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Heute Abend auf dem Spielplan des Theaters: Biografie: Ein Spiel von Max Frisch. Foto: theater/tamme
Heute Abend auf dem Spielplan des Theaters: Biografie: Ein Spiel von Max Frisch. Foto: theater/tamme

Theater Lüneburg: Wir schneiden uns ins Fleisch

oc/us Lüneburg. Am 30. April stellt das Theater Lüneburg seine Pläne für 2015/16 vor. Die Pressekonferenz könnte ein wenig kürzer ausfallen. Denn das Theater muss sparen, und das wird auch den Spielplan treffen. Es gibt weniger neue Stücke vorzustellen. Drei Produktionen sollen gestrichen werden, dadurch werden Einsparungen von rund 50000 Euro erhofft. „Wir schneiden uns ins Fleisch, das ist schmerzhaft“, sagt Intendant Hajo Fouqet. Retten kann sich das Theater aus eigener Kraft nicht. Ändert sich nichts an der Grundfinanzierung, könnte die Spielzeit 2017/18 die letzte sein.

In jeder Spielstätte wird es 2015/16 eine Produktion weniger geben, ein Schauspiel im Großen Haus, eine Musiktheaterproduktion im T.NT, ein Kinderstück im T.3. Die Zahl der Vorführungen soll aber stabil bleiben durch Wiederaufnahmen erfolgreicher Stücke wie „Faust“. Nicht wiederkehren wird trotz stets ausverkauften Hauses Mozarts „Zauberflöte“, da aber sind Gastkünstler nötig, auch da wird gespart. „Die Maßnahmen, die wir jetzt treffen, können wir nicht so weiterdrehen, sonst geht uns die Luft aus“, betont Fouquet. Ziel müsse es sein, das aktuelle Produktionsniveau zu halten.

Bei der jetzt im Wirtschaftsausschuss des Rates vorgelegten Bilanz für das Geschäftsjahr 2013/2014 schlägt ein Bilanzverlust von knapp 74000 Euro zu Buche. Das ist nicht schön, aber ein Erfolg. Denn im Wirtschaftsplan war zunächst mit 270000 Euro gerechnet worden. Ein deutlicher Besucherzuwachs und Ausgabensenkungen halfen, das Minus zu drücken. Das aktuell verbleibende Loch lässt sich mit einer vorhandenen Gewinnrücklage stopfen. Das ist aber nur kurzfristig eine Lösung.

Seit diesem Jahr gilt ein neuer Vertrag mit dem Land Niedersachsen. Er schreibt die bestehenden Konditionen für vier Jahre fest. Das gibt zwar Planungssicherheit, reißt aber das Loch immer tiefer auf, das entstand, weil das Land über Jahre Tarifsteigerungen nicht mittrug. Die Theater-GmbH ist „auf eine deutliche Erhöhung der derzeitigen Bezuschussung sowie den vollständigen Ausgleich der Mehrkosten für Tarifsteigerungen durch das Land und die kommunalen Träger angewiesen, um im Laufe der neuen Vertragsperiode bis 2018 keine existenziellen Finanzierungsprobleme zu bekommen“, schreiben die Theater-Geschäftsführer Volker Degen-Feldmann und Fouquet in ihrem Lagebericht. Der Fehlbetrag explodiert. Schon fürs laufende Jahr liegt er bei 324000 Euro, 2017/18 bei 477000 Euro.

Einmalig hatte das Land Niedersachsen allen kommunalen Theatern insgesamt 400000 Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt. Davon gingen 46000 Euro nach Lüneburg. 400000 Euro mehr aber braucht Lüneburg pro Spielzeit, um in bestehender Form existieren zu können. Das muss politisch in Hannover und bei den kommunalen Trägern ­ gewollt sein, sonst kann das nicht klappen.

Geprasst wird nicht an der Lüneburger Bühne. Im Gegenteil: Bei so gut wie allen relevanten Parametern in Sachen Wirtschaftlichkeit zählt das Haus zu den führenden in Deutschland. Das zeigen die sogenannten Verhältniszahlen. Als wichtigste gilt der Betriebszuschuss pro Besucher. Er liegt in Lüneburg bei 59,17 Euro, damit knapp die Hälfte unter dem Durchschnitt von Land und Bund. In Niedersachsen stieg er bei den Theatern seit 2007/08 um rund 46 Prozent auf 110,74 Euro. Lüneburgs Wert blieb stabil, lag maximal bei 64 Euro.
Erhöht werden die Eintrittsgelder zur Saison 2015/16 um rund fünf Prozent, das soll 55000 Euro zusätzlich in die Kasse spülen. Die teuerste Karte im Großen Haus kostet zurzeit 35 Euro (Musical-Premiere), die günstigste 14 Euro (Schauspiel).

Unabhängig von der sehr bedrohlichen Lage für das Bestehen des Theaters wird das Gebäude saniert. „Das gräbt uns aber nicht das Wasser ab für den laufenden Etat“, sagt Degen-Feldmann. Geld fließt aus anderen Töpfen, vor allem aus Mitteln der EU. Lüftung, Heizung und Bestuhlung sind, wie berichtet, im Sommer dran. Bisherige Sanierungen, so Degen-Feldmann, greifen bereits. Fürs Heizen wurde in diesem milden Winter rund 20 Prozent weniger ausgegeben.

One comment

  1. Werner Schneyder

    Wissen denn die Lüneburger, was für ein tolles Theater die haben? Alle, die an Lüneburg verdienen, sollten großzügig spenden, als erstes die Immobilienmakler und Baufirmen. Desweiteren könnte man den Libeskindbau verkleinern und die Gelder rüberschieben.