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Dirk Darmstaedter (li.) und sein Lüneburger Drummer Lars Plogschties: erst ins Café, dann in den Probenraum. Foto: t&w
Dirk Darmstaedter (li.) und sein Lüneburger Drummer Lars Plogschties: erst ins Café, dann in den Probenraum. Foto: t&w

Dirk Darmstaedter gibt ein Clubkonzert im Lüneburger Chandlers

oc Lüneburg. Er jammert nicht über die schlechten Zeiten für Musiker. Dirk Darmstaedter sagt, dass er dankbar ist, die Branche mitbekommen zu haben, als sie noch eine war. Er hatte mit den Jeremy Days Hits, er gründete ein Plattenlabel, er hat ein Dutzend Solo-Alben gemacht. Der Hamburger ist jetzt 50 und behauptet sich in der immer schwindliger drehenden Musikszene. Darmstaedter wertet „Veränderung als Chance“ und das heißt aktuell: Solotour, Clubkonzerte. Eines führt ihn am 20. März um 20 Uhr ins Lüneburger Chandlers. Da aber spielt er nicht allein.

Dirk Darmstaedter trinkt seinen Cappuccino mit Sojamilch, er spricht schnell und dreht die Aussage gern noch einmal um ab ins Ironische. Darmstaedter ist in den USA aufgewachsen, er träumt und liest und schreibt auch seine Songs auf Englisch. Er hat alle Facetten des Geschäfts erlebt und sagt, er kenne kein Oben und Unten, nur den Wandel. „1987 war meine Arbeitsplatzbeschreibung so: Dirk setzt sich in die Küche, trinkt viel Kaffee und schreibt Songs.“ Der Rest lief im Studio und auf der Bühne. Heute? „Songs schreiben, selbst zu Hause aufnehmen, sein eigener Toningenieur sein, möglichst auf dem iPhone ein Video drehen, mit Photoshop ein Album designen, sich zum Social-Media-Experten entwickeln“ usw. Auch wenn es bretterhart sei, sich Gehör zu verschaffen „was solls? Es ist unfassbar spannend, ein bisschen Wildwest, man muss offen sein, neugierig bleiben.“

In die Schublade Singer/Songwriter lässt sich Darmstaedter packen. Mit den Jeremy Days hatte er sich zwischen Rock und Pop und in die Charts bewegt. Einen Mitsing-Hit wie „Brand New Toy“ spielt er nach wie vor, vor allem aber die Songs des Albums „Before We Leave“. Stücke von Aufbruch und Abschied, Mut machend und melancholisch, eingängig und eigenwillig. Auf dem Album hatte Darmstaedter Gäste, darunter Mike Finnigan, der schon bei Jimi Hendrix „Electric Ladyland“ zu hören war.

Live braucht Darmstaedter nur seine Gitarre. Im Chandlers aber wird er vom Lüneburger Drummer Lars Plogschties begleitet, „er bringt Patina in die Songs“, sagt Darmstaedter. Sie kennen sich seit gut zehn Jahren. Das fällt in die Zeit, in der Darmstaedter mit Gunther Buskies das Plattenlabel Tapete Records aufbaute. Es wurde eine Heimstatt für individuellen Pop, für Musik, die Herz und Hirn anspricht. Niels Frevert, Erdmöbel, Lloyd Cole, Tess Wiley, der Lüneburger Kolkhorst, Bernd Begemann, Christian Kjellvander und viele andere waren und sind Tapete verbunden. Image und Reputation des Labels waren aber höher als der Ertrag.

Auch in den Tapete-Jahren blieb er als Musiker präsent, brachte unter dem Namen „Me and Cassity“ vier Alben heraus, spielte mit Bernd Begemann ein Country-Album ein. „Der Tag hat aber nur 24 Stunden, irgendwann explodierte mir der Kopf“, sagt Darmstaedter. 2013 stieg er aus, fokussiert sich nun auf seine Musik und muss nicht mehr „30 schwedische Indierock-Kapellen betreuen“.

Darmstaedter ist ein Vielschreiber. Mal lösen ein paar Akkorde etwas aus, mal hat er einen Titel. Er fährt jetzt wieder viel Auto. Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Münster stehen noch auf dem Plan vor Lüneburg. „Ich habe viele Instrumentalstimmungen aufgenommen, zwanzig Stücke, jede so zwei, drei Minuten lang, die höre ich viel unterwegs. Ich singe frei dazu, ists interessant, drücke ich auf Aufnahme.“ Das ist die digitale Welt, jetzt ists Zeit für die analoge. Darmstaedter und Plogschties wollen proben „oder erst noch einen Kaffee?“