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Cornelia Suhan und Jürgen Spiler haben mit der Stereokamera das Hattinger Blasstahlwerk Henrichshütte fotografiert. Im Hintergrund testet Gastgeber Rudolf Ludewig einen Guckkasten. Foto: ff
Cornelia Suhan und Jürgen Spiler haben mit der Stereokamera das Hattinger Blasstahlwerk Henrichshütte fotografiert. Im Hintergrund testet Gastgeber Rudolf Ludewig einen Guckkasten. Foto: ff

Ein Gigant verschwindet – 3D-Installation in Thomasburg

ff Thomasburg. Längst ist das letzte Feuer verloschen, die letzte Maschine abgeschaltet: Seit 13 Jahren ist das Blasstahlwerk Henrichshütte ein stiller Ort, als Cornelia Suhan und Jürgen Spiler mit Kamera, Kabeln und Scheinwerfern durch die riesigen Hallen streifen, viele Stockwerke herauf- und herunterklettern und die gewaltigen Anlagen fotografieren. Dem Stahlwerk droht der Abriss, bis dahin sollen die Stationen der Produktionsstrecke noch einmal für die Ewigkeit festgehalten werden. Blicke in das Innenleben des sterbenden Giganten aus Hattingen bietet ein Schaufenster in Thomasburg.

„Ein Gigant verschwindet“ ist der Titel der 3-D-Installation, eingerichtet von Suhan und Spiler. Es ist bereits die neunte Arbeit, die Jutta Brüning und Rudolf Ludewig in ihrem Kunstfenster „ZwischenLinden“ daheim im Kirchring 6 initiieren. Zuletzt stellten sich hier die Thomasburger Einwohner mit Text und Foto in einer täglich wechselnden Dokumentation vor. Nun also der Blick von einer Welt in die andere, sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Hier der idyllische Ortskern des alten Thomasburg, dort der morbide Moloch, in dem einst Tausende Arbeiter in zum Teil glühender Hitze schufteten, und der inzwischen Kohlenpott-Geschichte ist.

Die Henrichshütte wurde 1854 gegründet. Sie war eines der traditionsreichsten Eisenhüttenwerke des Ruhrgebietes und wurde schließlich – beginnend im Jahre 1987 – nach und nach stillgelegt. Bemühungen der Denkmalbehörden, einen Teil der geschichtsträchtigen Industriehallen zu erhalten, scheiterten oft an den leeren Kassen der Kommunen. Bedingung der Denkmalschützer, das Stahlwerk für die Demontage freizugeben, war eine detaillierte – stereofotografische – Dokumentation. Cornelia Suhan und Jürgen Spiler, die 2004 drei Monate in dem erkalteten Stahlwerk unterwegs waren, arbeiteten also mit einer Kamera mit zwei Objektiven. Bei der Belichtung (klassischer Film, keine Digitaltechnik) entstehen Bilder, die sich nur wenig unterscheiden. Durch zwei Optiken parallel betrachtet, entstehen – ähnlich wie im 3-D-Kino – räumliche Bilder.

Fünf entsprechende Guckkästen wurden vor dem Thomasburger Schaufenster installiert. Außerdem gibt es nebenan im Haus eine kleine Begleit-Ausstellung mit Panoramafotografien – sie wirken wie die Kulisse eines apokalyptischen Science-Fiction-Films, bizarr und gespenstisch. Aus dem Industriegelände ist ein See geworden. Die Guckkästen bleiben drei Monate lang.