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Justus, Peter und Bob sind Die drei ???. Was haben die Jungdetektive in Pulp Fiction zu suchen? Das fragt sich auch der zwielichtige Marsellus Wallace. Foto: t&w
Justus, Peter und Bob sind Die drei ???. Was haben die Jungdetektive in Pulp Fiction zu suchen? Das fragt sich auch der zwielichtige Marsellus Wallace. Foto: t&w

Dealer, Killer und die drei ???

ff Lüneburg. Vincent macht sich Sorgen: Er hat mit seiner Knarre im Auto einer Geisel den Schädel in die Luft gejagt aus Versehen. Warum musste sein Partner Hitman, der Idiot, auch über ein Schlagloch fahren? Okay, eine Leiche mehr oder weniger, kein Problem eigentlich, aber der ganze Wagen ist versaut, das hat der Chef gar nicht gern, und Gehirnmasse lässt sich schwer aus den Polstern entfernen. Inzwischen macht sich der Boxer Butch seine eigenen Gedanken: Er hat seinen Boss beim Wettbüro betrogen, leider hat der den schrägen Deal bemerkt und will ihn wegen der paar Dollar nun umbringen.

„Pulp Fiction“ führt in die eher unfreundliche Welt der Dealer und Killer von Los Angeles. Das ist zunächst einmal ein Hollywood-Film aus dem Jahr 1994, für sieben Oscars nominiert, schließlich gab es einen für das beste Drehbuch. Was Harvey Keitel und Bruce Willis, Uma Thurmann und John Travolta in der Regie von Quentin Tarantino spielten, brachte nun das Vollplaybacktheater (VPT) aus Wuppertal ins Vamos. Mit „pulp fiction“ werden die Schundheftchen bezeichnet, in denen meist mehrere Stories zusammengefasst sind.

Das passt. Da sind etwa Pumpkin und Honey Bunny, ein Gaunerpärchen, das ein L.A. Diner ausrauben will, weil Banken inzwischen zu gefährlich sind. Leider geraten sie bei dem Coup an einen Profigangster, der zwar seine Brieftasche (mit der Aufschrift „Bad Motherfucker“) herausrücken würde, auf keinen Fall aber seinen Aktenkoffer, weshalb dieser nun zum Gegenangriff übergeht und das Szenario jetzt ein wenig eskaliert. Und dann ist da noch der eingangs erwähnte Boxer, der erstens ein Verhältnis hat mit der Frau des Chefs von Vincent und Hitman, zweitens eine Liebe zu einer goldenen Uhr pflegt, die ein Vietcong-Kriegskamerad seines Vaters einst in seinem Hintern versteckt hielt. Gezeigt wurde jetzt in diesem Zusammenhang eine Kuckucksuhr eine schöne Vorstellung.

Das Ganze ist als Plot also ein wenig unübersichtlich. Im Vamos wurde die Sache nicht einfacher, weil das Vollplaybacktheater auch noch Justus, Peter und Bob ins Spiel bringt. Das sind die Jungs aus „Die drei ???“, die sich nun als Jungdetektive mit den harten Johnnys aus Los Angeles anlegen. Auch die Kollegen von TKKG haben ihren Auftritt das alles sind Zitate aus früheren Produktionen, das VPT gibt es schon seit 1997. Im Kern geht es dem Sextett (eine Frau, fünf Männer), das eigentlich vor Jahren auf Abschiedstournee ging und nun Comeback feiert, darum, Hörspielkassetten-Geschichten auf die Bühne zu bringen. Es wird nur gespielt, nicht selbst gesprochen, Vollplayback eben. Dazu gibt es Video-Projektionen.

Pulp Fiction à la Wuppertal, das ist purer Blödsinn, eine punktgenau gespielte, temporeiche Groteske mit vollem Körpereinsatz, abgerundet durch Gastauftritte von Ikonen wie Freddy Krueger, Hannibal Lecter, und was die US-Mörderszene eben noch so hergibt. Das durchweg junge Publikum hatte erkennbar seinen Spaß an dem Theater mit dem Tarantino-Trash.