Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Hinrich Rodatz komponiert daheim am Klavier, hier entstanden auch Takte für Beethovens 10te. Foto: ff
Hinrich Rodatz komponiert daheim am Klavier, hier entstanden auch Takte für Beethovens 10te. Foto: ff

Christoph Rolfes und Hinrich Rodatz verarbeiteten Notizen und Entwürfe für „Beethovens 10te“

ff Lüneburg. Die besten Komponisten gehen einfach viel zu früh. Mozart wurde 35 Jahre alt, Schubert nur 31. Ludwig van Beethoven starb ebenfalls vor der Zeit, er wurde gerade einmal 56 Jahre alt, auch er hätte wohl, obwohl fast völlig taub geworden, noch eine Reihe herausragender Kompositionen geschaffen. Beethovens letzte, die neunte Sinfonie – „Freude schöner Götterfunken“ – gilt heute als populärstes Werk seiner Art überhaupt. Eine zehnte hat der Meister noch begonnen, und natürlich bieten die überlieferten Skizzen und Entwürfe reichlich Stoff für eine Überlegung: „Was wäre, wenn die letzte Sinfonie doch noch vollendet würde?“ Zu jenen, die das zu Ende gedacht haben, gehört Hinrich Rodatz.

Zusammen mit dem Hamburger Dirigenten Christoph Rolfes komponierte der Winsener Rechtsanwalt, der seit Jahren Gasthörer an der Musikhochschule Hamburg ist, „Beethovens 10te“, basierend auf Beethovens Notizen, von denen recht viele erhalten sind und die sich gut zuordnen lassen. Der renommierte britische Musiker Barry Cooper hatte diese Skizzen zu einem ersten Satz ausgearbeitet, er wurde 1988 in der Royal Festival Hall in London uraufgeführt.

Rolfes und Rodatz haben ihre Arbeit größer angelegt und über die Jahre eine vollständige Sinfonie in c-Moll mit gleich fünf Sätzen geschrieben: Allegro vigoroso, Andante, Scherzo, Intermezzo und Finale, insgesamt rund 40 Minuten Musik, angelegt für eine typische Orchesterbesetzung der Wiener Klassik. Jeweils zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner und Trompeten, dazu Pauke und die Streicherfamilie – 13 Stimmen umfasst die Partitur, das macht bei einer Gesamtlänge von 2191 Takten also fast 30000 zu komponierende Takte, ein gewaltiger Aufwand. Der original Beethoven-Anteil ist da naturgemäß relativ gering, verwendet wurden außerdem nicht alle überlieferten Notizen, dafür aber auch Noten und Zitate von Beethoven aus einem anderen Zusammenhang, das Anfangsmotiv seiner ebenfalls populären „Fünften“ beispielsweise. Konzipiert ist das Stück als Coda-Sinfonie, also gewissermaßen als abschließendes Werk, als Resümee.

Nun soll die Sinfonie erklingen. Barry Coopers Beethoven-Satz wurde vom Royal Liverpool Philharmonic Orchestra und später vom London Symphony Orchestra eingespielt. Hinrich Rodatz hat seine „Zehnte“ bisher landauf, landab ohne Erfolg angeboten, Orchesterchefs von großen und kleinen Ensembles – in Hamburg wie in Lüneburg – winkten mit Verweis auf prall gefüllte Terminkalender und knappe Ressourcen ab. So existiert „Beethovens 10te“ bisher nur als CD, eingespielt über ein Computerprogramm. Wer Interesse hat: Hinrich Rodatz ist unter Tel. 04171-690265 zu erreichen.