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Musiker, die sich erproben wollen, und Konzertgastgeber führt Marie-Lene Armingeon zusammen. Sie ist Co-Gründerin von SofaConcerts. Foto: t&w
Musiker, die sich erproben wollen, und Konzertgastgeber führt Marie-Lene Armingeon zusammen. Sie ist Co-Gründerin von SofaConcerts. Foto: t&w

Wir schaffen Bühnen – „20 Minutes“-Abend des Vereins Culturado

oc Lüneburg. Es gibt viele Musiker, zu viele vielleicht. Allemal gibt es zu wenig Orte, an denen sie sich zeigen können, und zu wenig Möglichkeiten, die Musik zum Beruf zu machen, sprich: mit ihr Geld zu verdienen. Marie-Lene Armingeon und Miriam Schütt bringen die Dinge zusammen, und dabei macht das Internet seinem Namen alle Ehre, es dient als Netzwerk. „Wir schaffen Bühnen, wo vorher keine waren“, sagt Armingeon und meint ihre Seite SofaConcerts.org. Beim jüngsten „20 Minutes“-Abend des Vereins Culturado im Freiraum stellte sie das Konzept der Wohnzimmerkonzerte vor.

„Hausmusik. Renaissance im Netz?“ war der Abend überschrieben. Hausmusik, das hatte hier nichts mit Quartett spielenden Streichern zu tun. Aber mit Musik im Haus. Zwei Datei-Ordner prägen das Konzept. Im einen stellen sich Künstler vor, mit einer kleinen Beschreibung, mit akustischen Hörproben. Mehr als 800 Solokünstler und Bands stehen schon bereit, die Zahl sei „stark wachsend“, sagt Armingeon. Ordner zwei versammelt rund 500 Gastgeber, die Räume anbieten. Ort, Größe, besondere Bedingungen werden genannt. Gastgeber und Künstler können sich im Netz finden, Anfragen stellen, Einladungen aussprechen. Die Konzerte finden in privatem Rahmen statt, die meisten Musiker spielen für Hut-Gage, anderes ist vorab zu vereinbaren. Forderungen, etwa der GEMA, seien wegen des Privatcharakters außen vor, sagt die 27-Jährige.

Auf der Künstlerliste finden sich vor allem Singer/Songwriter, Bands aus Bereichen wie Indie und Elektro. Die Klassikszene fehlt weitgehend. Sie wird aber auch mit öffentlichen Mitteln besser alimentiert als der gesamte Popularmusikbereich. Grundsätzlich passt die Idee, Hausmusik zu vermitteln, auf alle Genres.

Das Konzept überzeugt, Armingeon/Schütt bekommen für ihr von Hamburg aus organisiertes Start-up-Unternehmen Fördermittel. Sie starteten als Non-Profit-Projekt, der Aufwand aber ist so groß, dass sie sich professionalisiert haben. Geschrieben haben sie einen Wirtschaftsplan, der greifen muss, sobald die Förderung ausläuft. Verdienen wollen die beiden Netzwerkerinnen zum Beispiel durch Provisionen für das Vermitteln von Konzerten für größere private Feiern, für öffentliche Veranstaltungsorte. Ob das aufgeht, ob das trägt? Das muss sich zeigen. Dahinter steckt das Problem, das alle plagt, die ihre Arbeit, ihr Wissen, ihre Ideen im Netz preisgeben.

Seit Dezember 2013 ist SofaConcerts online. Künstler bzw. Wohnzimmer sind mittlerweile in 15 Ländern auf vier Kontinenten gelistet, 110 Konzerte fürs angelaufene Jahr sind eingebucht. Lüneburger Wohnzimmer gibt es auch, zwei Konzerte hat Armingeon vor Ort selbst miterlebt.

Es folgten viele Nachfragen aus dem überschaubaren Zuhörerkreis, der allerdings eher der analogen als der digitalen Welt zuzurechnen war, von KuWis war nicht viel zu sehen. Jan Torge Claussen vom Leuphana Centre for Digital Cultures moderierte den Abend, für Culturado begrüßte Andreas Dau. Einen knackigen Schlusspunkt setzten die wunderbaren Top Tones, ein Saxophonquartett um Hans Malte Witte, mit Chick Coreas „Spain“ bis Stevie Wonders „Sir Duke“. Die Top Tones würden in manchem Wohnzimmer die Wände wegblasen!

Der nächste „20 Minutes“-Abend steht unter dem Thema „Musiktheater 2.0. Bürgerbeteiligung in Kunstprojekten“. Dr. Johannes Voit von der Kölner Philharmonie referiert, Katja Meier vom Theater Lüneburg moderiert, Andi Otto vom Elektro-Label Pingipung macht Musik: 9. Februar, 19 Uhr, Freiraum.