Mittwoch , 28. September 2016
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Pause für die Cellisten: Insgesamt 15 Metronome werden für den nächsten Beitrag in Gang gesetzt, die Instrumente selbst schweigen. Foto: ff
Pause für die Cellisten: Insgesamt 15 Metronome werden für den nächsten Beitrag in Gang gesetzt, die Instrumente selbst schweigen. Foto: ff

Zweites Expearience-Festival: Alles von Rock bis Avantgarde +++ mit LZplay-Video

ff Lüneburg. So still war es in diesem Abend wohl nur einmal: Vier Minuten und 33 Sekunden „tacet“ – also Schweigen – hat John Cage in seiner Komposition „4`33“ den Musikern verordnet. Damit wollte der Avantgarde-Komponist die Aufmerksamkeit des Publikums auf die Ruhe beziehungsweise die Hintergrundgeräusche lenken. Fünf Cellist(inn)en stellten das eigentümliche Stück im Foyer der Leuphana-Bibliothek vor, ein Beitrag zum zweiten Expearience-Festival auf dem Campus.

Der nächste Beitrag des Quintetts ist nicht weniger eigenwillig – und verlangt wiederum von den Ausführenden, die Bögen stillzuhalten: 15 mechanische Metronome, die eigentlich nur den Rhythmus vorgeben sollen, stehen nun im Mittelpunkt, klacken mehr oder weniger synchron vor sich hin. Weil sie eben doch nicht ganz präzise sind, ergeben sich Überlagerungen, Spannungen, dynamische Effekte. Erst in seinem dritten Beitrag spielt die Cellistenrunde „richtig“, ein Werk von Arvo Pärt.

Ein möglichst vielseitiges Programm sollte das Expearience-Festival (eigentlich: Exp-Ear-ience) prägen. Der Hörsaalgang, drei Hörsäle und das Foyer boten Raum für Avantgarde und Rock, Jazz und Jonglage, Zauberei und Impro-Theater, für Ausstellungen, für Solisten und die hauseigenen großen Ensembles, also Uni-Chor, Uni-Orchester und die BigBand der Leuphana.

Das erste Expearience-Festival war in nur einem halben Jahr konzipiert und realisiert worden. Diesmal hatten die Planer, rund 40 Studierende insgesamt, genug Zeit, sich um alles zu kümmern: Finanzierung und Programm, Werbung, Presse-Arbeit, Gastronomie, Technik, und so fort. „Wir wollten keine Headliner“, so Merle Kock, Sprecherin der Planungsgruppe, „die Künstler kommen fast alle aus der Region, und das Festival richtet sich an alle, die sich für Kunst und Kultur – und nicht nur für Musik – interessieren.“ Nach einem etwas zähen Vorverkaufs-Start war Expearience dann doch ausverkauft, rund 800 Studierende bummelten bis in die Nacht heinein von einer Bühne zur nächsten. Es wird wohl, das ist absehbar, ein drittes Festival geben.