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Dicht gedrängt formiert sich der Motettenchor Bardowick in der Hippolitkirche. Foto: t&w
Dicht gedrängt formiert sich der Motettenchor Bardowick in der Hippolitkirche. Foto: t&w

„Seid froh dieweil“ – Bachs Weihnachtsoratorium in Amelinghausen

oc Amelinghausen. Die Kirchenmusikerin und Chorleiterin Birgit Agge trägt seit Jahren große Musik aufs Land und scheut kein Risiko. Sie hat mit ihrem Motettenchor Bardowick das Bachsche Weihnachtsoratorium schon nach Salzhausen gebracht, nun erklangen die Kantaten I bis III in der Hippolitkirche Amelinghausen. Die war sehr gut besucht, aber die Kosten für Profis im Orchester und bei den Solisten, ohne die sich das anspruchsvolle Werk nicht umsetzen lässt, spielte die Aufführung mit dem Eintritt nicht wieder herein. Vielleicht half die erbetene Zusatzkollekte. Das Publikum schien großzügig gestimmt, es hatte eine würdevolle Wiedergabe des berühmtesten Werks in Sachen Weihnachtsmusik erlebt.

Der Motettenchor fand gerade so Platz im Altarraum und zeigte sich den prächtigen Ecksätzen ebenso gewachsen wie den Chorälen. Birgit Agge sorgte oft für einen bekräftigenden Ausdruck der Botschaft, forcierte das Leuchtende und Strahlende („Brich an du schönes Morgenlicht“), nahm das Tempo gelegentlich raus („Ehre sei Gott in der Höhe“) und passte so Werk und Ausführende einander an. Das war gelungen, ebenso verdiente sich das kleine Instrumentalcollegium, gerade beiden vielen herausfordernden Soli, Anerkennung. Streiten ließe sich dabei über den per Keyboard erzeugten Cembaloklang. Das kann man so finden oder so.

Bei den Solisten gab es ein etwas überraschendes Wiederhören mit Ruth Fiedler. Sie triumphiert zurzeit als Königin der Nacht in der „Zauberflöte“ am Theater Lüneburg, sprang gerade zusätzlich für die erkrankte Franka Kraneis als Gilda in „Rigoletto“ ein und krönte nun, bevor es nach Hause nach Köln ging, den Abend in Amelinghausen. Der Sopran ist nicht oft gefordert, aber er bzw. sie setzte schon die Glanzlichter. Mehr zu singen hat der Alt, und da hinterließ Andrea Glaser-Gallion vor allem bei „Bereite dich Zion“ und „Schlafe mein Liebster“ mit klar geführter Stimme einen nachhaltigen Eindruck. Christoph Rosenbaum war ein versierter Evangelist, durchmaß außerdem in seiner Arie „Frohe Hirten“ die langen Verzierungen ohne Mühen. Den anderen Klangpol zum Sopran hatte Bass Julian Koch inne, er brachte Erfahrung, Sicherheit und Lust an der Gestaltung ein. Koch/Fiedler fanden auch in ihrer Arie „Herr dein Mitleid“ zur rechten Abstimmung.

Am Ende gab es langen Beifall und eine kleine Zugabe: „Seid froh dieweil“.