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Barry Goldman beim Tee in der Theaterkantine. Er ist begeistert von dem (Kinder-)Buch zum Thema Leben und Tod  und von der Möglichkeit, es ins Szenische übersetzen zu können. Foto: t&w
Barry Goldman beim Tee in der Theaterkantine. Er ist begeistert von dem (Kinder-)Buch zum Thema Leben und Tod und von der Möglichkeit, es ins Szenische übersetzen zu können. Foto: t&w

Alles hat seine Zeit – Barry Goldman inszeniert „Ente, Tod und Tulpe“ im T.3 des Theaters Lüneburg

oc Lüneburg. Kinder haben keine Scheu vor großen Fragen. Sie wollen alles über das Leben wissen. Das finden Eltern gut. Kinder wollen aber auch Antworten, wenn es um diese Sache mit dem Tod geht. Da lenken Eltern gerne ab, das Thema wird mit erhöhtem Tabu- und maximalem Verdrängungsfaktor belegt. Es geht auch anders, sensibel, liebevoll, sogar ein bisschen komisch. Wolf Erlbruch hat es mit seinem Kinderbuch „Ente, Tod und Tulpe“ bewiesen. Nora Dirisamer hat ein Theaterstück daraus gemacht, und für Barry Goldman, der es jetzt in Lüneburg in Szene setzt, ist es das richtige Stück zur richtigen Zeit.

Goldman lebt in München, macht Theater, so lange er denken kann, zuerst in den USA, wo er aufwuchs. Dann in Frankreich, seit 1996 auch in Deutschland. Goldman ist Schauspieler, und er inszeniert. Stücke für Große, Stücke für Kleine. An einem Dienstag war es, da stieß er auf das Buch von Wolf Erlbruch und war begeistert. Am Mittwoch wusste er, dass es eine Theaterfassung gibt, die hätte er gern selbst geschrieben. Zwei Tage weiter, es war also Freitag, rief ihn Sabine Bahnsen an, die Leiterin der Kinder- und Jugendbühne am Lüneburger Theater. Ob er ein Stück in Lüneburg machen wolle? Als Goldman hörte, dass es um die Geschichte ging, die ihn gerade so sehr beschäftigte, „da bin ich fast umgekippt.“ Dass er selbst 145 Tage Krankenhaus hinter sich hatte, dem Tod ins Gesicht geblickt hat, das macht die Sache rund. Goldman weiß, wie wertvoll Leben ist.

Darum geht es in dem 45-Minuten-Stück. Und auch darum, dass der Tod kein Feind ist. Im Mittelpunkt der kleinen Geschichte steht die Ente, die watschelnd, schwimmend, gründelnd ein beschauliches Leben führt, sich aber wundert, dass da immer einer ist, der sie beobachtet. Sie stellt ihn zur Rede. So kommen Ente und Tod ins Gespräch, sie lernen voneinander, sie begleiten sich wie ziemlich beste Freunde. „Es ist eine runde, eine sehr poetische Geschichte“, sagt Barry Goldman.

Wolf Erlbruch gelang in Text und Bild ein schon verblüffend einfühlsames Buch über das Leben, es richtet sich an Menschen ab vier Jahren. An alle also. Erlbruch spricht seine Leser und Betrachter auf so unmittelbare wie philosophische Art an. Es ist ein Buch voller Wärme, und die gilt es, ins Szenische zu übertragen. Barbara Bloch schuf dafür das Bühnenbild und die Kostüme, auf der Bühne kommt der Tod nicht mit Totenkopf daher. Martin Skoda spielt ihn als einen, der seine Arbeit mag, er holt die Menschen eben ab, wenn es soweit ist. Olga Prokot ist als Ente zu sehen, die den Tod auch einmal wärmt, als er friert.

Es ist ein Stück für zwei Personen. Goldman aber bringt auch Tulpe ein und zugleich Musik für Violoncello. Den Part übernimmt Lisa von Mansberg. „Ente, Tod und Tulpe“ hat am Donnerstag, 5. Februar, um 10 Uhr Premiere im T.3, der Jungen Bühne des Theaters.