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Paula Thran-Böhm vervollständigt ihre Skulpturen, Kollege Arndt Böhm schaut ihr dabei zu. Foto: ff
Paula Thran-Böhm vervollständigt ihre Skulpturen, Kollege Arndt Böhm schaut ihr dabei zu. Foto: ff

Über Bedrängnis und Befreiung – Neue Ausstellung im Heinrich-Heine-Haus

ff Lüneburg. Der Alltag an sich ist zunächst einmal Routine eine Folge von Handlungen, die mehr oder weniger aus der Erfahrung heraus erfolgen. Wirkliches Leben sieht allerdings anders aus. Es beginnt dort, wo das Unvermutete einsetzt, etwas aus der Spur läuft, allgemeine Erwartungen nicht bedient, etwas Neues gewagt wird. Darum dreht sich eine Ausstellung der Lüneburger Gruppe AlltagsKultur, die zusammen mit Freunden aktuell im Heinrich-Heine-Haus ausstellt. Die Devise: „Erleben, anstoßen, verändern, umbrechen“.

Nur wer den starren Rahmen erkennt, der ihn umgibt, kann sich von ihm befreien so lautet der Ansatz der Ausstellung. Leben bedeutet auch: Atemholen, also Entschleunigung, raus aus der Tretmühle. Arndt Böhm präsentiert ein Uhrwerk, das einen sehr ruhigen Herzschlag tickt, in der Musik würde man „lento“ sagen. Wer wie bei einer Standuhr an einem Gewicht zieht, setzt das mechanische (Lebens-)Getriebe für sieben Minuten in einen ruhigen Gang. So lässt sich die Skulptur deuten, die „eigentlich ein Spaßprojekt ist“, so Arndt Böhm, und „das Einfache und das Komplizierte“ zeigen soll. Auch gut.

Krieg, Abschiebung, Ausbeutung, Intrigen internationaler Kartelle dilli Dillmanns plakative Arbeiten in seiner vertrauten Sprüh-Schablonen-Technik sind (wie eigentlich immer) gesellschaftspolitisch motiviert, werfen Schlaglichter auf Miss­stände. Das bewusst Provokante, Konfrontative, hat dabei Vorrang vor der Analyse.

Zwischen diesen beiden Polen, dem Spielerischen und dem Dramatischen, bewegen sich die Exponate. Reflexionen über die Liebe und die Zwänge des Lebens, das Dasein als Labyrinth und als Chance, Bedrängnis und Befreiung, persönliche Perspektiven und Welt im Ganzen. Manches ist von Wut geprägt, anderes wiederum von hintergründigem Humor, vieles will erst einmal begriffen sein, Fotografien von Mahlzeiten beispielsweise, die in Dreierfolgen geordnet sind und eine Entwicklung zeigen. Der Bogen der Exponate reicht von Zeichnungen und Graphiken über Malerei und Fotografie bis zu Skulpturen. Eine Installation wurde von den Teilnehmern gemeinsam gestaltet.

„AlltagsKultur und Freunde“, das sind in diesem Falle Arndt Böhm, Kurt Bader, Antje Hoops, Philippe Bulasch, Inge Heck, Carmen Luisa Schmidt, Ana Maria Munoz, dilli Dillmann und Paula Thran-Böhm. Die Ausstellung ist noch bis 25. Januar geöffnet (jeweils sonnabends, sonntags und mittwochs von 11-17 Uhr).