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Max Mutzke füllte die Ritterakademie  und enttäuschte die Erwartungen nicht. Foto: t&w
Max Mutzke füllte die Ritterakademie und enttäuschte die Erwartungen nicht. Foto: t&w

1st Class Session mit Max Mutzke: Die eigene Stimme gefunden

sel Lüneburg. Bescheiden wirkt er, fast ein wenig schüchtern. Wie einer, der für die Musik lebt und sie liebt, aber das Rampenlicht und die große Show scheut. Das war vor beinahe elf Jahren. Damals begeisterte ein 22-jähriger Max Mutzke das deutsche Fernsehpublikum mit seiner unprätentiösen Art und seiner vollen, warmen Stimme. Stefan Raabs Song „Cant wait until tonight“ war Deutschlands Beitrag für den European Song Contest in Istanbul 2004, und Mutzke holte damit den achten Platz nur mit Stimme und ganz ohne Show. Heute präsentiert sich der Vollblutmusiker als smarter, charmanter Entertainer, der mit dem Publikum schäkert und es in wenigen Minuten mühelos zu seinem Background-Chor macht. Klar kann Lüneburg den Hit von damals singen, da musste Mutzke bei der 1st Class Session am Freitagabend nicht lange bitten.

Beim Skifahren haben sich Mutzke und Peer Franzke, der 1st-Class-Session-Macher, kennengelernt, erzählte der Sänger. Und dass bei den Proben am Freitagmittag „unfassbar viel daneben“ gegangen sei. Zum Glück „kann die Band das gut kaschieren“, scherzte der 33-Jährige weiter. Dennoch war er sich nicht sicher, ob das Zusammenspiel mit der Band in der Besetzung von Frenzke (Gitarre), Frank Itt (Bass), Anika Nilles (Schlagzeug) und Sevan Gökoglu (Keyboard) funktionieren würde. „Wenn ihr den Song erkennt, dann schreit“, forderte Mutzke das Publikum in der restlos ausverkauften Ritterakademie auf. Und präsentierte eine sehr eigene, großartige Interpretation des Welthits „Empire State of Mind“ (Jay-Z und Alicia Keys). Als Mutzke dieses Stück das erste Mal im Radio hörte, war er geflasht und dachte: „Scheiße, warum ist das nicht von mir?“ Tatsächlich hat er es zu seiner eigenen Nummer gemacht und unkt: „Unsere Anwälte bleiben dran.“

Gemeinsam mit Svende Ric, die als „Vorgruppe“ absolut überzeugte, begeisterte Mutzke mit dem Billy-Paul-Klassiker „Me and Mrs Jones“. Zwei warme, kraftvolle Stimmen, mit einer wohldosierten Prise Schmelz und Heiserkeit. Zwischendurch singt Mutzke ohne Mikro und füllt den Saal dennoch mit seiner Stimme. Und er schraubt sich stimmlich in ex­treme Höhen, etwa bei seinem Stück „Sommerregen“. Mutzke präsentiert sich heute als selbstsicherer Sänger, der mit einer Mischung aus Soul, Jazz und Rock-Pop seine eigene, unverwechselbare Note gefunden hat. Und der in Clubs wie der Ritterakademie zu Höchstform aufläuft, mittlerweile vielleicht auch die große Show beherrschen würde. Aber dankenswerter Weise seinen eigenen Weg geht. Eröffnet wurde der Abend mit der Stimmgewalt von Lüneburgs Party-Band „Just Big“ um Mirko Heil.