Mittwoch , 28. September 2016
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Thomas Ney spielt einen Mann, der die eigene Situation als Schauspieler beschreibt, sich aber zugleich von dem Gesagten distanziert. Foto: t&w
Thomas Ney spielt einen Mann, der die eigene Situation als Schauspieler beschreibt, sich aber zugleich von dem Gesagten distanziert. Foto: t&w

Der Mann und die Fremden – Thomas Neys Premiere mit dem „Event“-Monolog

ff Lüneburg. Ein Mann steht auf der leeren Bühne im Scheinwerferlicht und spricht. Das Publikum, ins Dunkel getaucht, hört zu, ein Tontechniker sitzt am Rande und wartet auf sein nächstes Stichwort, ein Mitarbeiter einer Zeitung kritzelt eifrig in seinen Notizblock. Soweit ein normaler Theaterabend. Doch was redet der Schauspieler da eigentlich? Er erzählt, dass da ein Mann im Scheinwerferlicht auf der Bühne steht, vor Publikum, hinten ein Tontechniker und so fort. „Event“ heißt dieses verrätselte Stück im Stück, Thomas Ney feierte mit dem Meta-Monolog Premiere in der Kulturbäckerei.

Der US-Amerikaner John Clancy schrieb den „Event“, Rüdiger W. Kunze führte Regie. Thomas Ney ist also zunächst einmal er selbst, aber er spricht über sich selbst in der dritten Person Singular, „der Mann“. Sein Job sei es, Text aufzusagen, womöglich von passenden Gesten begleitet, alles vorher exakt einstudiert. Die „Fremden“, also das Publikum, verhalten sich ruhig und hoffen auf einen unterhaltsamen Abend, unterdrücken ihr Gähnen und schauen nicht oder wenn doch, dann unauffällig auf die Uhr. Beifall gibt es für möglichst fehlerfreies Rezitieren, und wenn alles gut läuft, schreibt der „hauptberufliche Begutachter, der Meinungsmacher“, eine positive Rezension, was dann wieder neues Publikum ins Theater bringt. Bei einem Verriss sieht es dann natürlich schlecht aus.

Apropos Uhr: „Es sind jetzt 17 Minuten vergangen“, sagt der Mann, „und es folgen noch 43 Minuten“. Er wolle jetzt eine kleine Pause machen, um dem Publikum zu ermöglichen, zu gehen. Aber es geht natürlich niemand. Ab und zu scheint Thomas Ney die Ebene zu wechseln: „Also, das, was ich gerade gesagt habe, gehört zu meinem Text.“ Es ist eine eigenartige Atmosphäre, die sich in diesem Vexierspiel aufbaut. Und der Mann, also Thomas Ney, wirkt verletzlich, einsam, ein wenig frustriert, ringt um Würde und Anerkennung, ein Balance-Akt, aber die Spannung bleibt. Er spricht über verlorene Gefühle, über Mitmenschen, über Kommunikation im 21. Jahrhundert, über die allgegenwärtige Erreichbarkeit im Digitalzeitalter und die Sehnsucht nach Schwarzweißfernsehen mit Sendeschluss. Aber das alles gehört ja, wie gesagt, zu seinem gelernten Text.

In einem irrt der Mann übrigens: Print-Journalisten sind keine Meinungsmacher. Zeitungsartikel können, das haben Studien belegt, die Leser nur wenig in dem beeinflussen, was sie über etwas denken. Sie können durch ihre Themenauswahl lediglich beeinflussen, worüber die Leser nachdenken. Dennoch möchte der hauptberufliche Begutachter hiermit den Abend mit Thomas Ney, der nebenbei auch mal lustig ist, ausdrücklich empfehlen. Nächster Termin: Freitag, 27. Februar, 19.30 Uhr.