Dienstag , 27. September 2016
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Valérie Knoll (links) wechselt nach Bern, Stefanie Kleefeld bleibt der Halle für Kunst treu. Foto: A/ff
Valérie Knoll (links) wechselt nach Bern, Stefanie Kleefeld bleibt der Halle für Kunst treu. Foto: A/ff

Halle für Kunst Lüneburg: Ein Ort, um Karriere zu machen

oc Lüneburg. Dass Lüneburg eine Stadt ist, in der man bzw. frau Grundsteine legen kann für eine Karriere, das gilt für den kleinen Verein Halle für Kunst. Er zeigt seit fast 20 Jahren Kunst der Gegenwart, erst an der Feldstraße, längst an der Reichenbachstraße. Bei der künstlerischen Leitung des Vereins kommt es regelmäßig zu Wechseln, und das liegt daran, dass die Kuratoren Karriere machen. Wie jetzt Valérie Knoll, die seit 2011 den Verein mit Stefanie Kleefeld leitet. Die aus Basel stammende Kunstkritikerin und Kuratorin wird voraussichtlich zum Mai ­ Leiterin der Berner Kunsthalle.

Für Prof. Dr. Ulf Wuggenig, Vorsitzender des Vereins Halle für Kunst, ist die Berufung „neben derLeitung des Migros-Museums in Zürich durch unsere frühere Kuratorin Heike Munder der größte Erfolg bzw. das höchste Maß an Anerkennung einer künstlerischen Leiterin unserer Lüneburger Einrichtung.“ Zu den Vorgängern in Bern zählt zum Beispiel Harald Szeemann, der unter anderem die Documenta 5 leitete.

Valèrie Knolls Weg weg aus Lüneburg reiht sich ein in eine ganze Reihe von erstaunlichen Karrieren. Das gilt vor allem, aber nicht nur für die Gründergeneration. Zu nennen ist Bernd Milla, seit November 2010 Geschäftsführer der Kunststiftung Baden-Württemberg. Milla, der an der Leuphana Universität Angewandte Kulturwissenschaften studiert hatte, gründete als Student 1995 die Halle für Kunst, gemeinsam mit Heike Munder. Der Verein erhielt 1999 den Jürgen-Ponto-Preis. Milla war von 2001 bis 2006 Geschäftsführer des Deutschen Künstlerbunds in Berlin, anschließend Künstlerischer Direktor der Künstlerhäuser Worpswede bis zu deren Auflösung durch das Land Niedersachsen, parallel mit dem Auflösen der Künstlerstätte Schloss Bleckede, die Milla auch in seiner Lüneburg-Zeit betreut hatte.

Heike Munder, die wie Milla unter anderem bei Ulf Wiggenig Kulturwissenschaften studiert hatte, ist seit 2001 Direktorin des migros museum für gegenwartskunst in Zürich. Nachfolgerin bei der Halle für Kunst wurde Bettina Steinbrügge, die mittlerweile über Berlin und Wien nach Hamburg kam und dort den Kunstverein leitet. Ebenfalls einen Karrieresprung machte die folgende Halle-für-Kunst-Leiterin Eva Birkenstock, sie ging als Kuratorin ans Kunsthaus Bregenz, zurzeit arbeitet sie aber für ein Jahr als „Curatorial Resident“ des Goethe-Instituts in New York.

Im kommenden Jahr könnten sie alle für einen Tag zurückkommen. Dann wird die Halle für Kunst 20 Jahre alt. Sie ist stets eng mit der Leuphana verbunden, namentlich mit Ulf Wuggenig, der seit 1987 in Lüneburg Kulturwissenschaften lehrt und als Wissenschaftlicher Leiter des Kunstraums der Leuphana ist. Der mit der Halle für Kunst kooperierende Kunstraum wurde 1993 mit Beatrice von Bismarck und Diethelm Stoller gegründet.

Stefanie Kleefeld bleibt der Halle für Kunst bis auf Weiteres erhalten. Ob allein oder ob eine neue Doppelspitze gebildet wird, ist offen.