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Alexandra Uhle wechselte von Deutsch Evern in die Kulturbäckerei, heute lädt sie hier zur Vernissage ihrer Ausstellung Surface Tension. Foto: t&w
Alexandra Uhle wechselte von Deutsch Evern in die Kulturbäckerei, heute lädt sie hier zur Vernissage ihrer Ausstellung Surface Tension. Foto: t&w

Alexandra Uhle in der Kulturbäckerei: Es wird freier, offener

oc Lüneburg. Es hat im Malen von Alexandra Uhle in jüngerer Zeit Prozesse gegeben, die sie zu Sätzen führen wie: „Es wird jetzt offener, freier.“ Was immer sie dazu geführt hat, es fällt zusammen mit dem Entschluss, aus einem 17-Quadratmeter-Raum in Deutsch Evern rauszuziehen in ein geräumiges Atelier der Kulturbäckerei. Das war für die Lüneburger Künstlerin ein wichtiger Schritt, um „sich zu vernetzen, zu verorten, zu finden.“ Vielleicht, sagt sie, sei das gerade jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für eine Ausstellung, sie trete da in eine neue Phase ein. Aber auch davon ist etwas zu sehen bei dem, was sie ab heute, Freitag, 18.30 Uhr in der Kulturbäckerei zeigt und „Surface Tension“ nennt.

Der englische Begriff meint so viel wie Oberflächenspannung. In „surface“ steckt auch etwas drin wie: an die Oberfläche kommen. Es lassen sich viele Bezüge zu ihrer Malerei herstellen, auch zu der Arbeit des Mitausstellers Dirk Petruschinski, doch zu dem später.

Über der Lehne des Sessels, der im Atelier der 1971 geborenen Künstlerin steht, hängen einige stark gemusterte Stoffe. Alexandra Uhle spannt die Textilien auf Rahmen, grundiert sie sorgfältig und lässt darauf ihre eigentliche Bilderwelt entstehen. Neuerdings sind das auch Landschaften mit Blick in die Weite, und ganz leicht und auch mal etwas stärker scheinen die Muster der Stoffe durch, sie sorgen für einen zweiten Sehreiz.

Viel spricht Alexandra Uhle über die Auseinandersetzung mit dem Material, über das „Eindringen in die Materie“. Was zum Beispiel passiert beim Schichten von Lasuren mit dem Licht? Solche rein malerischen Fragen beschäftigen sie, und das Abstraktere gewinnt Anteile in ihrer sonst dem Gegenständlichen verpflichteten Kunst, mit der sie Themen über längere Zeit verfolgt. Mit dem „Montieren von Menschen in surreale Umgebungen“ hat sie sich in zahlreichen Bildern befasst, und immer wieder taucht ihr Interesse an verschwindenden Orten auf. Sie dokumentiert zum Beispiel das Gelände der Wittenberger Bahn. „Schade, wenn alles in Linien, Bahnen, Formen gebracht wird, nichts sich selbst überlassen bleibt“, sagt sie. Von Räumen zwischen dem Kontrollierten und nicht Kontrollierbarem, auch davon handelt ihre Malerei, im Oberflächlichen wie im Unterbewussten.

Alexandra Uhle hat einen Kollegen aus Essen zu ihrer Ausstellung eingeladen. Dirk Petruschinski baut Objekte und Bilder aus Epoxidharz. Er experimentiert mit dem flüssigen, aushärtenden Kunststoff. Es entstehen abstrakte Gebilde, bei denen Petruschinski immer wieder in die Oberflächenstruktur eingreift, sie verformt, anraut oder ausbeult. Die Ergebnisse sind sinnfrei, sie müssen einfach über ihren ästhetischen Reiz funktionieren. Dagegen stecken in der Malerei von Alexandra Uhle ganze Bände denkbarer Geschichten. Dass ihre Bilder unter die Oberfläche gehen, das macht ihre Spannung aus. Die Ausstellung läuft bis zum 2. April, öffnet Montag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr.