Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Treppauf im Scharffschen Haus wird Dr. Joachim Mähnert sein Büro beziehen, unten bietet die Diele Platz für ein Café. Foto: t&w
Treppauf im Scharffschen Haus wird Dr. Joachim Mähnert sein Büro beziehen, unten bietet die Diele Platz für ein Café. Foto: t&w

Ostpreußisches Landesmuseum: Mehr Platz, mehr Programm

oc Lüneburg. Zwei Vitrinen haben sie noch aufgestellt, die freuen den Historiker in Dr. Joachim Mähnert, sie grämen den Bauherren in ihm. Zu sehen sind Funde der Archäologen, die den Start zum Neubau für das Ostpreußische Landesmuseum um rund sechs Wochen verzögerten. So ist das, wenn man in einer alten Stadt die Erde öffnet. Doch es geht voran in dem Museum, das in einer Woche die Tore für den Um- und Neubau schließt. „Einen Eröffnungstermin bekommen Sie von mir aber heute nicht“, sagt der Museumsdirektor. In diesem Jahr aber soll es noch sein wenn alles klappt.

Wer baut, hat Risiken. Dr. Mähnert sagt es so: „Wir haben detaillierte Pläne, aber die Realität sieht immer noch anders aus.“ Mit dem Scharffschen Haus und dem Brauereimuseum werden auch zwei Häuser umgestaltet, die als Baudenkmäler gelten. Weit gediehen sind die Arbeiten bereits im Scharffschen Haus. Anfang April wird die Verwaltung des Museums ins Obergeschoss ziehen, unten ist die Diele nun deutlich größer. Verhandlungen mit möglichen Pächtern eines Cafés laufen. Das könnte noch im Sommer öffnen.

Das Landesmuseum bekommt eine Deutschbaltische Abteilung, die Museumspädagogik zieht aus dem Keller ins lichte Obergeschoss und verdoppelt seine Fläche. Auch das Depot wird 30 Prozent mehr Raum haben, „aber das hält nicht lange vor“, sagt Dr. Mähnert, der 2009 als Direktor an das Landesmuseum kam. Besonders wichtig ist ihm, dass es mehr Platz für Veranstaltungen und Sonderausstellungen geben wird. Darüber nämlich generiere man Besucher, sagt Dr. Mähnert. Für Vorträge, Konzerte etc. wird ein Raum mehr als 100 Besuchern Platz bieten. Die Ausstellungsfläche für temporäre Projekte wird 450 Quadratmeter haben, mehr als das Doppelte zum Bisherigen.

Auch in der Zeit der Schließung bleibt das Landesmuseum präsent nicht nur in Lüneburg, wo es an verschiedenen Orten Veranstaltungen geben soll. Acht Ausstellungen hat das Museum zurzeit konzipiert, sie werden in Deutschland, Polen, Litauen und Russland gezeigt. Es geht um die Verfolgung jüdischer Bürger Ostpreußens, um Nidden, um den Autor Arno Surminski etc. Zwischen 800 und 1500 Objekte habe man ständig im Leihverkehr. Um das besser abwickeln zu können, gibt es künftig einen Raum zur Bearbeitung.

Die Bauverzögerung trug dazu bei, dass die Kosten von ursprünglich 4,6 Millionen Euro nicht zu halten sind. Es wird am Ende eine Fünf vor dem Komma stehen, auch um die Finanzen muss Dr. Mähnert zurzeit ringen. Und nicht immer sei es sinnig, kurzfristig zu sparen. Eine neue Lichtanlage würde zwar einiges kosten, verursache aber deutlich geringere Betriebskosten. Auch fehlt Geld, um die neue Ausstellung multimedial auszureizen, „wir werden das sukzessive weiterentwickeln“, so Dr. Mähnert.

Im Hinterkopf kommt noch ein Museum hinzu: Ende 2015 schließt in Duisburg das Museum Königsberg. Es besitzt eine herausragende Sammlung zu Immanuel Kant und ebenfalls zu Käthe Kollwitz. Lüneburg ist das erklärte Ziel für die Sammlung. Wo und wie, das muss sich zeigen und müsste eigentlich zu einem weiteren Bauabschnitt führen.

Aber eins nach dem anderen. Vor der Schließung gibt es am Sonnabend, 14. Februar, von 11 bis 18 Uhr eine Finissage, Titel: „Wunderkammer Museum“. Der Eintritt ist frei, das Programm reicht vom Bernsteinschleifen bis zum Antiquariat. Es gibt kurze Führungen, um 11.30 Uhr einen Kurzvortrag mit Dr. Mähnert zum Thema „Zukunft Museum“, ein Museumscafé, ab 14.30 Uhr präsentieren Herr Könnig und Matthias Moldenhauer nostalgische Lieder und vieles mehr.