstalt Ende der 70er. Es folgten eine Fülle von Neubauten und -gestaltungen, dazu zählen hier nicht chronologisch geordnet Klinikum, Schulen, Bahnhof, Theater, Universität, Landeszentralbank, Ritterakademie, Kreisverwaltung, Altes Kaufhaus, Wohnhäuser bis hin zur Chororgel in St. Johannis.

Bauen in Lüneburg, das heißt, sich mit dem Bild einer gewachsenen Stadt mit großem historischen Bestand auseinanderzusetzen. „Man schaut auf eine Bürgergesellschaft. Man muss die alte Stadt als Ansporn nehmen, versuchen zu ergründen, worin die Qualität besteht“, sagt von Mansberg und nennt Begriffe: Plastizität, Licht und Schatten, Proportionen „Dinge, die man abgreifen kann, ohne zu imitieren.“ Ein gutes Gebäude sollte in seiner Hülle so beschaffen sein, dass man gern hinsieht, „aber es soll nicht permament Aufmerksamkeit erzielen wollen.“ Vielleicht steckt in dieser Haltung auch ein wenig hanseatisches Understatement, mit dem von Mansberg an seine Arbeiten herangeht.

Er spricht lieber davon, dass Architektur der Gemeinschaft eine Fassung geben soll: „Die Grundstruktur sollte eine klare, ordnende sein. Chaos gibt es genug.“ Seine Auffassung von Architektur vertrat von Mansberg in unzähligen Jurys und Fachgesprächen. Stets blieb er anderen Positionen gegenüber aufgeschlossen. Er holte ihre Vertreter in die Stadt, zu Architekturvorträgen in der Universität kamen unter anderem Stars der Branche wie Günther Behnisch und schon 1998 Daniel Libeskind, Jahre, bevor er als Leuphana-Architekt zurückkehrte. Das Engagement für Lüneburg bildet sich des Weiteren in Ausstellungen ab, die von Mansberg (mit-)organisierte und in vielen Beiträgen, auch in der Landeszeitung, mit denen er Impulse für die Gestaltung der Stadt gibt.

Dass er Preise bekam, dass er natürlich weit über Lüneburg hinaus aktiv war und ist, muss erwähnt sein, jüngst gab er der neuen Klosterorgel in Loccum ein Gesicht. Dass er auch als 79-Jähriger seine Neugier und Lust an der Debatte erhalten hat, zeigt die Gründung eines Forums Baukultur, an der von Mansberg wesentlich beteiligt ist. Schließlich: Carl Peter von Mansberg liebt die Musik, das Theater, die Malerei. Zu letzterer hat er auch etwas beigetragen, das wird im Rahmen der Preisvergabe zu sehen sein.