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Selina Kneipp, Justine Schradick, Caroline Kisicki (von links) und Kilian Hoffmeyer in dem neuen Tanzstück von Heidrun Kugel. Foto: theater/tamme
Selina Kneipp, Justine Schradick, Caroline Kisicki (von links) und Kilian Hoffmeyer in dem neuen Tanzstück von Heidrun Kugel. Foto: theater/tamme

TanzJugendClub des Theaters Lüneburg begeistert mit „Graf sucht Blut, bietet Ewigkeit“

Lüneburg. Das Dunkle, Verruchte und Gefährliche hat eine große Strahlkraft. Dafür steht auch der charismatische Graf Dracula aus Siebenbürgen, den es nach England verschlagen hat, wo er sich in die junge Unschuld Mina verliebt. Umgeben von willenlosen Gespielinnen verführt Dracula nahezu jede, die seinen Weg kreuzt. Der TanzJugendClub des Theaters präsentiert jetzt auf der Bühne des T.3 „Graf sucht Blut, bietet Ewigkeit“ eine packende Premiere.

Heidrun Kugel (Choreographie, Inszenierung) hat die Geschichte um den durstigen Blaublütler auf den wesentlichen Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Moral und Lüsternheit und auf die lockenden Versuchungen des unbekannten Dunklen reduziert. Gespickt ist die Inszenierung mit starken Gefühlen, Überraschungsmomenten und origineller Choreographie.

Während das 18-köpfige Ensemble des TanzJugendClubs die „durchschnittliche“ Jugend mit all ihren Verführbarkeiten repräsentierte, tanzten sich Solisten aus dem Ballettensemble durch eine Welt der Extreme, der Zerrissenheit und des Untergangs. Den dunklen Grafen verkörpert Etienne Aweh als herrlich selbstverliebten, dandyhaften und siegessicheren Typ. Katerina Vlasova brilliert als ausdrucksstarke Lucy, die das Leben feiert, wild, ungehemmt und als Draculas Marionette ungebremst in den Abgrund tanzt atemlos in den Tod. Nicht eine Sekunde hatte sie sich gegen die Anziehungskraft des betörenden Grafen stemmen wollen.

Auch Professor van Helsing (Matthew Sly) und seine Assistentin, die eilends als Vampirexperten herbeigerufen waren, konnten Lucy nicht helfen. Hatte van Helsing je eine Chance gegen den überlegenen Verführer Dracula? Tanzten die beiden Kontrahenten tatsächlich auf buchstäblicher „Augenhöhe“, wie in einer der vielen überzeugenden Solisten-Szenen suggeriert?

Großartig ist auch der Kampf von Kilian Hoffmeyer, der als Jonathan um die Liebe und das Leben seiner Verlobten Mina tanzt mit schier unglaublicher Hingabe stemmt er sich gegen die Macht des Bösen und die eigene Verzweiflung. Dennoch gerät Mina (Claudia Rietschel) ins Straucheln, erliegt den Verführungskünsten des glutäugigen Fremden, gibt sich ihm letztlich hin und tatsächlich ist es Liebe, die die beiden verbindet. Auch wenn Mina ihn am Schluss mit einer silbernen Kugel niederstreckt.

Nach einer guten Stunde mitreißenden Spiels, hinreißender Choreographie und hochklassigen Tanzes bekam das Ensemble, zu dem auch Bühnenbildnerin Simone Anton-Bünting und Kostümbildner Kay Horsinka gehören, langanhaltenden Beifall. Die nächsten Termine für dieses atemberaubende Spektakel: 6. und 7. März um jeweils 20 Uhr, 13. und 14. März um 20 Uhr und 22. März um 20 Uhr im T.3. Silke Elsermann