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"ich bereits in deiner Nähe Nähe, so lange Du lebst" sagt der Tod zur Ente. Das Stück "Ente, Tod und Tulpe" ist heitermelancholisches Kindertheater von Barry Goldmann. Foto: t&w
"ich bereits in deiner Nähe Nähe, so lange Du lebst" sagt der Tod zur Ente. Das Stück "Ente, Tod und Tulpe" ist heitermelancholisches Kindertheater von Barry Goldmann. Foto: t&w

Premiere für „Ente, Tod und Tulpe“

Von Frank Füllgrabe 
Lüneburg. Totenschädel, schwarze Kutte, eine lange Sense so oder so ähnlich stellen die Menschen in ihren Bildern den Tod dar. Auch die kleine Ente, die tagein, tagaus friedlich in ihrem Tümpel lebt, hat sich den Schnitter eher gruselig vorgestellt wie ein Fuchs zum Beispiel, also mit spitzen Zähnen. Der jugendliche Typ im grauen Kittel, mit den verstrubbelten Haaren und dem traurig-freundlichen Gesicht, der da eines Tages bei ihr am Ufer auftaucht, wirkt überhaupt nicht wie eine Bedrohung. Und doch: Er ist der Tod, und er wird die Ente nun begleiten. Davon erzählt ein Theaterstück, das jetzt im T.3 Premiere feierte.

„Ente, Tod und Tulpe“ ist zunächst ein Bilderbuch von Wolf Erlbruch, daraus wurde ein Film, und, geschrieben von Nora Dirisamer, ein Schauspiel für Zuschauer ab vier Jahren. Das hat Barry Goldman für Lüneburg inszeniert, mit Olga Prokot (Ente), Martin Skoda (Tod) und Lisa Marie von Mansberg als Tulpe und zugleich als Cellistin, die das Bühnengeschehen untermalt.

Der Tod (Martin Skoda) friert, die Ente (Olga Prokot) wärmt ihn ein bisschen. Dabei wollte sie sich eigentlich den unheimlichen Besucher vom Hals halten. Foto: t&w
Der Tod (Martin Skoda) friert, die Ente (Olga Prokot) wärmt ihn ein bisschen. Dabei wollte sie sich eigentlich den unheimlichen Besucher vom Hals halten. Foto: t&w

Die Ente führt (in der Ausstattung von Barbara Bloch) ein überschaubares Leben: paddeln, im Teichboden gründeln, fette Würmer suchen, interessante Fundstücke an Land ziehen, ausgiebig schlafen mehr braucht sie nicht. Wenn sich ein Feind anschleicht, hält sie still, macht „toter Erpel“, das hat bisher immer geklappt. Doch jetzt kommt der Tod, und der lässt sich nicht abwimmeln. Man muss ihn eben akzeptieren.

Genau genommen war er schon immer da, als stiller Begleiter. „Ich bin bereits in Deiner Nähe, so lange Du lebst“, sagt er. Und die Ente weiß nicht so recht, ob sie jetzt Angst haben soll, das heißt, eigentlich hat sie tatsächlich Angst. „Das ist normal“, sagt der Tod. Sitzt man im Jenseits als Engel auf einer Wolke und schaut auf die Erde herab? „Flügel hast Du ja schon“, grinst er, Genaueres weiß der Tod auch nicht, für das Jenseits ist er nicht zuständig.

Fest steht für ihn: „Der Tod ist nichts anderes als die letzte Verwandlung.“ Dafür ist die Tulpe als Sinnbild da: im Winter eine Knolle, tief unter der Erde, bis sie im Frühling sprießt, aufblüht und schließlich wieder verwelkt. Und dann? „Du fängst wieder irgendwie ganz neu an.“ Als was auch immer. Reinkarnation, die klassische Himmel/Hölle-Variante oder einfach das große, leere Universum das Stück bringt solche Überlegungen zur Sprache, ohne sie zu bewerten, ohne die Unsicherheit zu leugnen, die damit nun einmal einher geht. Barry Goldman hat das rund 45-minütige Abenteuer mit leichter Hand inszeniert, heiter-melancholisches Kindertheater geschaffen, das den Darstellern die Möglichkeit gibt, alle Stimmungen, alle Regungen pointiert zu spielen und das nicht nur die ganz Kleinen anspricht.