Donnerstag , 29. September 2016
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Kleine Pause beim Aufbau: Manfred Besser am Freitag in der Lüneburger Kulturbäckerei. Foto: t&w
Kleine Pause beim Aufbau: Manfred Besser am Freitag in der Lüneburger Kulturbäckerei. Foto: t&w

Manfred Besser stellt in der Kulturbäckerei aus

oc Lüneburg. Es kommt schon mal vor, dass Manfred Besser der Eröffnung einer Ausstellung seiner Werke fern bleibt. Er mag das Gewese um seine Person nicht, das ist ihm unangenehm. Gerade kam ein runder Geburtstag über ihn, rund um diesen Tag mied er alle und alles. Dabei hat dieser Manfred Besser so unglaublich viel, so viel Spannendes, Kluges und auch Kurioses zu erzählen und so qualitätvolle Kunst zu zeigen. Morgen, Sonntag, wird der zwischen Ellringen und Hamburg lebende Künstler ganz sicher in der Kulturbäckerei sein. Dort hängen seine Bilder.

Zwei Werkkomplexe prägen die Ausstellung, immer kommt Wasser ins Spiel. Der eine Teil spielt im Hamburger Hafen, der andere auf dem Land. Beide Orte, die Bessers Leben prägen, sind durch die Elbe verbunden, und bei aller Unterschiedlichkeit ist den Bildergruppen eine nur angedeutete Gegenständlichkeit gemeinsam.

Besser, 1945 bei Danzig geboren, wuchs in Schleswig-Holstein auf, studierte an der HfbK in Hamburg bei Willem Grimm, der an der Elbe über viele Jahre zu den wichtigsten Köpfen der Kunst zählte. Bei Grimm studierten so unterschiedliche Künstler wie Vicco von Bülow alias Loriot und Hanne Darboven, die damals noch keine Konzeptkunst machte und gleichzeitig mit Manfred Besser ihren Weg suchte.

Hamburgs Hafen zieht Manfred Besser an; er weiß auch heute, wo es den besten Fisch gibt. Rund um sein Studium, als noch nicht Container den Hafen beherrschten, verdiente sich Besser Geld als Stauer beim Schiffsentladen. Die Quirligkeit, der Dreck, die Speicher, die Brücken, die Kräne, all das findet seinen Widerhall in Bildern, auf denen er mit breitem, teerschwarzem Strich Konturen von Architektur und Stahlgerippen malt. Das können hermetische Blöcke sein oder Strukturen, die fast kalligraphisch wirken. Die schwarzen Flächen und Linien gliedern die Bilder, die einen zarten Blick ins Weite öffnen können und mitunter kraftvolle farbliche Akzente besitzen.

Dagegen stehen Bilder, die auf dem Land entstehen. Bei ihnen rückt die Auseinandersetzung mit Farben und Flächen deutlicher in den Vordergrund, diese Bilder sind üppiger, die Flächen sind geschlossener, wie das Wuchern von Natur. Besser nimmt dabei auch mal die Bildersprache eines Paul Klee auf, weniger kleinteilig und freier.

Immer hat sich Manfred Besser über sein unmittelbares Schaffen hinaus für Kunst interessiert. Von 1976 bis 1998 betrieb er in der Hamburger Bundesstraße ein „Kontor feiner Künstlerwerkstoffe“, eine Top-Adresse für Kollegen, die sich bei Besser den Bedarf fürs tägliche Arbeiten holten. Zu den Kunden zählten Paul Wunderlich, Horst Janssen und Gerhard Fietz, in dessen Göddinger Haus Besser zum Kurator vieler Ausstellungen wurde. Besser kümmert sich auch im Rahmen einer Treuhandstiftung um das Werk des 1997 gestorbenen Künstlers, dessen malerisches Erbe nach dem Tod der Witwe Anne Fietz vor einer ungeklärten Zukunft steht.

In Manfred Bessers Kontor platzte eines Tages Rockmusiker Udo Lindenberg, was Bessers Lebensweg einen weiteren Dreh gab. Er brachte Lindenberg zur Malerei und betreut dessen Werk bis heute, gerade hat er eine noch bis zum 12. April laufende Lindenberg-Ausstellung im Porsche-Museum Stuttgart-Zuffenhausen eingerichtet. Insgesamt hat Besser gut 40 Lindenberg-Ausstellungen kuratiert, und er ist eng involviert in die Suche nach einem Ort, in dem die Lindenberg-Welt dauerhaft präsent sein soll.

Es gibt noch mindestens eine weitere Seite in Manfred Bessers Leben: Er sammelt afrikanische Kunst. „Man kann nicht dichter an die Wurzeln kommen“, sagt er. Zugleich weist er auf eine Formensprache hin, die „wunderbar modern und abstrakt“ ist. Manfred Besser hat über Jahrzehnte eine bedeutende Sammlung von Kultobjekten zusammengetragen. Auch dieser Aspkekt fing, wie die Sache mit Udo L., mit einem Zufall an. Aber das sind andere Geschichten.

Morgen, Sonntag, um 11 Uhr wird die Ausstellung in der Kulturbäckerei von Carsten Junge eröffnet. Zu sehen ist sie bis zum 29. März, Mo.-Fr. 12 bis 19 Uhr, Sbd./So. 13 bis 18 Uhr.