Aktuell
Home | Kultur Lokal | Laith Al-Deen feiert Tournee-Auftakt im Vamos
Endlich wieder im Scheinwerferlicht: Laith Al-Deen probte mit seiner Band mehrere Tage im Vamos und gab zum Abschluss ein Konzert. Foto: t&w
Endlich wieder im Scheinwerferlicht: Laith Al-Deen probte mit seiner Band mehrere Tage im Vamos und gab zum Abschluss ein Konzert. Foto: t&w

Laith Al-Deen feiert Tournee-Auftakt im Vamos

oc Lüneburg. Was im Radio läuft, prägt das Image eines Musikers. Doch der Schein trügt mitunter, und das war schon immer so. Laith Al-Deen, der jetzt seinen Tourstart in Lüneburg hatte, spülte sich mit ein paar Radiohits als Popmusiker der weicheren Art in die Ohren. Dass er es musikalisch aber deutlich härter mag, machte er mit seiner persönlichen „Playlist“ für die LZ deutlich, und beweist er vor allem live gut zwei Stunden im Vamos.

Al-Deen, 1972 in Karlsruhe geborener Deutsch-Iraker, ist kein Mensch, der es sich leicht macht. „Bilder von Dir“ trugen ihn vor 14 Jahren ins deutsche Showgeschäft. Nachfolger wie „Dein Lied“ (2001) und „Alles an Dir“ (2003) bedienten ebenso das Gefühlspop-Genre und etablierten Al-Deen endgültig in der Branche. Der Erfolg machte ihm aber auch zu schaffen, Al-Deen durchlebte eine Krise, er geht sehr offen damit um. Vielleicht, weil er die passende Antwort gefunden hat: „Was wenn alles gut wird“ heißt das aktuelle Album. Darauf verarbeitet er ein Stück weit seine jüngere Geschichte, wenn er von den viel zu vielen Steinen im Magen singt und gleich dazu die Botschaft liefert: „Ich bin wieder am Leben“.

Al-Deens Lieder funktionieren, weil sie glaubhaft persönlich sind und zugleich so offen formuliert, dass sich das Gesungene nachempfinden lässt. Die 400 Al-Deen-Freunde im damit nicht allzu prickelnd besuchten Vamos sollen und wollen viel mitsingen bei dem Warm-Up-Gig zur Tour. Dessen Programm hatten Al-Deen und Band über mehrere Tage in Lüneburg einstudiert. Natürlich stehen die neuen Stücke im Zentrum, und wie der entspannt rüberkommende Sänger hat die Band Spaß, angetrieben vom großartigen und 1st-Class-Session-erfahrenen Keyboarder Tobi Reiss, befeuert vom impulsiven Drummer Dave Mette. Mit ein paar Ausflügen auf der Slide-Gitarre sorgt Ole Rausch für Farbe, Bassist Frieder Gottwald greift auch mal zum Kontrabass, und bei „Wenn gestern heute wär“ bestreicht er ein Cello. Das Lied ist eigentlich ein Duett von Al-Deen mit Peter Maffay, der heute, Donnerstag, in Hamburg auftritt. Gemeinsam stehen sie am 24. Mai beim Open Air in Uelzen auf der Bühne.

Die Al-Deen-Hits fehlen nicht, sie bekommen live einen frischen Anstrich. Ein paar Ausflüge ins Elektro-Land erlaubt sich die Band auch, und während das Schlussstück „Nur wenn sie daenzt“ läuft, wird schon mal eisgekühltes Bier und so in den Backstage-Bereich getragen. Das Eis macht Sinn, denn vor dem Feiern sind noch ein paar Zugaben fällig.

Das Intro zum Abend lieferte das Chiemgauer Gefühlspop-Schwergewicht Alex Diehl. Er hat 2014 sein Debütalbum („Ein Leben lang“) herausgebracht, verfügt über eine farbenreiche Stimme, kann an seinem Songwriting noch feilen und darf sich am Tag danach über Facebook-Einträge freuen wie „Tolle Lieder war klasse werde Dich im Auge behalten.“ Zu übersehen ist er nicht, zu überhören vielleicht bald auch nicht mehr.