Dienstag , 27. September 2016
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Regelmäßiger Gast in Lüneburg: Max Goldt las diesmal in der Kulturbäckerei. Foto: t&w
Regelmäßiger Gast in Lüneburg: Max Goldt las diesmal in der Kulturbäckerei. Foto: t&w

Max Goldt in der Kulturbäckerei: Ein Querulant hört was knarren

aat Lüneburg. Wer sich für intelligent formulierte Alltagsskurrilitäten und Nonsens-Comedy interessiert, kennt sicherlich Max Goldt. Schließlich ist der Liedersänger, mehrfach preisgekrönte Kolumnist und Autor vieler Bücher auch Hörbuch-Sprecher sowie Mitbegründer des Künstlerduos Katz und Goldt, dessen von Max Goldt betextete und von Stephan Katz gezeichnete Comics auf bunten T-Shirts sommerliche Städte bevölkern. In Lüneburg jedenfalls mag man den 1958 geborenen Schriftsteller mit der dunklen, gelassenen, verhalten witzelnden Stimme: Seit 2010 war er nun zum dritten Mal hier. 

Diesmal eingeladen von Lünebuch las Max Goldt in der Kulturbäckerei vor vollem Hause aus seinem umfangreichen Werk älteres und neueres Gedrucktes und noch Unveröffentlichtes. „Schade um die schöne Verschwendung“, Titel der Lesung und seines jüngsten, von ihm selbst gesprochenen Hörbuches, nimmt wieder Paradoxien und Abwegiges aufs Korn. Mehrere Texte daraus gab er zum Besten, und von Beginn an wurde eigentlich ununterbrochen gekichert in der Kulturbäckerei.

Die Kampagne „Mütter mit nach hinten“ (neben den Babysitz) entlarvt Goldt als abenteuerlichen Unsinn im köstlich rezitierten Dialog einer im Grunde einschläfernden Radiosendung. „Deutsche im Hotel“ frönt seiner Sammelleidenschaft kritischer und ungeheuerlicher Internet-Beschwerden ehemaliger Zimmergäste. „Fans“ komme von Fanatiker, die wünsche er niemandem, selbst „Warmduschern“ (einer ganzen Nation?) nicht. Den Autor zu hören erhöht den Reiz und die groteske Komik seiner Texte, in denen Goldt viel selbst Erlebtes reflektiert und die Attraktion bizarrer Erinnerungen auskostet. Originelle Satzkonstruktionen oder Wortklaubereien bekommen den passenden Tonfall, scheinbar bedächtig leiert er, um danach wieder aufzudrehen. Er singt sogar, wie in der Begegnung mit der legendären Diseuse Blandine „Ebinger“.

Goldts Einstieg in die Lesung galt dem Text „Ein Querulant hört was knarren“ aus einem seiner Büchlein der rororo-Reihe. Jeder hat vermutlich solche „ausrastenden Bürokraten und Spießer“ und ihre Sprüche („Armes Deutschland“) schon getroffen: Vom Bahnreisenden, der den Geräusche produzierenden Alu-Koffer des Mitreisenden beleidigt, bis zum Ökofaschisten und Klimabezweifler. Früher war man den Auflauerern weggeworfenen Bonbonpapiers ausgeliefert, heute, so Goldt, seien diese meist älteren Herren als Falschparker-Beobachter und Mäkler im Internet anzutreffen.

Goldts Querulant steht für vieles Alltägliche, was bei genauem Hinsehen mehr als nur eine verwunderliche Marotte ist. Hintergründiger Ernst (so übrigens Goldts eigentlicher Nachname) bestimmt den Witz der meist in der Ich-Form artikulierten Perspektiven, so auch die der Kurztextsammlung „Cheffinnen in bodenlangen Jeansröcken“. Das erleichtert dem Hörer (und Leser) das Assoziieren und sich Erinnern an eigene Erlebnisse und Ausrutscher. Humor begleitet stets seinen Vortrag. Er nimmt sich und Kritik an seinem Tun selbst auf die Schippe. Was mancher Kritiker früher „zäh“ fand, gelte heute als „raffiniert“. Was solls. Die Lüneburger feierten den wortgewandten Satiriker und Humoristen am Ende ausgiebig.