Mittwoch , 28. September 2016
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Das Unerwartete treibt die Bigband-Musik voran, mit der das Jazzhaus-Orchestra nach Lüneburg kam. Foto: t&w
Das Unerwartete treibt die Bigband-Musik voran, mit der das Jazzhaus-Orchestra nach Lüneburg kam. Foto: t&w

Jazzkonzert in der Musikschule: Reibung erzeugt Energie

hjr Lüneburg. Aufgeheizt ist seine Musik, angefeuert von den Bläsern und vom Schlagzeug beherzt unterstützt. Statt Themen setzt er manchmal nur scharfe Signale, selbst in ruhigeren Momenten oder melodienseligen Strömungen. Malte Schiller tritt als Komponist, Arrangeur und Dirigent ins Rampenlicht. Den spezifischen Bigband-Sound hat der 1982 geborene Musiker tief inhaliert und zugleich modernisiert. Er schreibt für die einschlägig bekannten Formationen und führte nun das Hamburger Jazzhaus-Orchestra durch einen spannenden Abend im Forum der Lüneburger Musikschule. Das Publikum ging begeistert mit, quittierte das Konzert mit üppigem Applaus.

Knackfrisch präsentierte sich jeder Beitrag. Es vibrierte, fieberte noch im Piano-Ton, dann schlichen sich gelegentlich leisere Blues-Noten ein, bevor das nächste Crescendo aufflammte. Kein Stück folgte dabei artig einer Grundlinie, immer wieder gab es überraschende Wendungen, Einwürfe, An- und Entspannungen, jeweils sorgsam von den Instrumentalisten austariert. Die beherrschen ihr Handwerk formidabel. Da sitzt jede Sequenz, funktioniert das Zusammenspiel kongenial und besticht der Vortrag stets durch Transparenz.

In sparsamer Dosierung darf sich der Klang auch mal sanft in die Ohren schmeicheln, aber mit gleicher Vitalität wie gewohnt. Dann holt die Trompete zu einem stimmungsvollen, weich kolorierten Solo aus, scheint von bewährten Standards aus den USA inspiriert zu sein. Ansonsten liebt Malte Schiller die Reibungen bis hin zu kräftig aufgerauten Freestyle-Ausflügen. Er bedient die Facetten des Metiers mit verblüffender Kreativität. Sein Hang zu pochenden Energie-Quellen bleibt unverkennbar: Indiz einer klaren Handschrift.

Das Jazzhaus-Orchestra zog engagiert mit, interpretierte „Farewell“, Night Quiet“, „In Peaces“ oder die Radiohead-Bearbeitung von „Morning Bell“ mit entsprechendem Impetus. Mischa Schumann (Klavier), Sandra Hempel (Gitarre), Michael Leuschner (Trompete), der Lüneburger Oliver Karstens am Bass, die Saxophonisten Lasse Golz, Bettina Russmann sowie Stefan Maus glänzten in den verschiedenen Beiträgen als erstklassige Solisten.

Malte Schillers Arrangements und Kompositionen fordern mächtig heraus, verlangen absolute Konzentration und beeindrucken durch ihre Vielfalt: Ein Ausnahmetalent war hier zu erleben. Als Dirigent schweißte er mit klarem Blick und straffen Zeichen das 17-köpfige Ensemble zusammen. Die Band ließ sich von diesen Vorgaben zur Bestform anregen und entfachte mit kernig bissfestem Klang ein furioses, zugleich kunstvolles Modern-Jazz-Feuerwerk.