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I believe I can fly: Lüneburg hat ein neues Wohlfühlprogramm, den Chor für alle. Niels Schröder motiviert, gibt Zeichen, reißt alle mit. Foto: t&w
I believe I can fly: Lüneburg hat ein neues Wohlfühlprogramm, den Chor für alle. Niels Schröder motiviert, gibt Zeichen, reißt alle mit. Foto: t&w

Lüneburg, wie es singt und tanzt + + + Mit LZplay-Video

oc Lüneburg. 58 Prozent der Deutschen singen angeblich unter der Dusche. Da hört sie ja keiner. Singen macht glücklich, ist gut für Lunge, Magen, Darm und auch für das Immunsystem. Es reduziert Stresshormone, macht gelassener, und wer singt, lebt sogar länger. Hat mal wer erforscht. Also ran! „Lüneburg singt – Der Chor für alle“ heißt der jüngste Anlauf, und Punkt 19 Uhr springt der leibhaftige Gotthelf Fischer auf die Bühne. Er heißt allerdings Niels Schröder, und schon vor dem ersten Ton braust Jubel durch die ausverkaufte Musikschule.

Niels Schröder ist 32 Jahre jung, hat Musik studiert, leitet Chöre und Workshops und holte vor gut zwei Jahren eine simple Idee aus Stockholm nach Hamburg. Man nehme eine Band und einen Beamer für die Texte. Dazu Musik, die Menschen lieben. Das Volkslied heißt heute Popsong. Er tritt massenhaft und flüchtig auf, ist international, einprägsam und transportiert Gefühle.

Sogar Lieder, die im Vergessen gelandet scheinen, sind schlagartig wieder da: „Dancing Queen“ von ABBA! Elton Johns „Made in England“! Von wem war noch „I believe In can fly“? Richtig R. Kelly. Es gibt Kracher: „We will rock you“ von Queen und „I love Rockn Roll“, das war ein Hit von Joan Jett, aber für den Namen musste jetzt Wikipedia helfen. Stiller wird es bei Claptons „Tears in Heaven“, ein trauriges Lied, und eine junge Frau muss bitterlich weinen. Musik berührt. Dann ist da „Without You“, schon mal gehört, jetzt mitgesungen, das stammt also von David Guetta und Usher aha!

Schröders 90-Minuten-Programm läuft als Chorprobe. Jedes Lied ist chorfähig, jede Chorprobe eine Wellness-Party für Körper und Seele. Schröder hat in Hamburg jede Woche 400, 500 Menschen vor sich. Der Mann verbreitet Gesang wie andere Grippe, er ist extrem ansteckend. Schröder strahlt, motiviert, tanzt. Bis auf ein betont cool in den Saal guckendes Pärchen singen alle von Beginn an mit: zuerst nur ein Wort: „Downtown“.

Jeder singt, wie er mag bzw. sie. In der Musikschule sitzen erst und stehen bald zu 90 Prozent Frauen, die Lehrerinnenquote ist hoch. Bei einem Whitney-Houston-Song macht Schröder klar, dass Singen ins Röhren übergehen kann, und mehrfach sucht er 50, 60 Freiwillige. Sie singen einen Re­frain mal höher-, mal tiefergelegt. Das geht alles ganz schnell und einfach und klappt. 60 Minuten neue Lieder, 30 Minuten zum Wiederholen, und zum Schluss fordern die Lüneburger Weather Girls „Its raining Men! Hallelujah!“ Der Rest ist Juchzen, und beim Rausgehen tragen alle ein Lächeln im Gesicht.

Nach Lüneburg holte Produzent Peter Hoffmann das Konzept, als Verbündeten gewann er Musikschulchef Ulrich Petersen. Hoffmann ist ein Mann mit Visionen. Eine geht so: Das Projekt wächst sich auf ganz Deutschland aus, und in zwei Jahren singen alle zusammen in der O2 World Berlin. Da bekommt man schon mal 17000 Menschen rein. Wie und wann und wo aber geht es weiter in Lüneburg? Es wird in der Musikschule sein, es soll im April sein. Tag und Rhythmus (wöchentlich? 14-tägig?) sind offen.

Neun Euro kostete die Probe für jede/jeden. Zu viel? Manche fanden das. Auf und hinter der Bühne ist samt Band, Solisten und Technikern ein Dutzend Menschen beteiligt, dazu die Organisatoren vor Ort. Mit Auf- und Abbau, An- und Abreise geht ein Tag ganz gut rum. Am Ende war es wohl ein Plus-Minus-Null-Geschäft. Die gut 200 Mitsingenden im Saal und die auf dem Flur würden wohl so gut wie alle wiederkommen und nicht nur sie.

So ganz allein steht die Veranstaltung nicht, es gibt Ähnliches. Drei Beispiele: Bundesweit versucht sich das „Rudelsingen“ zu etablieren, am 14. April um 19.30 Uhr findet es zum zweiten Mal im Kunstsaal statt. Singseminare unter dem Titel „Wenn ich nur singen könnte, es wäre mein Traum“ veranstaltet die Lüneburgerin Sylvia Lawaty, die bei „Lüneburg singt!“ war und zwar „sehr begeistert“, ihre Kurse laufen über die VHS (wieder ab 21. April). Drittens: Zum „Offenen Singen“ mit „Herzenliedern“ lädt regelmäßig Joachim Goerke in der Paulus-Kirche ein, wieder am 21. Juni.

 

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