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Ein mittelalterliches Altartuch restaurierte Ada Hinkel (hinten), mit Tanja Weißgraf hebt sie es in die größte Vitrine des Museums. Foto: Coenen-Staß
Ein mittelalterliches Altartuch restaurierte Ada Hinkel (hinten), mit Tanja Weißgraf hebt sie es in die größte Vitrine des Museums. Foto: Coenen-Staß

Alle Schätze sind schon da – Das neue Museum an der Willy-Brandt-Straße bekommt nun seinen Feinschliff

oc Lüneburg. Endspurt an der Willy-Brandt-Straße. Am 1. März gehen die Türen auf. Es ist jetzt schon voll im Museum, die Restauratoren geben Heiligenfiguren Halt, Elektriker wuseln herum, Maler streichen Türen und Wände, die Architekten drehen eine Runde, Vitrinen werden bestückt, Medienstationen installiert, das Café eingerichtet. Jetzt kamen die letzten Exponate ins Haus: eine natürlich entschärfte Fliegerbombe aus den Funden der letzten Monate, und Karyatiden, also weibliche Figuren, die einst in der Michaeliskirche standen. Es geht nun um Licht, ums Beschriften, um das Schulen von Aufsichten, um unendlich viele Details und auch ums Ausprobieren.

Zwei aus dem Team von Direktorin Dr. Heike Düselder aber fehlen seit einiger Zeit. Museumspädagogin Dr. Kerstin Batzel hat am 1. März einen weit wichtigeren Termin: Das ist der Tag, an dem ihr Baby auf die Welt kommen soll. Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring kann auch nichts vor Ort machen, er hat sich den Fuß gebrochen.

Alle Kraft, alle Kräfte werden jetzt konzentriert: Es gibt keine Führungen für Gruppen im Februar. Öffentlichkeit wird aber auch in ganz anderer Weise hergestellt: Gleich fünf Seminare der Leuphana Universität begleiten die Museumswerdung. Dabei geht es zum Beispiel um Konzepte für die Museumspädagogik, um strategische Publikumsplanung, um die leitbild­orientierte Ausrichtung und grundsätzlich um „Wege und Umwege der Kulturvermittlung“, wobei Konzepte neuer Museen verglichen werden.

Eine Million Euro stehen für die Gestaltung der Ausstellung mit ihren sieben Abteilungen zur Verfügung. Anders gesagt sind das 400 Euro pro Qua­drat­meter. „Das mag nach viel klingen, ist aber vergleichsweise wenig“, sagt Dr. Düselder. In der Fachwelt gilt eine Summe von mehr als 1000 Euro als sinnvoll. Dr. Düselder hat über Drittmittel 90000 Euro eingeworben. Sie kommen unter anderem den Medienstationen und einem Multimedia-Guide zugute.

Geld fehlt auch an ganz anderer Stelle, das wurde bei der Sichtung der Exponate deutlicher als je zuvor. „Wir haben einen Restaurierungsstau von drei bis vier Jahrzehnten“, stellt die Museumsleiterin fest. Schuldzuweisungen betreibt sie nicht. Sie bemüht sich, möglichst viel zu sichern, Mittel für die Restaurierung zu akquirieren. Dr. Düselder freut sich, dass “ sich der Museumsverein mit seiner Stiftung dabei sehr stark einbringt“.

Dr. Düselder trat ihr Amt am 1. August 2012 an. Architektur und Konzept für das Museum standen damals bereits fest. Die Idee, aus zwei Museen eins zu machen, die Themen Natur und Kultur in ein Konzept zu bringen, reizte sie, und sie sorgte schnell für einen neuen Teamgeist im Haus. Zugleich machte sie das im Bau befindliche Museum in der Stadt präsent, allein mit Bauführungen hatte sie mehr Besucher im Jahr, als das Museum zuvor zählte. Angeschoben wurden eine Menge Kooperationen. Das zahlt sich aus: 300 Jahreskarten für das Museum wurden bereits verkauft.

Die bedeutendsten Schätze, die historisch betrachtet zu Lüneburg gehören, besitzt das Museum nicht. Das 1874 von der Stadt verscherbelte Ratssilber ist in Berlin zu sehen, die Goldene Tafel aus St. Michaelis bzw. das, was erhalten ist, wird im Landesmuseum Hannover „zum kostbarsten Besitz“ gerechnet und bis 2016 mit einem Etat von 540000 Euro gründlich wie nie zuvor erforscht. Aber besondere Schauwerte gibt es natürlich doch an der Willy-Brandt-Straße: die Reproduktion der Ebstorfer Weltkarte, die Lunasäule, das Pferdeskelett aus Rullstorf, der Einbaum und anderes müssen nun attraktiv in Szene gesetzt werden, immer dem Leitgedanken nach, das Zusammenspiel von Natur und Mensch zu beleuchten.

Die Museumsdirektorin denkt längst über den Tag der Eröffnung hinaus. Denn wenn der Neugiereffekt verpufft, muss sich das Museum behaupten. Das pädagogische Programm startet am 1. April, Museumsführer entstehen, auch in leichter Sprache. Das wird alles Schritt um Schritt erfolgen. Ein Plan für Vorträge, Sonderausstellungen und weiteres entsteht. Aktuell wird erst einmal das Programm für die Startwoche vom 2. bis 8. März geschrieben, „da kommt immer noch etwas hinzu, aber es ist fast fertig, der Termin für Grafiker und Drucker steht“, sagt die Museumsleiterin.

Ein Foto von Prof. Dr. Detlef Hoffmann hängt im Büro von Dr. Düselder. Hoffmann hatte den Weg der Lüneburger Museen in eine Stiftung und die konzeptuelle Basis für das neue Museum wesentlich mitgeprägt. Die Stadt hatte nach Hoffmanns plötzlichem Tod angekündigt, ihn zur Eröffnung des Museums posthum mit der Lüneburg-Medaille zu ehren. Die Geste soll nicht vergessen werden.

Kurz vor Eröffnung des Museums Lüneburg lädt auch das Deutsche Salzmuseum ein. Dort wird am Freitag, 27. Februar, um 18 Uhr die Ausstellung „Moneta. Frauen & Geld in Geschichte und Gegenwart“ eröffnet. Die vom Frauenmuseum Bonn kommende Ausstellung soll bis Anfang April in Lüneburg bleiben.