Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Peter Maffay spielt ein langes Set bei der Tourpremiere in Hamburgs O2 World, und er spielt nicht nur die eigenen Hits. Foto: A. /t&w
Peter Maffay spielt ein langes Set bei der Tourpremiere in Hamburgs O2 World, und er spielt nicht nur die eigenen Hits. Foto: A. /t&w

Peter Maffay: Der Rockarbeiter

oc Hamburg/Uelzen. Mehr als drei Stunden bot dieser Abend, drei Teile und ein Nachspiel. Peter Maffay steht wieder auf der Bühne und weiter auf dem Gipfel seiner Karriere. Er lebt auf einem Hochplateau: Seine schon jetzt mit 200 000 verkauften Tickets erfolgreichste Tour startet, sagt Konzertemacher Peter Schwenkow. Maffay platzierte außerdem zum 16. Mal ein Album auf Platz eins, das schaffte keiner. Und er stellt eine rhetorische Frage: „Habe ich nicht eine der geilsten Bands, die es gibt?“ Okay. Sie klingt wie 70er-Jahre mit Saxophon, mit Backgroundchor, knackigen Soli plus Ausflügen ins Überraschende. Kondition ist gefordert an diesem Abend in der O2 World, von Maffay gar bis tief in die Nacht. Denn nach dem Konzert lauern die Kameras für „Ich und Peter Maffay“-Statements.
„Wenn das so ist“ heißt das aktuelle Album des Musikers. Exakt ein Jahr nach Erscheinen startet die Tour des Musikers, der am 15. Januar 1970 mit dem Schlager „Du“ zum Erfolg kam und längst lebt und singt, was er wirklich mag. Maffay rockt für die Freiheit. Das ist sein Thema, und darum wird Deutschlands erfolgreichster Rockmusiker entschieden politisch an diesem Abend. Der „Je suis Charlie“-Schriftzug leuchtet auf der Videowand, und Maffay wettert gegen den Wahnsinn von Terroristen, die sogar jungen Mädchen Sprengstoffgürtel umschnallen und sie in den Tod jagen. „Das dürfen wir nicht zulassen“, sagt Maffay und: „Wir müssen gemeinsam als Weltgemeinschaft antreten, über alle Religions- und Ländergrenzen hinweg.“ Das ist natürlich plakativ. Aber Maffay will Zeichen setzen – und er handelt.
Mehr als 1200 traumatisierten Kindern bietet seine Stiftung jährlich eine betreute Auszeit. Maffay wird an diesem Abend, nachdem er viel gesungen und viele Worte gehabt hat, noch „sprachlos“ werden, als er nämlich auf der Aftershow-Party von VW einen Scheck über 760 000 Euro für seine Stiftung bekommt. „So viel Geld hatte ich noch nie in der Hand.“
Als er das sagt, haben sich die 14 000 Fans längst auf die Autobahn gestaut, und sie sind sicher glücklich mit diesem Konzert, das in Teil eins Maffays neuem Album gewidmet ist. Darauf gibt es die typische Mischung solide gebauter Songs, verpackt in druckvolle Rockmusik plus Balladen. Und natürlich mit einem Stück, das mitten aus Maffays Easy-Rider-Herz entsprungen ist: „Gelobtes Land“. Im Lauf der Show wird noch das Röhren eines Motorrads zu hören sein – und Maffay saust dazu auf einem BMX-Rad über die Planken der 360-Grad-Bühne. Das bringt ihn ein bisschen aus der Puste.
Aber sonst ist der 65-Jährige fit wie ein Turnschuh und dazu stimmlich sehr gut drauf. Teil zwei des Abends ist der überraschende. „Wir wollen ein bisschen zeigen, was uns inspiriert hat“, sagt Maffay, und dann kommen „Here Comes The Sun“ und „Get Back“ von den Beatles, „I Feel Free“ von Cream, „My Sharona“ von The Knack, „Heart Of Gold“ und „Keep On Rockin‘ In The Free World“ von Neil Young und mehr. Dass Maffay auch „Angie“ von den Stones singt und das verdammt gut, das hat Stil; immerhin war er bei seinem Auftritt vor den Stones, damals 1982 in Hannover, gnadenlos niedergepfiffen worden. Einiges in diesem Block singen Bandmitglieder, und da stehen mit dem großartigen Gitarristen Carl Carlton, seinem Kollegen Peter Keller, Drummer Bertram Engel, Keyboarder Pascal Kravetz Top-Leute auf der Bühne. Neu im großen Team ist Everett Harp am Saxophon, er gibt dem Set mit seiner Explosivität einen Springsteen-Anstrich. Wie der „Boss“ ist Maffay ein grundehrlicher Rockarbeiter.
Das Finale gehört den „Gassenhauern“, wie er sagt. Per SMS konnten Fans bis Konzertbeginn abstimmen, was gespielt wird: „Eiszeit“, „Halt dich an mir fest“ erklingen und das Lied mit den sieben Brücken, da muss der Peter nicht viel selbst singen. Zur Zugabe scheint noch lang und hell die „Sonne in der Nacht“. Großes Kino! Am 24. Mai wird Maffay das „Open R“ in Uelzen krönen. Dafür gibt es noch Karten.

One comment

  1. Ich war dabei in Hamburg. Mit den Auto angefahren bin ich erst um 20.50 Uhr dagewesen. Für die letzten
    1,2 KM habe ich 1 / 1/2 Std. gebraucht. Genervt endlich auf Den Platz angekommen aber ab dann ein geiles Konzert erlebt. Wie macht Maffay das bloß. Über 3 Std. rockt er die Bühne. Einfach toll. Ein grandioser
    Abend .Von sehr gefühlvoll bis rockig alles dabei. Zum Mitsingen bei Über sieben Brücken mußt du gehen
    bis Mitklatschen bei wenn das so ist. Bravo!!