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Beate Schmegel und Sabine Wohlers bei einer Inspektionsrunde durch den Wassertank  ein Behälter, Kessel wäre falsch, das musste ich auch erst lernen, so Wohlers. Rechts steht die Turmherrin auf der Galerie des Gemäuers, an dem der Zahn der Zeit nagt. Foto: ff
Beate Schmegel und Sabine Wohlers bei einer Inspektionsrunde durch den Wassertank ein Behälter, Kessel wäre falsch, das musste ich auch erst lernen, so Wohlers. Rechts steht die Turmherrin auf der Galerie des Gemäuers, an dem der Zahn der Zeit nagt. Foto: ff

Lüneburger Wasserturm an Ostern: Nur Niklas darf nicht rein

ff Lüneburg. Morgens, wenn sie mit der Arbeit beginnt, macht Sabine Wohlers einen Rundgang durch das Haus wobei dieser Rundgang eher hoch und herunter führt, über sechs Etagen und 298 Stufen (oder einen Fahrstuhl). Als Geschäftsführerin des Trägervereins Wasserturm gönnt sie sich dann einen der schönsten Blicke auf Lüneburg. Im Moment allerdings gilt ihre Aufmerksamkeit eher den Spuren von Sturm Niklas herausgebrochene Ziegel, Wasser in den Wänden, eine Pfütze im Treppenhaus. Und jetzt, über Ostern, hat Sabine Wohlers ohnehin kaum Zeit für romantische Momente.

Heute, Sonnabend, gibt es ein Latin-Konzert zur Vollmondnacht um 20 Uhr mit dem Duo Acoustic Colours. Morgen um 11.30 Uhr Jazz mit Naié Mouangué und Dirk Stübinger. Montag: eine Familienfeier. Dienstag: Impro-Theater und so fort.

Sabine Wohlers ist gelernte Hotelfachfrau und Finanzbuchhalterin, außerdem studierte sie Sozialpädagogik. Damit sind schon mal einige Aufgaben, die zu ihrem Job gehören, abgedeckt. Im Moment aber beschäftigt sie sich eher mit Lack und Wandfarbe. Denn mit dem Abriss der Nordlandhalle, die einst direkt an den Wasserturm herangebaut worden war, traten Schäden an der Außenwand zutage.

Auf der Galerie der dritten Ebene wurden Bienenstöcke eingerichtet. „Eine Biene hat mich gestochen. Aber ich nehme das nicht persönlich. Das Volk hatte gerade zwei Tage zuvor eine neue Königin bekommen, da haben die Bienen auch mal Stress.“ Dafür ist nun auch „Lüneburger Wasserturmhonig“ im Angebot.

Gerade stiefeln zwei freundliche Asiaten mit Kamera und Stativ die schier endlose Metalltreppe des Turms hinauf. Sabine Wohlers kennt das schon, manche Journalisten kündigen sich vorher an, andere nicht. „Da ist ein Fernsehteam aus Japan“, meldet schließlich ein Mitarbeiter okay, nun weiß sie Bescheid. Rund 90000 Besucher hat der Wasserturm pro Jahr, Tagesbestleitung war der Weltwassertag, der 22. März 828 Gäste. Sie werden betreut von vier festangestellten Vollzeitkräften und weiteren zehn Mini- bzw. Ein-Euro-Jobbern.

Im Moment checkt Sabine Wohlers in ihrem schlauchförmigen Büro, das sich halb um die zweite Ebene windet, die Mails: Jeden Tag kommen Nachfragen von Bands, die hier spielen möchten. Die Konzertreihe zur Vollmondnacht 2015 ist längst komplett, dazu kommen die Ausstellungen, Jazz im Turm und die Reihe „Außerhalb der Reihe“. Seit Anfang des Jahres arbeitet die Betriebswirtin und Grafik-Designerin Beate Schmegel an neuen Layouts für die Werbung, an Flyern, Slogans, Logos und an einem Wasserturm-Kalender, der erstmals für 2016 erscheinen soll. Außerdem gibt es ein Update für die Homepage. Auf ihr sollen auch Künstler schon mal ablesen können, ob es Sinn macht, sich für einen Konzerttermin zu bewerben oder nicht. Dicke Gagen gibt es nicht, „aber viele Musiker sind auf der Durchreise und wollen hier Station machen“, sagt Sabine Wohlers, „und sie mögen die einzigartige Atmosphäre.“

Inzwischen wird hier auch Silvester gefeiert. Ansonsten ist der Wasserturm sieben Tage die Woche von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Langweilig wird es Sabine Wohlers also eher nicht, „lebenslanges Lernen“ ist ihre Maxime, man dürfe nur nicht glauben, jetzt alles zu kennen und zu können. Neulich blieb der Fahrstuhl stecken wieder so eine neue Aufgabe. Aber Sabine Wohlers bekam die Technik, untergebracht auf halber Turm-Höhe, in den Griff und setzte ihre Besucher sanft und wohlbehalten unten ab.