Aktuell
Home | Kultur Lokal | Neue CD: Sechs Kirchen, sieben Orgeln
Der prächtige Prospekt der Lüner Kirche wurde wieder hergerichtet, das Instrument könnte einen Neustart brauchen. Foto: A/t&w
Der prächtige Prospekt der Lüner Kirche wurde wieder hergerichtet, das Instrument könnte einen Neustart brauchen. Foto: A/t&w

Neue CD: Sechs Kirchen, sieben Orgeln

oc Lüneburg. Die schönste Orgellandschaft der Welt, die liegt in Ostfriesland und in der Provinz Groningen, mit mehr als 300 historischen Orgeln aus sechs Jahrhunderten. So wird das beworben. Nicht schlecht, aber voll weiter Wege. Henning Voss, Kantor an St. Michaelis Lüneburg, setzt etwas dagegen: „Es ist doch erstaunlich, dass nur wenig Menschen die Bedeutung der Lüneburger Orgellandschaft klar ist. So eine Vielfalt, so eine Qualität und Schönheit, und das auf gut fünf Kilometern, das ist, vemute ich, weltweit einmalig“, sagt der Kirchenmusiker. Starke Worte. Der Beleg lässt sich jetzt hören: Sechs Kirchen, sieben Orgeln vereint die CD „Orgellandschaften: Ein musikalischer Spaziergang zu sieben Orgeln in Lüneburg und Bardowick“.

CDs mit Orgelmusik aus Lüneburg gibt es einige. Bisher aber, sagt Kirchenmusikdirektor und Johanniskantor Joachim Vogelsänger, bieten diese immer Musik aus einer Kirche. Jetzt wächst also zusammen, was zusammenpasst. Hinter der CD steht der Stader Verein Nomine, der sich um „Norddeutsche Orgelmusikkultur in Niedersachsen und Europa“ kümmert. Es geht dem Verein um den Erhalt und das Bekanntmachen historischer Orgeln zwischen Westerhusen in Ostfriesland und Bergen an der Dumme. In Lüneburg und Bardowick werden, so sehen es Vogelsänger und Voss, die wichtigsten Etappen der deutschen Orgelbaugeschichte abgedeckt.

Orgeln sind Instrumente, die stets dem Zeitgeist angepasst wurden. Auf Jahrzehnte der Klangerweiterungen führt die Reise zurück, auf der Suche nach dem originalen Klang. Technisch notwendige Reparaturen verändern ebenfalls das Klangbild, und über den idealen, den „richtigen“ Klang streiten Experten immer wieder aufs Neue. Die wohl ältesten Lüneburger Orgelpfeifen erklingen in der kleinen Orgel auf dem Nikolaihof in Bardowick. Sie wurden 1436 gegossen, stammen ursprünglich aus der Johanniskirche. Vier alte Register aus dem 15. Jahrhundert wurden bei der Rekonstruktion 2013 auf dem Nikolaihof erhalten. Das Instrument verkörpert vor allem die Zeit der Renaissance. Joachim Vogelsänger spielt dazu auf der CD Musik von Georg Muffat (1653-1704).

Die berühmteste, mit ihrem aufwendig gearbeiteten Prospekt zugleich prächtigste der Lüneburger Orgeln steht in St. Johannis, sie repräsentiert herausragend Renaissance und norddeutsches Orgelbarock. Das Instrument besitzt einen internationalen Ruf. Dass Joachim Vogelsänger St. Johannis als „siebten Himmel für Organisten“ einstuft, liegt zusätzlich an der noch jungen Chororgel, die nach französischem Vorbild gebaut ist und vor allem für symphonische Werke, für Chor- und Orchesterbegleitung geeignet ist. Musik von Johanniskantor Böhm (1661-1733), Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Marcel Dupré (1886-1971) spielt Vogelsänger auf der CD.

Die Michaelisorgel hat sich ihren barocken, von Matthias Dropa geschaffenen Kern erhalten, durch Erweiterungen wie den Einbau eines Schwellwerks eignet sie sich auch für die Musik späterer Epochen. Henning Voss demonstriert das mit Musik von Bach, Dietrich Buxtehude (1637-1707), Johannes Brahms (1833-1897) und Ernst Pepping (1901-1981).

Zu den wichtigsten romantischen Orgeln im Norden zählt das 1899 von Furtwängler & Hammer gebaute Instrument in St. Nicolai. Anfang des Jahrtausends erhielt sie ihren originalen Klangcharakter zurück, den Stefan Metzger-Frey mit Werken von Josef Rheinberger vorführt.

Die Klangreise führt auch nach Lüne. Prachtvoll präsentiert sich dort das 1645 gebaute Gehäuse, das Instrument gilt allerdings als renovierungsbedürftig. Daniel Stickan bringt die alten Prospektpfeifen aus dem 17. Jahrhundert mit Klängen von Heinrich Scheidemann (1596-1663) zur Wirkung, dazu spielt er Zeitgenössisches vom 1937 geborenen Niederländer Bert Matter.

Schließlich die Orgel des Bardowicker Doms, auf der CD ist sie als erste im Einsatz. Sie wurde erst 2012 eingeweiht, nach einer langen Leidensgeschichte der Vorgängerin, und folgt dem Stil mitteldeutscher Instrumente zur Zeit von Bach und seinen Schülern. Noten des Bach-Sohns Carl Philip Emanuel (1714-1788) und des Bach-Schülers Johann Ludwig Krebs (1713-1780) nahm sich Peter Johannes Elflein vor.

Die CD erweitert den bisher auf die Innenstadt beschränkten Orgelspaziergang zur Eröffnung des Lüneburger Orgelsommers. Der Orgelspaziergang 2015 greift die Idee auf, er wird am 10. Mai vom Bardowicker Dom über die Kirche auf dem Nikolaihof zur Nicolaikirche führen wird. Für 9,80 Euro ist die CD „Orgellandschaften, Folge 5, Lüneburg und Bardowick“ in den großen Innenstadtkirchen erhältlich, bei Lüneburg Tourismus, im ausgesuchten Buchhandeln und anderen Geschäften.