Donnerstag , 29. September 2016
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Die Spielleiter Philip Richert (links) und Martin Andreas Greif drehen die Zeit zurück. Das hat Folgen für Antoinette (Alisa Levin).  Foto: t&w
Die Spielleiter Philip Richert (links) und Martin Andreas Greif drehen die Zeit zurück. Das hat Folgen für Antoinette (Alisa Levin). Foto: t&w

Premiere von Frischs „Biografie: Ein Spiel“ am Theater Lüneburg

lz Lüneburg. Zuerst einmal: Die Premiere ist nicht gefährdet. Die Folgen des Kabelbrands im Zuschauerraum des Theaters Lüneburg werden rechtzeitig behoben. So kann am Sonnabend, 7. Februar, um 20 Uhr Max Frischs „Biografie: Ein Spiel“ wie geplant über die Bühne gehen.

Das Stück greift eines von Frischs zentralen Themen auf: die Identitätssuche. Der Protagonist Hannes Kürmann erhält die einmalige Chance, seine Biografie zu verändern. Wäre sein Leben genauso verlaufen, wenn er einen bestimmten Schritt nicht getan hätte? Oder entscheidet letztendlich jemand anderes, an welchem Punkt in seinem Leben sich etwas ändert? Für die Regie von Frischs Schauspiel zeichnet Krystyn Tuschhoff verantwortlich. Das Bühnen- und Kostümbild stammt von Anike Sedello. Beide stellen sich mit dieser Produktion erstmals dem Lüneburger Publikum vor.

Max Frisch wählte ein Zitat des Werschinin aus Tschechows „Drei Schwestern“ als Leitmotiv für sein Schauspiel: „Ich denke häufig: wie, wenn man das Leben noch einmal beginnen könnte, und zwar bei voller Erkenntnis? Wie, wenn das eine Leben, das man schon durchlebt hat, sozusagen ein erster Entwurf war, zu dem das zweite die Reinschrift bilden wird! Ein jeder von uns würde dann, so meine ich, bemüht sein, vor allem sich nicht selber zu wiederholen.“

So erhält Professor Hannes Kürmann in Frischs „Biografie: Ein Spiel“ die Gelegenheit, seine Biografie rückwirkend mit dem Wissen um die eigene Zukunft zu verändern und seinem Leben eine neue Wendung zu geben. Da seine Ehe zerrüttet ist, wünscht er sich vor allem eine Biografie ohne seine Frau Antoinette. Gemeinsam mit einem Spielleiter, der ihm für das „Spiel“ zur Seite gestellt wird, begibt sich Kürmann auf die Reise in seine eigene Geschichte. Zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Tat kann er seine Biografie, sein Leben verändern? Ist dies überhaupt möglich?

Der Schweizer Autor Max Frisch machte sich unter anderem durch seine Romane „Stiller“ und „Homo faber“ oder die Parabeln „Biedermann und die Brandstifter“ und „Andorra“ einen Namen. Im Zentrum seines Schaffens steht häufig die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität. So auch in seinem Stück „Biografie: Ein Spiel“, das Frisch selbst als Komödie bezeichnete.

Für Regisseurin Krystyn Tuschhoff ist das Thema der Identitätssuche eines, mit dem sich jeder schon einmal konfrontiert sah: „Wer möchte seine Biografie nicht ständig verändern, manipulieren und flexibel halten? Die Frage Wer bin ich bzw. Wer möchte ich sein ist jedem von uns bekannt. Wir verhalten uns situationsbezogen und präsentieren bewusst oder unbewusst unterschiedliche Anteile unseres Selbst.“

Matthias Herrmann ist in der Rolle des Hannes Kürmann zu erleben. Alisa Levin steht als Antoinette auf der Bühne, Martin Andreas Greif und Philip Richert sind als Spielleiter A und B dabei. Für die Komposition und Musik zeichnen Martin Glos und Christian Ziegler verantwortlich.