Donnerstag , 29. September 2016
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Christoph-Mathias Mueller, Dirigent des Göttinger Symphonie Orchesters, sorgte für flotte Tempi und gute Laune. Foto: t&w
Christoph-Mathias Mueller, Dirigent des Göttinger Symphonie Orchesters, sorgte für flotte Tempi und gute Laune. Foto: t&w

„Von Lieb und Wein“ Neujahrskonzert in Bleckede

ff Bleckede. Silvester ohne Sekt? Kaum vorstellbar. Also dreht sich auch ein zünftiges Neujahrskonzert um den gepflegten Alkoholmissbrauch, Kompositionen in der angeheiterten Tonart finden sich genug. Die Operette „Die Fledermaus“ zum Beispiel, die erst durch den Schampus so richtig ins Rollen kommt. Es gibt sogar einen eigenen Fachbegriff für das musikalische Besäufnis: Die Bacchanale, eigentlich: das Weinfest, abgeleitet von Bacchus, dem bei Griechen und Römern heftig verehrten Gott des Weines. Er hatte auch seinen Auftritt bei dem Neujahrskonzert des Göttinger Symphonie Orchesters im Bleckeder Haus.

Das Göttinger Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller zählt bereits zu den Stammgästen der Bleckeder Neujahrskonzerte. „Von Lieb und Wein“ handelt das neue Programm, der Titel stammt aus einem Text von Goethe, vertont von Zelter: „In allen guten Stunden / Erhöht von Lieb und Wein / Soll dieses Lied verbunden / Von uns gesungen sein!“

Das klingt noch recht sittsam. „Eine gewisse Exzessivität“ dagegen, so Christoph-Mathias Mueller, prägt die Bacchanale aus der Oper „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns, da geht es im Palast gerade drunter und drüber, und die turbulente Musik, durchsetzt mit orientalischen Klängen, gibt eine recht schöne Vorstellung davon. „Lieb und Wein“ ist auch der Titel einer Mazurka von Josef Strauss, auch so eine Angelegenheit für angeschickerte Gesellschaften, und einen regelrechten „Champagner-Galopp“ inszenierte der Komponist und Kapellmeister Hans Christian Lumbye (1810-1874). Der Däne gehörte ebenso wie der Wiener Josef Hellmesberger (jun.) zu den Geheimtipps bei dem Neujahrskonzert, das sich natürlich zuallererst um die Strauss-Dynastie drehte. Dazu passt, dass Lumbye mitunter als „Johann Strauss des Nordens“ bezeichnet wird.

Walzer und Polka, Marsch und Mazurka Christoph-Mathias Mueller führte gut gelaunt durch eine Revue fast durchweg temperamentvoller Werke, von den Symphonikern mit nüchterner Virtuosität und zugleich erkennbarer Spielfreude präsentiert. Glanzlichter setzte die chinesische Sopranistin Lin Lin Fan, etwa mit zwei Arien der Adele aus der „Fledermaus“ und mit dem sehnsuchtsvollen „Draußen im Sievering blüht schon der Flieder“ aus der Operette „Die Tänzerin Fanny Elßler“ mit Musik von Johann Strauss (jun.). Zu diesem Zeitpunkt war der Konzert-Abend nach zwei kurzweiligen Stunden Spielzeit bereits in der Verlängerung. Die rund 400 Gäste im ausverkauften Bleckeder Haus ließen natürlich nicht eher locker, bis die Zugabe aller Zugaben erklang, also der Radetzky-Marsch.

2 Dr. Matthias Heckeroth, Vorsitzender des Kultur- und Heimatkreises, vergaß bei der Eröffnung des 28. Neujahrskonzerts des Vereins neben der Volksbank als treuem Sponsor auch nicht diejenigen Bleckeder, denen vielleicht gerade nicht nach einer Feier zumute ist: Asylsuchende und Flüchtlinge, die in der Elbestadt angekommen sind. Die Willkommen-Initiative Bleckede lädt zu einer Info-Veranstaltung mit Fachleuten am Donnerstag, 8. Januar, um 19 Uhr im Schloss.