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Hier ist es noch weit hin bis zum dörflichen Frieden: Szene mit den Darstellern (von links.) Johannes Möddel, Beate Meyer, Georg Becker, Stefan Schmidt, Regina Stahn und Tanja Scheele. Foto: theater/tamme
Hier ist es noch weit hin bis zum dörflichen Frieden: Szene mit den Darstellern (von links.) Johannes Möddel, Beate Meyer, Georg Becker, Stefan Schmidt, Regina Stahn und Tanja Scheele. Foto: theater/tamme

Premiere im T.NT: August Hinrichs „För de Katt“ mit der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister

hjr Lüneburg. Katzen sind bekanntlich eigenwillige Wesen. Sie halten sich ungern an menschliche Regeln. Auch der geliebte Kater von Kathrin Geerken trotzt strengen Verboten, vernascht angeblich in der Nachbarschaft wehrlose Küken und wird postwendend beim genüsslichen Mahl hinterrücks erschossen. Aus solchen Stoffen entstehen auf dem Dorf schnell hochdramatische Verwicklungen. Gewachsene Bande zerreißen und amouröse Ambitionen des Nachwuchses stehen plötzlich auf dem Index. Im konkreten Fall trifft es Meta, Tochter der Geschädigten, und Peter, Sohn des Täters. „För de Katt“ nannte August Hinrichs (1879-1956) seine turbulente Komödie um den brutalen Vierbeiner-Mord und folgende Querelen. Jürgen Schmidt inszenierte das deftige Stück mit dem bestens aufgelegten Ensemble der Niederdeutschen Bühne Sülfmeister im Lüneburger T.NT: ein kräftig beklatschter Publikumserfolg.

Hinrichs verkleinert die großen zwischenmenschlichen Probleme auf den Biotop des bäuerlichen Milieus. Streit und Neid, Ränke und Rechtsempfinden brennt der während des Nationalsozialismus besonders gefragte Autor zu einem Mikrokosmos. Das sind hier die Familien Geerken und Tapken. Der renitente Kater zerstört die geliebte Ordnung, die vertraute Idylle und sein jähes Ende zertrümmert auch klare Perspektiven, weil jede der beiden Konfliktparteien auf dem Standpunkt beharrt und eine harmonische Zukunft auszuschließen scheint. Da es sich um eine Komödie handelt, befriedet sich die vertrackte Situation im letzten Moment. Geerkens Kater entpuppt sich als quicklebendig, stattdessen musste ein Doppelgänger ins Gras beißen alles ist wieder gut.

„För de Katt“ lebt von seinen prallen Personen, die den reichlich dünnen Plot und seine gereihten Albernheiten am Laufen halten: Steilvorlagen für die Sülfmeister-Akteure, die dabei aus dem Füllhorn der Komik schöpfen. Regina Stahn erweist sich als sehr resolute, raubeinige Witwe Geerken, Tanja Scheele ist die ebenso kokette wie kratzbürstige Tochter Meta, während Johannes Möddel als Müllerknecht Frerk grinsend und ziemlich dösig das Geschehen kommentiert. Hinter ihm zieht die dralle Magd Fieken in Gestalt von Beate Meyer die Drähte. Georg Becker verkörpert den schießwütigen Gerd Tapken mit grummelnd giftiger Attitüde, derweil Sohn Peter (Stefan Schmidt) als gehörnter Galan zum Rachezug antritt. Jürgen Schmidt säuft und radelt sich als wandelnde Schnapsleiche Mählmann durch die Handlung, Steuerberater Kruse (Michael Wieghardt) versucht sich als provinzieller Schwerenöter und landet prompt auf dem Misthaufen.

Viel Wirbel entfachen die Darsteller im ländlich inspirierten Bühnenbild von Horst Strasser. Die Leidenschaften knallen aufeinander, und es braucht manchen Korn, bis sich die Gemüter wieder beruhigen. So funktioniert die noch intakte Welt bei August Hinrichs. Jürgen Schmidt dreht mit seiner Inszenierung mächtig auf, gönnt dem Ensemble kaum Verschnaufpausen und bringt die Pointen in Fahrt. „För de Katt“ bleibt auch im Staub der Jahre dergestalt mehr als nur nostalgisches Vergnügen. Die Lüneburger Produktion präsentiert sich als knackig temporeicher Schwank, der die Lachmuskeln der Besucher auf eine harte Bewährungsprobe stellt.