Mittwoch , 28. September 2016
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Mit seinem Kino!-Buch ist Florian Henckel von Donnersmarck unterwegs. Foto: t&w
Mit seinem Kino!-Buch ist Florian Henckel von Donnersmarck unterwegs. Foto: t&w

Oscar-Preisträger Florian Henckel von Donnersmarck im Lüneburger Heine-Haus

ff Lüneburg. Manchmal muss man einfach ein bisschen Glück haben vor allem, wenn vorher so viel Pech im Spiel war. Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck hatte „Das Leben der Anderen“ gedreht, ein Drama über das Wirken der Stasi, die bis in die kleinsten Verästelungen der DDR-Gesellschaft vordrang. „Ein guter Film!“, sagten alle, nur ein Verleiher ließ sich partout nicht finden zu deutsch, zu düster. Am Ende war dann ausgerechnet ein Walt-Disney-Ableger bereit, den Film zu vermarkten: Buena Vista stieg ein und schaufelte „Das Leben der Anderen“ in die großen Kinos. Er brachte in Deutschland zweieinhalb Millionen Zuschauer und dem Regisseur einen Oscar.

Darüber sprach Florian Henckel von Donnersmarck mit Spiegel-Kulturredakteur Wolfgang Höbel im vollbesetzten Heine-Haus. Zu Buena Vista habe er damals gar nicht erst mitgehen wollen, erinnerte sich der Regisseur, der heute selbst in Hollywood lebt. Von Donnersmarck ist dort längst ein Insider, drehte „The Tourist“ mit Angelina Jolie und Johnny Depp um nach dem Höhenflug dann erst einmal wieder auf dem Boden zu landen, der Film wurde fast durchweg von den Kritikern geschmäht. Jetzt ist der baumlange Film-Mann, der seine Darsteller immer um ein bis zwei Köpfe überragt, auch Buchautor. In der Reihe „Ausgewählt“ des Literaturbüros stellte er seinen Band „Kino!“ (Suhrkamp, 2015) vor, eine Sammlung kurzer Essays über Kunst und Handwerk eines Regisseurs.

„Johnny Depp übt wie besessen Gitarre“, so von Donnersmarck, „er will etwas haben, vom dem er weiß, dass er es wirklich kann.“ Ein Megastar ist auch mega-selbstbewusst, sollte man meinen. Doch Schauspieler seien erheblich selbstkritischer als gemeinhin angenommen, von Donnersmarck schätzt ihre Rolle am Set hoch ein. Typischer Anfängerfehler: Junge Regisseure führten zu viel Regie und ließen ihren Darstellern zu wenig Raum, ihren Part selbst zu gestalten. Stattdessen sollte nur der Grundton, die Stimmung des Films, durchgehalten werden, mit „Suche nach Wahrhaftigkeit“ umschreibt von Donnersmarck seine Arbeit. In diesem Zusammenhang: „Deutschland wird weltweit beneidet um seine vielen guten Schauspieler“ eine Folge der einmalig dichten, staatlich geförderten Bühnenlandschaft.

Regisseure müssen einen komplizierten Produktionsapparat in Gang halten und sich eigentlich um alles kümmern von den Vorbereitungen über die teuren, daher im Arbeitsrhythmus hochverdichteten Drehtage (die im gesamten, oft Jahre dauernden Herstellungsprozess nur eine kurze Zeitspanne ausmachen) bis zu den Nachbearbeitungen im Studio. Am besten auch um die Werbung, die zweiminütigen Kino-Trailer etwa, die den neuen Film im Kino ankündigen.

Mit ihnen hat von Donnersmarck schlechte Erfahrungen gemacht: Fünf Trailer wurden für den „Tourist“ parallel in Auftrag gegeben, „einer war perfekt“. Der hatte die Ausstrahlung von Jolie und Depp eingefangen und verdichtet. Er wurde von den Studiobossen abgelehnt. Sie entschieden sich für eine hektische Variante weil Actionfilme nun mal das beliebteste Genre seien. Damit aber hat das hauptsächlich in Venedig spielende Drama kaum etwas zu tun. Von Donnersmarck traut, wenn er selbst im Kino sitzt, keinem Trailer mehr, vor allem nicht, wenn ihn der Film interessiert: „Ich habe dann sogar schon in den Popcorneimer geschaut und mir die Ohren zugehalten“.