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Franka Kraneis in Rigoletto, die Verdi-Oper wird zum letzten Mal am 26. Dezember im Theater Lüneburg aufgeführt. Foto: theater/wege
Franka Kraneis in Rigoletto, die Verdi-Oper wird zum letzten Mal am 26. Dezember im Theater Lüneburg aufgeführt. Foto: theater/wege

Theater als UNESCO-Kulturerbe

oc Lüneburg. Ein neues bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes hat die deutsche UNESCO-Kommission angelegt. Darin wurden 27 schützenswerte Traditionen und Wissensformen aufgenommen, entsprechend einem internationalen UNESCO-Übereinkommen. Dazu zählen die deutsche Orchester- und Theaterlandschaft, die Flößerei, Orgelbau und -musik sowie zum Teil Regionales wie das nordfriesische Biikebrennen. Außerdem nominierten die Experten die Genossenschaftsidee für die international geltende „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“.

Die Kultusministerkonferenz und die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, haben die aus 83 Vorschlägen erstellten Empfehlungen bestätigt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters betont in einer Mitteilung der UNESCO-Kommission: „Das immaterielle kulturelle Erbe steht für unsere lebendige Alltagskultur. Sie ist Ausdruck der kulturellen Vielfalt in Deutschland und soll dazu beitragen, dass gelebte Traditionen, die das Selbstverständnis der Kulturnation Deutschland prägen und erhalten, fortgeführt und weiterentwickelt werden. Auch für zukünftige Generationen wird durch eine Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis das öffentliche Bewusstsein für diese Traditionen gestärkt.“

Für die Theater wertet Rolf Bolwin, Direktor des Bühnenvereins, in einer Erklärung die Entscheidung als „wichtiges Signal, das die Bedeutung der künstlerischen Arbeit der Theater und Orchester hierzulande hervorhebt.“ Der Deutsche Bühnenverein hatte mit dem Deutschen Musikrat die entsprechende Bewerbung auf den Weg gebracht. Die Experten der Kommission würdigten laut Bühnenverein die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft mit ihren historisch gewachsenen Strukturen als Ausdruck lebendiger künstlerischer Kreativität. Die lokale und regionale Verankerung von Theatern und Orchestern sei identitätsstiftend und trage wesentlich zur Kraft und Ausstrahlung der Kulturlandschaft Deutschland bei.

Auch Lüneburgs Theaterintendant Hajo Fouquet sieht die Entscheidung als zukunftsweisend an. Eigentlich, so Fouquet, dürften mit diesem Beschluss Gelder der Städte, Kommunen und Länder für Theater und Orchester nicht länger in den Bereich der freiwilligen Leistungen fallen. Da diese Leistungen immer unter hohem Spardruck stehen, gehört der Kampf um Planungssicherheit zu den Daueraufgaben der Theaterbetreiber. Man sollte Ausgaben für Theater und Orchester als grundsätzlich notwendige Beiträge werten, die der kulturellen Gestaltung, dem Erhalt und der Bewahrung des immateriellen Kulturerbes und der Bildung für alle gesellschaftlichen Schichten und Altersgruppen dienen.

Weitere UNESCO-Einträge (Auswahl):

– Chormusik in deutschen Amateurchören
– Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung
– Niederdeutsches Theater
– Rheinischer Karneval
– Deutsche Brotkultur
– Finkenmanöver im Harz
– Morsetelegrafie
– Köhlerhandwerk und Teerschwelerei
– Reetdachdecker-Handwerk
– Handwerksgesellenwanderschaft Walz.