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Eine Art Heimspiel feiert Felix Meyer bei seinem Lüneburg-Konzert; neben ihm Erik Manouz, mit dem der Sänger seit 20 Jahren Musik auf Plätzen, Straßen und Bühnen macht. Foto: t&w
Eine Art Heimspiel feiert Felix Meyer bei seinem Lüneburg-Konzert; neben ihm Erik Manouz, mit dem der Sänger seit 20 Jahren Musik auf Plätzen, Straßen und Bühnen macht. Foto: t&w

Melancholie und Lässigkeit: Felix Meyer im Kulturforum

oc Lüneburg. Kein Platz in Europa, keine Straße in Deutschland, die bisher von Felix Meyer noch unerreicht ist und auf der er nicht gesungen hat. Gefühlt jedenfalls. Gerade war er mit seinem Gitarristen Erik Manouz in Spanien unterwegs, jetzt stehen einige Konzerte mit Band an, eines führte nach Lüneburg. Das ist nicht irgendeine Stadt für den Berliner, der in Hamburg lebt. In Lüneburg wurde Felix Meyer von der Straße geholt.

Auf der Bühne baumeln ein paar alte Landkarten, und am Bühnenrand stehen vielgereiste Koffer. Das Unterwegssein und das Verstreichen von Zeit sind Themen, die in Felix Meyers Liedern wiederkehren. Seine Texte sind poetisch, manchmal etwas verdrechselt, sie fußen im Alltäglichen, auf Begegnungen und Beobachtungen, heben es ins Allgemeine, Abstraktere. Eigentlich sind es Gefühlslandschaften, die Meyer mit Worten und Melodien malt.

Seine Lieder und Geschichten behalten einen offenen Charakter, es schwingt viel Sehnsucht nach Wärme mit. Das verstärken mehrstimmige Passagen und Instrumente wie das Akkordeon und das nach Steeldrum klingende Hang. Manches Lied geht ganz schön unter die Haut, besonders „Die Corrida“, das Lied vom Stierkampf aus Sicht des Tieres, das seiner Ermordung entgegensieht.

Jahre zog der heute 39-Jährige durch die Fußgängerzonen und kam damit ganz gut über die Runden, an seiner Seite hatte er meistens Manouz (Gitarre, Percussion) und den Lüneburger Olaf Niebuhr (Gitarre). Meyer sang einen Cover-Mix aus Chanson, Pop und Rock. Mit seiner Stimme aus Melancholie und Lässigkeit fing und fängt Meyer die Menschen. Einer, der ihn am Sande hörte, war Peter Hoffmann. Er ist aufs Entdecken von Musikern spezialisiert, das war mit Tokio Hotel so, an diesem Sonnabend bringt er das Format „Hamburg singt“ in die Lüneburger Musikschule, und aktuell arbeitet er mit Natalie Klitschko. Hoffmann und Produzentenkollege Franz Plasa unterstützten Felix Meyer auf dem Weg zum eigenen Profil, zu eigenen Songs.

Mit Erfolg. Vier Alben sind mittlerweile erschienen, arte drehte eine Doku, Felix Meyer wird zu Festivals geladen, bestritt das Vorprogramm von Zaz und trat mit Keimzeit auf. Heute, Sonnabend, spielt die Band in Stade beim Hanse-Song-Festival. Dann geht es weiter im Duo mit Manouz. Am 21. April sind sie wieder im Norden, im Hamburger Imperial Theater.

Felix Meyer wird nicht an jedem Abend auf ein ausverkauftes Haus bauen können wie im Kulturforum. Das Publikum kommt aus so ziemlich allen Generationen, und für viele wird der Abend zu einer Art Familientreffen, mit Frotzeleien, Herzlichkeit, vertrauten und neuen Liedern.

Am besten klingt Felix Meyers Stimme beim Chanson, aber der Abend besitzt seine Pop- und Party-Elemente, und es wird auch mal recht derbe abgerockt. Die Band holt das Publikum jedenfalls locker von den Sitzen. „Wir sollten öfter mal wieder nach Lüneburg kommen“, stellt der Sänger fest, er fühlt sich spürbar wohl auf der Bühne des Kulturforums.

Anfang September könnte er wieder in der Stadt sein, er sucht gerade nach einer kleineren Spielstätte, so um die 100 Plätze, um dort Lieder zu testen, mit denen es Ende September ins Studio gehen soll. Zu der Zeit gibt es für ihn noch Aufregenderes, da liegt der Termin für die Geburt seines zweiten Kindes.

Zwei und eine halbe Stunde Konzert sind vorüber, vor der Bühne ist es eng geworden, so einige Frauen zieht es nun doch magisch nach vorn. Die Zugabe, ein Tribut an Rio Reiser, verklingt noch im Kulturforum. Rein ins Auto, Radio läuft, doch was ist das? Nahtlos ans Konzert wird Felix Meyers „Bisher noch unerreicht“ gesendet. „Wieder scheint es am Ende des Tages wohl viel weniger Antworten zu geben als Fragen“, singt er.