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Niels Schröder hat Hamburg singt in Bewegung gebracht. Jetzt blickt er über die Elbe hinaus. Foto: Jörg Böh
Niels Schröder hat Hamburg singt in Bewegung gebracht. Jetzt blickt er über die Elbe hinaus. Foto: Jörg Böh

„Hamburg singt“: Der Chor für alle

oc Lüneburg. Jeder Mensch singt gern. Jeder kann es, ob schief oder schön, ob am Steuer oder unter der Dusche, ob allein oder gemeinsam. Die Chorszene ist in den vergangenen Jahren gewaltig in Bewegung gekommen, und die neueste Welle schwappt schon heran, über Stockholm nach Hamburg und im März nach Lüneburg.

Probleme haben heute viele der Traditions-Chöre auf dem Lande, solche, die im Beinamen oft Concordia oder Deutsche Eiche heißen. Die Zahl der Aktiven schrumpft, Männer haben Seltenheitswert, das Alter liegt im Schnitt hoch bis sehr hoch. Ähnlich geht es vielen kleinen Kirchenchören, an ihre Stelle rücken mehr und mehr Gospelchöre es gibt sie in Adendorf, in Embsen, in Kirchgellersen, in Salzhausen. . . Die Gospelszene wächst in einem Tempo, dass sie schon droht, sich zu kannibalisieren. Die Konkurrenz unter den Chören ist vielerorts spürbar.

Gesungen wird auch viel in Chören, die sich betont bis angestrengt originelle Namen geben: OHRegano, Femme Vocales, LoChormotion… Sie überraschen mit wechselnden Konzepten, sind mal mehr, mal weniger anspruchsvoll in ihren Zielen, proben hart für ihre Programme.

Da aber jeder gern singt, ist es merkwürdig, dass der Chor für alle nicht längst die Säle erobert hat. Der Elmshorner Niels Schröder, auch in der Gospelszene ein Begriff, hat vor knapp zwei Jahren eine Idee aus Stockholm nach Hamburg gebracht. Jeden Dienstag um 19 Uhr lautet das Motto in einem großen Kirchensaal „Hamburg singt“. Hunderte kommen, alt und jung, Mann und Frau. Jede Probe ist zugleich ein Konzert. Chorleiter Niels Schröder, sein Bruder Sören an den Drums und weitere bilden eine Band, gesungen wird meist Vertrautes aus Rock und Pop. Vokalsolisten mischen mit, kleine Stimmübungen werden eingebaut, Texte kommen per Beamer an die Wand. Es gibt keine Anwesenheitskontrolle, wer kommt, zahlt acht Euro oder hat eine Zehnerkarte und singt mit. Ein Flashmob-Video aus dem Hamburger Europa-Center vermittelt die Begeisterung, das in dem Karaoke-Chor-Projekt liegt (www.hamburg-singt.de). „Wir feiern einfach jede Woche eine Party mit Band“, sagt Niels Schröder.

Begeistert von dem Konzept ist Musikproduzent Peter Hoffmann aus Vögelsen. Er nahm Kontakt mit den Schröder-Brüdern auf. Das hat Folgen: Niels Schröder ist offen für den Sprung über die Elbe, wie er der LZ bestätigt. Hoffmann würde die Idee gern durchs ganze Land tragen, mit den Musikschulen als Partner. In Lüneburg klappts. Hoffmann und Musikschuldirektor Ulrich Petersen haben einen Testlauf eingetütet am Sonnabend, 21. März, um 19 Uhr in der Musikschule. Kommt das Konzept an, könnte es im Turnus von ein oder zwei Wochen weitergehen. „Mittwochs“, sagt Petersen, „könnte unser Forum genutzt werden.“

Parallel zieht eine Idee gleicher Art durchs Land. Sie nennt sich „Rudelsingen“, läuft in 50 Städten, baut auf Schlager sowie Evergreens aus Pop und Rock. Der Bremer Kurt Bröker und sein Sohn Simon leiten den Zufalls-Chor an. Es gibt einen zunächst einmaligen, gut zweistündigen Lüneburg-Termin: 17. Februar, 19.30 Uhr, Kunstsaal.