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Schriftstellerin Martha Sophie Marcus mit ihrem schmiedeeisernen Drachen Hedwig: Er diente als Vorlage für das Logo der MSMbooks. Foto: ff
Schriftstellerin Martha Sophie Marcus mit ihrem schmiedeeisernen Drachen Hedwig: Er diente als Vorlage für das Logo der MSMbooks. Foto: ff

Der neue Roman von Martha Sophie Marcus dreht sich um das Elbe-Hochwasser

ff Lüneburg. Fünf Frauen sitzen am Tisch, klönen und trinken Kaffee. Sie tragen Gummistiefel und haben sich in das erste Stockwerk verzogen. Parterre wäre auch problematisch, denn dort hat die Elbeflut das Wohnzimmer in einen trüben Tümpel verwandelt. Land unter in Jeetzeburg die Bewohner des hübschen Städtchens stapeln eifrig Sandsäcke vor ihren Haustüren, aber bei der alten Frau Lilienthal daheim ist alles gelaufen, im wahrsten Sinne des Wortes. Also trifft sich frau zum „Kaffeeklatsch mit Goldfisch“.

So heißt der neue Roman von Martha Sophie Marcus. Es ist bereits der achte Roman der Autorin, aber der erste, der in der Gegenwart spielt (die zwei Erzählungen für Kinder einmal nicht eingerechnet). Bekannt wurde „MSM“ durch historische Romane, etwa „Die Bogenschützin“, die Lüneburg-Geschichten „Herrin wider Willen“ und „Salz und Asche“ oder das opulente Wikinger-Abenteuer „Der Rabe und die Göttin“. Nun also eine Geschichte aus dem Hier und Jetzt, was die Schriftstellerin als „aufregendes Experiment“ beschreibt. Immerhin sind die Hintergründe, die Details, jeder Leserin deutlich präsenter und vertrauter, als wenn sich die Heldin, wie etwa in „Das Gold der Mühle“ durch das 14. Jahrhundert kämpft. Apropos Leserin: Natürlich lesen auch Männer die Romane von MSM, aber verlagstechnisch stehen ihre Bücher nun mal in der Abteilung „Frauenromane“.

In Jeetzeburg, der überschwemmte Ort heißt im richtigen Leben Hitzacker, ist zunächst Antonia kennenzulernen, eine 42-jährige Apothekerin mit anstrengendem Familien- und Berufsleben. Außerdem sind da die etwas verhuschte Carolyn (PTA), die gelernte Gärtnerin Petra (kein Job, dafür sechs Kinder, kein Mann) und Helen (ein Mann, aber Alkoholiker). Abgerundet wird das Ensemble durch Frau Lilienthal und einen Goldfisch, der sich nun elbeflutbedingt in der Besenkammer tummelt. Alles Weitere wird nun reihum aus der individuellen Sicht der Tafelrunde geschildert. Martha Sophie Marcus wollte außerdem den Goldfisch in einem eigenen Kapitel zu Wort kommen lassen. Das fand ihre Lektorin auch witzig, aber eine Reihe von Testleserinnen zeigte sich irritiert. Also raus damit. Jetzt gibt es das Kapitel als ausgekoppelten Text auf der Homepage der Autorin zu lesen, als Bonustrack gewissermaßen.

Als Schriftstellerin hat Martha Sophie Marcus die Gegenwart schon längst wieder verlassen, aktuell treibt sie sich im 11. Jahrhundert herum: Es geht um den Untergang der legendären Stadt Haithabu, wieder ein Wikinger-Roman also, 500 Seiten sind fertig, „aber ich werde wohl noch um die 200 Seiten schreiben, und der Abgabetermin ist im Juni…“ Zu den rauen Helden mit ihren Drachenbooten passt ein schmiedeeiserner Drache, der bei der Autorin im Garten steht und als Vorbild für das Logo ihres eigenen kleinen e-Book-Labels „MSMbooks“ dient. Jetzt aber ist erst einmal der „Kaffeeklatsch“ angesagt, er erscheint am 16. Februar bei Goldmann.