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Reinhard Warnke dokumentierte Fußballgeschichte, verarbeitete seine Notizen nun zu einem eBook. Foto: ff
Reinhard Warnke dokumentierte Fußballgeschichte, verarbeitete seine Notizen nun zu einem eBook. Foto: ff

Am Anfang war das Wunder – Neues Buch: „60 Jahre Weltgeschichte, oder: Fußball und andere Nebensächlichkeiten“

ff Lüneburg. Das Spiel war noch nicht einmal eine Minute alt, als Friedhelm „Timo“ Konietzka eine Flanke von Lothar Emmerich vor den Fuß bekam und für Borussia Dortmund das Eins zu Null gegen Werder Bremen schoss. Es war das erste Tor in der Geschichte der Bundesliga, gefallen am 24. August 1963. Es gibt keine Filmaufzeichnung von dieser Premiere, nicht einmal Bilder, die Fotografen hatten alle hinter dem falschen Tor gelauert. Reinhard Warnke kann sich noch daran erinnern, er war damals als kleine Steppke mit seinem Vater im Bremer Weserstadion.

„60 Jahre Weltgeschichte, oder: Fußball und andere Nebensächlichkeiten“ heißt das Buch des Lüneburgers, in dem das goldene Tor natürlich (das übrigens bis heute wegen eines Formfehlers beim Anpfiff gern für ungültig erklärt wird) seinen Platz gefunden hat. Reinhard Warnke, Jahrgang 1952, hatte die Revue mit Blick auf seinen 60. Geburtstag geschrieben. Fünf Jahre Arbeit stecken darin, 460 Seiten kamen zusammen, verteilt auf zwei Bände. Erschienen sind „Eine Jugend in Deutschland“ und „Eine neue Zeit“ als eBook, in eigener Regie herausgegeben bei neobooks (Droemer und Knaur), ab 23. Dezember ist es auch bei anderen Verlagen im (Internet-)Handel. Der Autor hofft, dass bei genügend positiven Bewertungen auch noch einmal eine richtige Buch-Fassung zustande kommt.

Am Anfang der Geschichte aber steht nicht die Bundesliga, sondern die Weltmeisterschaft: Deutschland besiegte Ungarn mit Drei zu Zwei und war Weltmeister. Zwar wurde die Bundesrepublik 1949 gegründet, aber für einen Fußball-Fan beginnt die Zeitrechnung eben 1954, mit dem „Wunder von Bern“.

Ein Fan ist Reinhard Warnke ohne Zweifel. Aufgewachsen in Emmelndorf/Seevetal, schaffte er es zwar selbst bis in die Jugend-Kreisauswahl „aber nicht in die erste Herrenmannschaft, da fehlte dann doch der Ehrgeiz, außerdem wurden irgendwann die Mädchen interessanter…“. An die erste Weltmeisterschaft kann er sich natürlich nicht erinnern, aber das Fußballgeschehen hat Warnke begeistert verfolgt und dokumentiert, eine ganze Reihe von Leitzordnern füllte er mit Berichten etwa aus dem „Kicker“ von Länderspielen.

Diese Sammlung diente als Grundlage, als Gerüst. „Ich wollte kein reines Fußballbuch schreiben“, so Reinhard Warnke, „sondern die Spiele mit politischen Ereignissen und persönlichem Erleben verbinden.“ So führte etwa die Reise Konrad Adenauers 1957 in die Sowjetunion, in der es vor allem um das Schicksal deutscher Kriegsgefangener gehen sollte, auch zur Vereinbarung zweier Länderspiele. Gern erinnert sich Warnke an das Pokal-Endspiel Gladbach gegen Köln 1973, als sich Günther Netzer gegen den erklärten Willen seines Trainers mal eben selbst einwechselte und prompt das Siegestor für Gladbach schoss. 1973, das war auch das Jahr der Watergate-Affäre und der Ölkrise, des ersten Sonntags-Fahrverbots auf deutschen Straßen.

Reinhard Warnke arbeitet für eine Krankenkasse, er zog zunächst nach Winsen/Luhe, 2009 nach Lüneburg immer also blieb er jener Region treu, in der man irgendwann zwangsläufig zum HSV-Fan wird, auch wenn das einige Leidensfähigkeit voraussetzt. In der eher mauen Saison 1989/90 nahm Warnke Kontakt mit dem damaligen HSV-Geschäftsführer auf und spornte ihn an, dass der Verein „jetzt erst recht“ Flagge zeigen müsse. „Jetzt erst recht“, das ist bis heute ein offizielles Motto der Bundesliga-Mannschaft geblieben.