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Solo für Olaf Schmidt: Der Ballettchef des Lüneburger Theaters zeigt hier noch einmal eine seiner älteren Choreographien. Foto: t&w
Solo für Olaf Schmidt: Der Ballettchef des Lüneburger Theaters zeigt hier noch einmal eine seiner älteren Choreographien. Foto: t&w

Premiere im Theater: Ein „Tanzmonopol“-Abend mit Ballettchef Olaf Schmidt

ff Lüneburg. Olaf Schmidt verzichtete darauf, es unnötig kompliziert zu machen: „Es gibt ein paar Stücke von mir, die wollte ich einfach noch einmal tanzen“, erzählte er gut gelaunt dem Publikum zur Einführung des Abends. Ein paar Stücke, damit meinte der Ballettchef des Lüneburger Theaters zwei Soli und zwei Duette, also Pas de deux. Und weil sie zum Teil „ein bisschen anstrengend“ seien, gönnte sich der Meister jeweils Verschnaufpausen. Als Überbrückung dienten Szenen aus einem Dokumentarfilm über Olaf Schmidt – fertig war die Revue „Tanzmonopol“, sie wurde vom Publikum mit langem, herzlichem Applaus gefeiert.

Olaf Schmidt verweist mit seinen vier Choreographien auf die Wurzeln des modernen Ausdruckstanzes, speziell auf seine erste Blütezeit in den 20er- und 30er-Jahren. Eine Gegenbewegung zum klassischen Ballett keine Illusion des Schwebens also, sondern Erdverbundenheit, Bezug auf den realen Menschen, was Eleganz und Schönheit natürlich nicht ausschließt. In der Doku schildert der Tänzer, wie er an seine Arbeit herangeht: Die Suche nach den zentralen Themen, nach geeigneten Persönlichkeiten, nach der passenden Musik, dies alles geschieht eher behutsam, tastend, als „Patchwork“ bezeichnet Schmidt die Entwicklung der richtigen Bewegungen.

Vier Stücke also, viele Stimmungen. In den beiden Soli zeigt Olaf Schmidt, wie sich innere Zerrissenheit, das Taumeln der Seele, mit präzisen Dramaturgien und sparsam eingesetzten Mitteln darstellen lässt, zugleich eine fließende Erzählung entsteht. Für „Pavane“ diente Ravels „Pavane pour une infante défunte“ als Background, für „Schwanengesang“ Franz Schuberts „Ständchen“ gesungen von Georgette Dee, mit androgyner Stimme also. Bittersüße Geschichten, denen immer auch etwas Geheimnisvolles bleibt.

Da ist „Between Fear and Sex“, auf die Bühne gebracht mit Partnerin Mara Sauskat zu Jaques Brels „Ne me quitte pas“, deutlich konkreter: „Verlass mich nicht“ dramatische Szenen einer Beziehung, Freiheit und Fesselung (was auch wörtlich zu nehmen ist), Lust, Angst und Zärtlichkeit, eindringlich getanzt, immer mit dem Gespür für Glaubwürdigkeit.

Zum krönenden Finale packte Olaf Schmidt noch einmal „Die blaue Brille“ aus, uraufgeführt 1991 in Ulm, vor fast einem Vierteljahrhundert also. Zusammen mit Kerstin Kessel erzählt er vom Treffen an einer Bank, sie mag in einem Park stehen. Hier trifft der Protagonist ein blondes, hübsches Mädel, das ihn fasziniert, mit seiner seltsamen Sonnenbrille auch rätselhaft wirkt. Können die Augen hinter den blauen Gläsern sehen? Es entwickelt sich ein zauberhaftes Geturtel zweier kindlicher Gemüter, gespielt zu Wagners immerhin gut 20-minütigem „Siegfried-Idyll“ (das sich auf die Geburt seines Sohnes bezog). Olaf Schmidt gehört mittlerweile zu den höheren Semestern seiner Branche, mit dem Alter gewinnt der Ausdruck an Tiefe und Authentizität. Aber den Charme eines großen Jungen hat Olaf Schmidt auch noch, weshalb ihm im Duett mit Kerstin Kessel wunderbare Momente von Neugier, Fröhlichkeit und Albernheit gelangen, durchsetzt von Nachdenklichkeit und Wehmut. Und so weckte der Tänzer im gutbesuchten Theater beides zugleich: Rührung und Gelächter.

One comment

  1. tanzende ausserhalb des monopols

    was geschieht der (tanz)welt mit (selbsternannten) monopolen:
    zementieren diese möglicherweise die getanzten momente und
    hinterlassen bewegungsarme räume?