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Birgit Becker und Raimund Becker-Wurzwallner proben für die X-Freunde. Foto: ff
Birgit Becker und Raimund Becker-Wurzwallner proben für die X-Freunde. Foto: ff

Die Generation Beißschiene

ff Lüneburg. Anne Holz hat sich gerade ihren Traum erfüllt: eine eigene Firma. Sie heißt „Private Aid“ und berät Menschen, wie sich die Welt verbessern ließe mehr Ökologie, mehr Fairness und zugleich mehr Geld, mehr Erfolg. Das Start-up läuft nicht schlecht, Anne sollte glücklich sein, sie ist es nicht. Auch bei Peter Pilz läuft es eigentlich, er hat sich als Bildhauer verwirklicht. Doch der Künstler weiß plötzlich nicht mehr weiter und steckt in einer Krise. Was ist bloß los? Darum geht es in „X-Freunde“, einem Stück genauer: einer tragikomischen Farce von Felicia Zeller; Premiere: Donnerstag, 22. Januar, 19.30 Uhr in der Kulturbäckerei.

Birgit Becker (alias Anne Holz) und Raimund Becker-Wurzwallner (Peter Pilz) vom „Theater zur weiten Welt“ freuen sich, erstmals seit zwei Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne zu stehen Töchterchen Anna (2) geht inzwischen zur Kita. Dritter im Bunde ist Heiko Büter, er spielt Annes Mann Holger, einen einst hochdotierten Koch, der plötzlich arbeitslos geworden ist. Zu erleben ist das Trio, alle so um die 40 Jahre, also mittendrin im Leben, zunächst auf der Private-Aid-Eröffnungsparty. Das ist die erste von insgesamt 23 kurzen Szenen, in denen sich Anne, Holger und Peter an den Mechanismen des modernen Alltags abarbeiten geprägt von Facebook und Twitter, von Laptop, Smartphone und was einen sonst noch davon abhält, zu sich selbst zu finden. Von einer „Entseelung des Menschen durch die Umstände“ spricht Regisseur Rüdiger W. Kunze.

Die Erde dreht sich immer schneller, jeder ist mit jedem vernetzt, der Erfolgsdruck steigt. Das spiegelt sich auch in der Sprache des Stückes. Wer lässt heutzutage schon noch jemanden wirklich ausreden? Und wer spricht selbst überhaupt noch einen Satz zu Ende, wenn er in Gedanken doch schon längst beim übernächsten ist? „Arbeitssucht“ ist so ein Wort, dass in dem Stück immer wieder auftaucht, selbst der doch eigentlich arbeitslose Koch Holger ist davon betroffen, er unterwirft sich einem streng geregelten Tagesablauf, um die Leere zu überspielen. Und selbst die notorisch positive Anne sagt: „Weltverbesserung muss heute die Sprache des Kapitalismus sprechen.“

„Generation Beißschiene“ nennt Felicia Zeller, selbst Jahrgang 1970, diese Zeitgenossen. Für ihre Theaterstücke erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, ihr jüngstes Werk die „X-Freunde“ wurde von Theaterkritikern zum „Stück des Jahres 2013“ gekürt.

Insgesamt neun Aufführungs-Termine bis Mitte März sind geplant. Der Kartenvorverkauf läuft über die LZ, es gibt auch immer einige Tickets an der Abendkasse.