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Von Pop bis Rock: Saxophonistin Nicole Johänntgen, hier mit ihrem Bruder Stefan an den Tasten, schöpft ihre Musik aus vielen Quellen. Foto: t&w
Von Pop bis Rock: Saxophonistin Nicole Johänntgen, hier mit ihrem Bruder Stefan an den Tasten, schöpft ihre Musik aus vielen Quellen. Foto: t&w

Das Nicole-Jo-Quartett im Jungen Theater

aat Lüneburg. Jazz vom Feinsten bot die Lüneburger JazzIG zum Jahresauftakt: Die Saxophonistin und mehrfache Preisträgerin Nicole Johänntgen, seit Jahren schon in Kontakt mit den Lüneburger Jazzern, hatte mit ihrem 1998 gegründeten Quartett aus vier brillanten Instrumentalisten endlich für Lüneburg einen Termin frei und kam ins bestens besuchte T3, um ihre neue CD vorzustellen.

Im November erst ist das Album erschienen, das zu Recht den Titel „Colours“ trägt. Ein Bündel irisierender Klangfarben spiegelt sich in jedem der virtuosen Stücke, deren Ideen laut Nicole Johänntgen vom Anblick dreier aktiver Vulkane in 2000 Metern Höhe in Indonesien inspiriert sind. Farben, erzählt die Saxophonistin, könne ihr Mitbewohner sehen, wenn er Cello spiele. Sie selbst ist zuweilen auch synästhetisch beseelt. Sonst hätte sie einen Song nicht „White and Green“ genannt.

Vulkanisch brodeln und explodieren auch die übrigen Stücke: Temperamentvoll sind sie alle, tonmalerisch sensibel, energiegeladen und zuweilen hochexplosiv. Dynamisch und klanglich werden sie fein reguliert. Nicoles Bruder Stefan Johänntgen entwickelt am Keyboard und Synthesizer dichte atmosphärische Klangteppiche und spielt mit Elektronikeffekten. Als Pianist, klassisch ausgebildet und früh am Synthesizer und im Jazz unterwegs, lässt er sich auf keinen Stil festlegen. Er gibt Impulse mit Motivrepetitionen und rhythmischen Patterns. Oder er entzündet ein solistisches Feuerwerk.

Frei und lebendig fühlt sich auch das Spiel der anderen an, das mit Jazzelementen, Latin, Blues, Pop und Rock, viel Funk und filmmusikalisch infizierten Klangbildern flirtet, sich jedoch oft ungebunden anfühlt. Lange Steigerungen faszinieren, Beats säuseln und knallen, hymnischer Klangrausch und leise, flimmernd tropfende Motivfetzen bilden schöne Kontraste. Die Soli sind großartig. Nicole variiert die Themen und Improvisationen mit packender Leidenschaft, zauberhaften Nuancen, vom Flüstern bis zum grellen Aufschrei ist alles dabei. Sie saugt alle Anregungen auf, verwertet sie und schöpft Neues, tanzt, schreit und verliert sich in intensiv brennendem Laufwerk. Staccatoeinwürfe perlen taufrisch wie in „Saturdays Rain“.

Last but not least sind der Ausnahme-Schlagzeuger Elmar Federkeil und der rockig inspirierte, überaus fingerfertig seine Gitarre traktierende Bassist Philipp Rehm wesentliche Soundgeber des Quartetts. Wenn Elmar Federkeil im raumfüllenden Sound sich in Fahrt trommelt, was eigentlich ständig geschieht, lacht er, hat großen Spaß, das sieht man ihm an, wie den Mitspielern auch. So tolle Schlagzeugsoli wie an diesem Abend hört man nicht alle Tage, inklusive dem „Lovely-Thing“-Solo auf der in c-Moll gestimmten „Blue Point Steelharp“, die Federkeil sich eigens in Dortmund bauen ließ.

Herz und Gefühl zierte sämtliche Interpretationen und Soli. Am Ende wollte niemand das Nicole Jo-Quartett so schnell gehen lassen, nur ein Rausschmeißer konnte den Beifall stoppen, das einzige Stück, das nicht aus „Colours“ stammte: „Jam 4“ aus der CD „Go on“ von 2011.