Mittwoch , 28. September 2016
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Noch ist alles easy: Anna Müllerleile und MacKenzie Gallinger spielen ein Pärchen, das ein Baby will. Foto: tamme
Noch ist alles easy: Anna Müllerleile und MacKenzie Gallinger spielen ein Pärchen, das ein Baby will. Foto: tamme

Das Musical „Babytalk“ feiert Premiere im Studio des Lüneburger Theaters

ff Lüneburg. So, das soll es also sein, das heiß ersehnte Baby, der künftige Mittelpunkt der Familie, der Stammhalter er sieht aus wie eine Erbse. Charlotte und Robert betrachten etwas ratlos das erste Ultraschall-Foto, auf dem bis auf diesen Knubbel nicht viel zu erkennen ist. Aber so geht es wohl allen Pärchen, die sich auf die Geburt ihres ersten Kindes vorbereiten und alles richtig machen wollen, also auch regelmäßig zur PND, zur Pränataldiagnostik gehen. Schwangerschaft bedeutet nun mal – für beide – ein Leben unter verschärften Bedingungen. Darum dreht sich das Musical „Babytalk“, das jetzt im Lüneburger Theaterstudio Premiere feierte.

Anna Müllerleile und Mac­Kenzie Gallinger singen und spielen in der Regie von Friedrich von Mansberg das junge Paar das heißt, so jung ist es nun auch wieder nicht: Sie, Juristin, ist 34 Jahre alt. Er, Lehrer, bereits 36. Das ist, biologisch betrachtet, noch kein Problem, aber die biologische Uhr tickt. Überhaupt müssen sich Charlotte und Robert erst einmal darüber klar werden, ob sie denn Mama und Papa werden wollen. Und auf welchem Wege, in Afrika warten schließlich genug süße kleine schwarze Babys auf eine Adoption. Charlotte, die kühl analysierende Akademikerin, hat alle Eventualitäten im Blick: Spirale rausnehmen lassen, danach braucht der Körper ein paar Monate für die Hormon-Umstellung. Zeugung nach Terminkalender, vielleicht eine Fehlgeburt, kommt in ihrem Alter häufig vor, kein Problem, der zweite Anlauf wird dann klappen. Aber Charlotte, die Frau mit der erotischen Ausstrahlung, will nicht ihr Idealgewicht verlieren. Und Robert findet die Aussicht, womöglich über längere Zeit auf Sex verzichten zu müssen, auch nicht so prall.

Das Musical von Peter Lund und Thomas Zaufke, interessanterweise also von zwei Männern, bietet eine Rahmenhandlung, die streng genommen verzichtbar wäre: „Babytalk“ kommt zunächst als quietschbunte Doku-Soap daher. Charlotte und Robert setzen sich, herumkommandiert von einem TV-Team, regelmäßig vor die Kamera, um zu turteln, über ihre Baby-Pläne zu plaudern und sich kicher, kicher eine Kissenschlacht mit Windeln zu liefern. Nur, dass die Realität eben gar nicht so lustig ist und das Paar in ein Wechselbad der Gefühle taucht. Das spiegelt sich ein Jazzquartett sitzt offen auf der Bühne in den Songs, die mal fröhlich, mal melancholisch, mal traurig klingen. Als Charlotte tatsächlich schwanger ist, sucht Robert heimlich Trost bei einer gewissen Ingrid, und die künftige Mutti entdeckt, dass sie die Verantwortung womöglich alleine trägt, weil Robert, immerhin Sozialpädagoge, mit der Gesamtsituation überfordert zu sein scheint: „Ich will ein Kind“, sagt Charlotte, „und nicht zwei!“

Dies alles erzählen Anna Müllerleile und MacKenzie Gallinger wunderbar leicht und wie selbstverständlich mit Sinn für Melodien und Pointen, mit professioneller Präzision und Gespür für jene Zwischentöne zwischen Euphorie und Depression, die allen Eltern wohlbekannt sein dürften. Der vielzitierte Ernst des Lebens, der beginnt eben nicht mit der Schule, nicht mit der Ehe oder dem Berufsleben, der beginnt mit dem ersten Kind. Aber für Spaß im Theater sorgen kann er auch. Nächster Aufführungstermin im T.NT: Donnerstag, 29. Januar, 20 Uhr.