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Für Ludwig Güttler, hier bei einem seiner Hitzacker-Konzerte, heißt es Addio. Er spielt morgen, Sonntag, das letzte Konzert seiner Musikwochenzeit. Foto: a/tj
Für Ludwig Güttler, hier bei einem seiner Hitzacker-Konzerte, heißt es Addio. Er spielt morgen, Sonntag, das letzte Konzert seiner Musikwochenzeit. Foto: a/tj

Ludwig Güttler samt Blechbläserensemble in der Michaeliskirche

oc Lüneburg. An diesem Abend in der Lüneburger Michaeliskirche bewies der Trompeter Ludwig Güttler mit seinem Blechbläserensemble, warum er so einen herausragenden Ruf besitzt. Das geschah auf mehrfache Weise: als Sachwalter seines Instruments mit traumhaft sicherer Technik, als Entdecker und als versierter Bearbeiter von passender Musik für sein Ensemble sowie als Interpret von neuer Literatur, die für ihn und seine Mitstreiter geschrieben wurde. Es war schon ein besonderer Abend in der gut besuchten Kirche.

Denn eine Art Stimmung von Wehmut, Abschied und Dankbarkeit lag über dem Konzert. Es war eben das letzte, das Güttler als künstlerischer Leiter der Musikwoche Hitzacker in Lüneburg gab. Er kam und kommt gern in die Stadt, und die Michaeliskirche ist durch ihre Verbundenheit mit Johann Sebastian Bach für einen mit Barockmusik ernährten Musiker ohnehin ein Lieblingsort. Das findet höchstens in der speziellen Akustik der Kirche eine Einschränkung, bei doppelchörig besetzten Werken bekommt der Begriff Polyphonie schon eine zusätzliche Bedeutung.

Fünf Trompeten, vier Posaunen, dazu Tuba und Waldhorn: Das garantiert einen satten, feierlichen und bei Bedarf majestätisch prunkenden Klang. Güttlers seit 1978 bestehendes Blechbläserensemble setzt sich aus Spitzenmusikern Sachsens zusammen, sie kommen unter anderem aus dem Gewandhausorchester und aus der Staatskapelle Dresden. Sie bringen allesamt solistische und kammermusikalische Erfahrung ein und produzieren einen makellosen Sound, technisch auf höchstem Niveau, musikalisch sehr gut abgestimmt, hellwach und konzentriert präsentiert.

Das Programm schlug unter dem Titel „Musik der Völker“ einen weiten Bogen, bewegte sich vorwiegend in Europa und besonders gern in Leipzig, wo es mit einer Sonate des Stadtpfeifers Johann Christoph Pezel startete. Was stach heraus? Güttlers Bearbeitungen von Bach-Motetten wie „Der Geist hilft unser Schwachheit auf“ gehörten dazu, dann aber Werke, die aus späterer Zeit stammen. Mit sakralem Ernst und gefühlvoll abgestimmten Klangmischungen führten drei Stücke von Anton Bruckner in die Romantik. Wie ein erfolgreiches Ringen um Frieden klang Victor Ewalds ansprechend austarierte Sonate b-Moll aus der Zeit um 1900. Für das Ensemble entstanden von Güttler erläuterte „Chagall-Impressionen“, geschrieben vom Leipziger Bernd Franke, eine Folge von Miniaturen, die sich als Klangbilder voller Bewegung entpuppten und sich deuten lassen als akustische Illustrationen. Nichts, was den Musikern wirklich Mühe machte.

Das Publikum reagierte begeistert, das Ensemble antwortete mit vier Zugaben. Heute, Sonnabend, um 11 Uhr heißt es im Verdo Hitzacker „Addio Abschied“ mit den Virtuosi Saxoniae. Sie sind auch am Sonntag in St. Johannis Hitzacker um 11 Uhr beim Gesprächskonzert zur Bach-Kantate „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ dabei und um 17 Uhr zum tatsächlichen Abschied mit der H-Moll-Messe.