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Vier für Loriot: (v.l.) Thomas Pahl, Erika Döhmen, Thomas Ney und Edina Hasselbrink in der Kulturbäckerei. Foto: t&w
Vier für Loriot: (v.l.) Thomas Pahl, Erika Döhmen, Thomas Ney und Edina Hasselbrink in der Kulturbäckerei. Foto: t&w

Loriot in der Kulturbäckerei: „Die Frau als solche. . .“

Von H.-M. Koch
Lüneburg. Ein Tisch, ein Ei. Ein Frühstücksei. Zwei Stühle. Er und sie. Mehr braucht es nicht für einen Klassiker, einen modernen Klassiker aus dem Jahr 1977. Andere schreiben ganze Bücher zum Thema, Loriot alias Vicco von Bülow vermittelt in gut zwei „Frühstücksei“-Minuten alles über das Nichtverstehen von Mann und Frau. Das berümteste aller Viereinhalbminuteneier steht nun, immer am 10. eines Monats, auf einem Tisch in der Kulturbäckerei. „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen!“ überschreibt Thomas Ney seinen neuen Reigen von Loriot-Sketchen, den ein Team aus vier Akteuren zum Vergnügen des Publikums spielt.

Mit Loriot-Programmen feiert Thomas Ney seit bald sieben Jahren Erfolge. Der Schauspieler und Regisseur Ney beherrscht in Sprache, Mimik, Gestik und Körperhaltung perfekt die punktgenaue Lakonie, mit der Vicco von Bülow (1923-2011) das Entgleisen von Kommunikation beschreibt und das Kippen bürgerlicher Spießigkeit in den blanken Irrsinn. Wie Ney so das Team: Erika Döhmen und Edina Hasselbrink sowie Thomas Pahl spielen alle mit gebotenem Todernst die abstrusesten Typen, Dialoge und Peinlichkeiten.

Aus Hunderten von Loriot-Sketchen hat Thomas Ney vorwiegend Beispiele gesucht, die das Thema Mann/Frau umkreisen. Bekanntes ist darunter, etwas der Klassiker „Die Nudel“ mit der maximal verkorksten Liebeserklärung in einem Restaurant. Loriot-Sketche bieten in ihrer Konzentration und Ausgewähltheit zugleich sprachlich feinste Formulierungskunst. Wer beherrscht und nutzt noch so elegant den Konjunktiv? Selbiger wird auch in einer Lektion Deutsch für Ausländer vermittelt, komplett grotesk verpackt in eine außereheliche Affäre samt unerwartet heimkommendem Gatten.

Ney klebt in seiner Sketchauswahl nicht am Kernthema. Er liefert die literarische Huldigung an das Werk eines Anonymus voll formvollendeter Prosa-Schönheit: „Landau ab 12.36 Uhr, Pirmasens an 13.13 Uhr“. Oder baut die Sache mit dem ultimativen Geschenk ein, dem formschönen, völlig zweckfreien und gegen Aufpreis entnehmbaren „Familienbenutzer“. Bei dessen Präsentation erweist sich Chefreporter Kurt Krösner wieder mal als hoffnungslos überfordert angesichts der sehr resoluten Frau Direktor Bartels. Ähnlich konsterniert steht der Mann mit dem Mikro einem gewissen Professor Mutzenberger gegenüber, der eine Lösung für den allgemeinen Frauenüberschuss gefunden hat, denn: „Die Frau als solche muss in ihrer derzeitigen Form seit langem als überholt betrachtet werden, nicht wahr…?“

So geht es Sketch um Sketch, blitzschnell wechseln die Akteure Rolle und Kostüm. Zwischen den Szenen sind kleine Anmoderationen aus dem Off zu hören oder wird passende Musik gespielt. Matthias Riske (Technik) sorgt für einen reibungslosen Ablauf der Szenen, das Publikum für die garantierten Lacher und den gebotenen Applaus.

Monat um Monat kommt das Ei nun auf den Tisch. Allerdings sind der 10. Februar und der 10. März schon ausverkauft. Ab April geht noch was. Noch.