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Die Halle für Kunst hat sich wieder einmal verwandelt: Blick auf die Installation von Marc Camille Chaimowicz. Foto: ff
Die Halle für Kunst hat sich wieder einmal verwandelt: Blick auf die Installation von Marc Camille Chaimowicz. Foto: ff

Minimalismus im Wohnzimmer – Neue Installation in der Halle für Kunst

ff Lüneburg. Wenn Marc Camille Chaimowicz eine neue Galerie oder ein Museum erobert, dann wird es dort, wo eben noch ein white cube war, ein schlichter weißer Raum also, bald recht wohnlich auf die eine oder andere Art. Denn der Künster, der Ende der 60er-Jahre als einer der ersten in Europa mit Performances und Installationen zu arbeiten begann, spielt mit den Elementen der „Einrichtung“, also mit Möbeln, Teppichen, Tapeten, Geschirr, um damit Fragen der Ästhetik zu diskutieren, nach dem Zusammenhang von Kunst und Funktion zu fragen. In der Lüneburger Halle für Kunst hat Marc Camille Chaimowicz nun für allerhand zusätzliches Licht gesorgt; Titel der Arbeit: „Light and Shade“.

Meistens möbliert Marc Camille Chaimowicz in seinen Projekten die Räume mit Blick auf einen Lebensstil, eine Epoche, oft werden jedoch Innenarchitekturen in ihrer Homogenität aufgebrochen. Dabei rückt auch das Spannungsverhältnis zwischen Behaglichkeit und auf Wirkung bedachte Inszenierung in den Mittelpunkt.

Ungewöhnlich an der Lüneburger Installation ist die Konzentration auf einen einzigen Objekttypus, die Lampe. Für ein wenig häusliche Atmosphäre sorgt ein zusätzliches Mittel der Inszenierung: Eine Wand der Kunsthalle mit Fenstern zur Straße hin wurde dunkelrot gestrichen. Die Farbe spielt zugleich an auf die Häuserfassade gegenüber und bettet damit die Ausstellung beziehungsweise die angedeutete Wohnzimmer-Situation in den städtischen Zusammenhang ein.

Die Lampen, als einzelne Exponate begriffen, bewegen sich zwischen Spießigkeit und Avantgarde, Chaimowicz bemalte die Lampenschirme mit Zeichen und Mustern, die mal an die plüschigen 60er-Jahre, mal an die Blumenornamente der 70er erinnern. Biedermeier steht im Gegensatz zu dem kühlen Minimalismus von „Light and Shade“, mit Kitsch und speziellen, eher zeitspezifischen Geschmacksverirrungen hat der Künstler keine Berührungsängste, die betulich-romantischen Anteile der Installation schaffen den Ausgleich zu der eher akademisch-distanzierten Grundstimmug.

Marc Camille Chaimowicz, geboren im Paris der Nachkriegszeit, lebt heute in London. In den 70er-Jahren schuf Chaimowicz Situationen, die ihre Ästhetik aus der Kunstgeschichte, zugleich aus dem Repertoire des Glam-Rock bezogen: Discokugeln, Scheinwerfer, Lichterketten, Popmusik einerseits, symbolisch aufgeladene historische Elemente wie alte Spiegel und Blumenarrangements andererseits. Zusammen mit seinen Performances standen diese Werke im Gegensatz zur puristischen Repräsentation der Konzeptkunst und Minimal Art. Die Inszenierungen machten den Künstler zu einem der wichtigsten Vertreter der britischen Sub-Hochkultur der 1970er-Jahre. Im aktuellen Jahr waren Arbeiten von Chaimo­wicz unter anderem in New York, in Monaco und in St. Petersburg zu sehen.

Die Lüneburger Ausstellung „Light and Shade“ in der Halle für Kunst (Reichenbachstraße 2) läuft bis zum 1. März, jeweils mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr.