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Das Titelfoto des Buches: Die Mauer ist durchlässig geworden. Ein Fotograf nutzt einen Riss für den Blick nach drüben. Foto: nh
Das Titelfoto des Buches: Die Mauer ist durchlässig geworden. Ein Fotograf nutzt einen Riss für den Blick nach drüben. Foto: nh

Neues Buch: Es war einmal eine Grenze

ff Darchau. Trabi-Stau auf der Landstraße, Menschen fallen sich in die Arme, andere gehen zögernd unter einem Schlagbaum hindurch und können es irgendwie noch gar nicht fassen vertraute Bilder vom Fall des Eisernen Vorhangs. Während beim Mauerfall in Berlin die ganz große, dramatische Geschichte geschrieben wird, sind die Szenen des Wiedersehens an der rund 1400 Kilometer langen deutsch-deutschen Grenze landauf landab leiser, aber nicht weniger ergreifend.

Rund 500 Bilder von 100 Fotografen hat der Hagenower Kuno Karls, der für sein Engagement mehrfach mit Preisen geehrt wurde, zu einem Bildband verdichtet: „Es war einmal eine Grenze…“, erschienen im Adebor Verlag Banzkow (208 Seiten, 29,90 Euro). Untertitel: „Das Entstehen und Vergehen der deutsch-deutschen Grenze vom Priwall bis zur Elbe“. Zu sehen sind auch Bilder des Wiedersehens in Bleckede und Neu Darchau.

Das Buch, chronologisch geordnet, beginnt beim Aufbau der Grenzanlagen und bei der Zwangsumsiedlung, widmet sich dem einsetzenden Alltag hüben und drüben in den 70er- und 80er-Jahren. Der Schwerpunkt liegt aber auf den Jahren 1989 und 1990. Es sind fast durchweg Aufnahmen, die ihren Wert weniger aus der Rafinesse von Perspektive und Belichtung beziehen, sondern aus der Authentizität die Fotografen, die übrigens alle ihre Bilder (manchmal schwarzweiß, manchmal unscharf) kostenlos zur Verfügung stellten, waren einfach im richtigen Moment am richtigen Ort.

Der Bleckeder Spielmannszug trommelt zur Begrüßung. Journalisten und Grenzschützer aus Ost und West stehen unmittelbar nach der politischen Grenzöffnung ein wenig ratlos herum, weil sie nicht wissen, welche Anordnungen gelten sollen. Ein junger Mann hält ein Pappschild in den Händen: „Herzlich willkommen“. Er begrüßt Bundesbürger, die ihrerseits nun nach Boizenburg kommen. So entwickelt sich ein Mosaik, ein Bild von einer leisen, gewaltlosen historischen Sensation.