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Nonsense in der Kulturbäckerei: Burkhard Schmeer und Kollegen präsentieren eine Revue von Sketchen, Songs und Slapstick.  Foto: t&w
Nonsense in der Kulturbäckerei: Burkhard Schmeer und Kollegen präsentieren eine Revue von Sketchen, Songs und Slapstick. Foto: t&w

Schräge Scherze: „Dr. Schmeers schwarzes Lustspielspektakel

aat Lüneburg. Ausverkauft war „Dr. Schmeers schwarzes Lustspielspektakel“ in der Kulturbäckerei schon eine ganze Weile. Gegenwärtig ist immer noch Schmeers legendärer „Caveman“. Aber nicht nur deshalb kann sich der Schauspieler seiner Fans sicher sein. Auch sein Ruf als übersprudelnder Ideenproduzent und leicht schräger Schelm eilt ihm weit voraus, und dem wird er als Frontmann seines Spaßrevue-Teams aus Kerstin Kessel und seinen „The Mädchens“ Band-Kollegen Heiko Linnemann, Mirko Hüsing und Dirk Thien mehr als gerecht.

Lustig interpretierte Popsongs, Narreteien aus Schmeers Feder, fein gereimte, altbekannte Spottgedichte und literarische Bonmots, komisch inszenierte Possen und Parodien und bierernst deklamiertes norddeutsches und anderweitig gesponnenes Seemannsgarn frönen dem reinsten Nonsens, purer Belustigung. Es bleibt dem Publikum überlassen, herauszufinden, wer welches Original kreiert, wer welchen Ulk oder verballhornten Song geschrieben hat. Ohnehin sind Ohrwürmer wie Dvoraks kleine Frühlingsweise, Nancy Sinatras „These Boots Are Made for Walkin“ oder Jacque Brels „Amsterdam“ trotz abgedrehter Wiedergabe nicht so schwer zu identifizieren.

Anderes erinnert an Kabarettistisches der 1920er-Jahre, ist von Wilhelm Busch oder Heinz Ehrhardt, selbst Goethe und Schiller erscheinen kurz auf der Bildfläche. Ausgedeutet wird übermütig, verschroben oder hysterisch, oder es klingt irgendwie zwischen retrospektiv und brandneu, wie etwa die absurden, alltäglich-launischen Dialoge zwischen Mann und Frau, deren Argumente (wie einst diejenigen von Liesl Karlstadt und Karl Valentin) vom Hundertsten ins Tausendste wandern. Und auch die eingeschobenen Werbespots, die Burkhard Schmeer als langjähriger Werbedarsteller bestens belächeln kann, brauchen keine Erklärung. Sie verstehen sich, wie fast alles, was das Quintett bietet, von selbst.

Gongschläge kündigen Themengruppen an, sie bringen Ordnung in das gewollte Chaos von Vorträgen und Liedern. Alle spielen Gitarre, singen, tänzeln mit allerlei Mätzchen über das Podium, Schmeer bläst dazu Flöte und Saxophon. Musikalisch wird gern wild drauflos improvisiert, so scheint es zumindest, und immer in bester Stimmung. Meist ist es Kerstin Kessel, im wirklichen Leben Schmeers Ehefrau, die den Gong bedient und Ansagen macht: Kategorie 2, Der Frühling, Kategorie 6, Lamour französisch, Kategorie 13, Szenen einer Ehe… Mit einer Extratanzeinlage erinnert sie daran, dass sie auch Ballerina am Theater ist.

Das Zuschauer-Zwerchfell in der Kulturbäckerei wurde zwar nicht überstrapaziert, jedoch heftig trainiert. Wer nicht auf eine perfekte Performance-Maschinerie aus war, sondern die lockere und quietschvergnügte Reihung unterhaltender Lieder und Gags einfach genoss, hatte genug zu schmunzeln, zu kichern und zu lachen. Am Ende gab es Standing Ovations und natürlich Zugaben. Weitere Aufführungen: 29. März, 12. und 26. April.